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Thema: Kommissar Rex (Berühmte Tierheiten)

  1. #1
    Avatar von Kai Herrmann
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    Ich traf mal den echten Schäferhund 'Rex' mit seiner englischsprachigen Hundeführerin in einem Aufzug in Wien. Wir fuhren vom 6. Stock ins Erdgeschoß und ab ca. 5.Stock errinnerte ich mich das Filmarbeiten derzeit zu Gange sind. Dann kappierte ich schnell mit wem ich es hier zu tun hatte. Mit Kommisar Rex privat, intim, in einer Drehpause, auf dem Weg zum Gassigehen.
    Der Hund hechelte wie ein Verrückter und die etwas korpulentere Hundeführerin versuchte ihn andauern unterschwellig zu beruhigen: 'Good boy,...good boy!..., good boy...'.
    Bei jedem Stockwerk fuhr ein Lichtstrahl durch den Aufzugsschlitz und der Hund zuckte mit dem Kopf hinterher bis der nächste kam.
    Kurz vor Erdgeschoß strich ich ihm noch vorsichtig, in Demut, über die Rückenmähne.
    Dann entschwandten beide in die Frischluft.

  2. #2
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    Das finde ich aber mutig, daß du den offensichtlich verhaltensgestörten Rex auch noch angefaßt hast. Die schönste Stelle der Story finde ich die mit dem Lichtschlitz des Fahrstuhls. Hat sich die dicke Dame denn noch beruhigt? Oder gar ihn?

  3. #3
    Avatar von lacoste
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    Ich glaube, es war 1976 oder 1977, jedenfalls muss es recht kurz nach den Olympischen Spielen 1976, die in Montreal stattfanden, gewesen sein. Spätestens aber 1978. Dort in Montreal hatte der Springreiter Alwin Schockemöhle mit seinem Pferd Warwick Rex für Deutschland in der Einzelwertung die Goldmedaille errungen. Peinlicherweise weiß ich nicht, ob Warwick Rex ein Hengst oder ein Wallach war. Jedoch das Gespann Schockemöhle/Warwick Rex erlangte durch seinen spektakulären internationalen Siegeszug ähnlichen Kultstatus wie Jahre zuvor Hans-Günther Winkler mit seiner treuen Hallah. Als kleines Mädchen war ich mir selbstverständlich meiner Verpflichtung bewusst, der Pferdenarretei zu fröhnen. Also ging ich dieser Verpflichtung im Verbund mit mehreren mehr oder weniger befreundeten gleichaltrigen Mädchen gewissenhaft nach, nahm Reituntericht, sammelte Pferdeposter, hängte mir altes geklautes Zaumzeug ins Zimmer und alles was dazugehört. Dazu gehörte auch, die berühmtsten Pferde zu kennen und zu verehren. Der Star unserer Mädchenherzen war Gazahl, ein weißer Araberhengst aus dem Besitz Grzimmecks (?) (Serengeti darf nicht sterben), dicht gefolgt von Man o' War, einem amerikanischen Rennpferd, dass tot war und direkt dannach kam schon Warwick Rex. Einmal im Jahr fand und findet noch immer in Münster das 'Turnier der Sieger' statt. Aus diesem Anlass versammelt sich dort für eine Woche die Creme de la Creme des Reitturniersports, um Geld zu gewinnen. Der Tag vor dem ertsen Turniertag dieser Woche war Schulschwänz- und Großkampftag für alle pferdenärrischen Mädchen, denn an diesem Morgen wurden die Pferdezelte umlagert und die jeweiligen Pfleger der schönen Berühmtheiten abgefangen, um sich einen Co-Pfleger-Ehren-Auftrag bei den geliebten Tieren zu sichern. Co-Pfleger-Ehren-Auftrag bedeutete, dass man in der Nähe der Stars geduldet wurde und dem Pfleger gelegentlich einen Hufkratzer oder einen Mähnenkamm reichen durfte. Man durfte Pferd und Pfleger sogar auf den Abreitplatz begleiten, wo sie sich während der Kampfveranstaltung aufhielten, wenn die jeweiligen Schützlinge gerade nicht dran waren. Das war natürlich auch eine hervorragende Gelegenheit, Autogramme von den berühmten Reitern zu sammeln. Wenn man seine Sache in den ersten Tagen gut gemacht hatte, durfte man am letzten oder vorletzten Tag den promineten Sportler nach seinem Einsatz auch manchmal trockenführen. Und in jenem Jahr war es mir tatsächlich gelungen, den Co-Pfleger-Job bei WARWICK REX zu ergattern!!! Und ich machte meine Sache verdammt gut und durfte Warwick schon am zweiten Tag unter der strengen Aufsicht seines Chef-Pflegers trockenführen. Also jeden Nachmittag hing direkt nach der Schule auf dem Turnierplatz herum, verehrte den schönen rotbraunen Warwick Rex, reichte Hufkratzer und Mähnenkamm an, sammelte Autogramme, holte Pommes für meinen Vorgesetzten, schob Steigbügel hoch und zog sie wieder runter, wusch schaumverschmierte Gebisse aus, rieb den Star leidenschaftlich ab und führte ihn manchmal trocken. Es war eine herrliche Zeit, doch nach einer Woche nahte das wehe Ende. Am letzten Tag wurde ich mir schlagartig über die Vergänglichkeit des Glückes an der Seit einer Berühmtheit bewusst. Fieberhaft dachte ich darüber nach, wie ich mir wenigstens eine greifbare Erinnerung an diese leuchtenden Tage bewahren konnte. In einem Augenblick der Unaufmerksamkeit meines Vorgesetzten, riss ich mit dem Mut der Verzweiflung und dem Wissen 'Jetzt oder nie' dem braven und geduldigen Warwick Rex kurzerhand drei oder vier Mähnenhaare aus. Wer jemals einem Pferd Haare ausgerissen hat weiß, dass die verdammt festsitzen. Die Haare verstaute ich in meinem Autogrammheft. Als Warwick Rex dann endgültig von mir fortgeführt wurde, sammelte ich noch eine Hand voll Sand aus seinem Hufabdruck auf und verstaute ihn in meiner Butterbrot-Dose. Zuhause steckte ich Haare und Sand in ein leeres Marmeladenglas und klebte einen Zettel dran auf dem stand: 'Haare von Warwick Rex und Sand wo Warwick Rex draufgetreten hat'. Das Glas habe ich lange aufbewahrt.

  4. #4

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    So wäre ich auch gewesen! Oder, um Harry Rowohlt aus dem Gedächtnis zu zitieren: 'Nur die besten von uns waren 8'

  5. #5
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    ja, Pferdenarretei war Plicht bei uns Mädchen.Ich war ihr selbstverständlich auch verfallen. Einmal hat mich ein böses, berüchtigtes aber nicht berühmtes Pferd gebissen. Da habe ich zurückgebissen, aus purer Verzweiflung. Fortan hatte ich meine Ruhe vor dem Satansbraten.

  6. #6
    Avatar von Kai Herrmann
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    Der Name Rex scheint dem Ruhm verplichtend zu sein.
    Ich probiers auch mal
    Rex Herrmann

  7. #7

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    Liebe Maisch hinwiederum, so wäre ich nicht gewesen! *schlotter* Ein Pferd beissen, traun sich nur Fraun.

  8. #8
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    Natürlich war auch ich ein pferdenärrisches Mädel. Aber ich habe Hendrik Snoek und seinen Schimmel Rasputin verehrt. In Donaueschingen schlich ich immer um die Pferdeboxen herum und beneidete die Pflegerin unendlich, die den prachtvollen Schimmel striegelte und trocken führte. Und einmal durfte sie den Steigbügel für Hendrik halten!
    Doch niemals kam ich so nah, um Schaum- oder Schweißspuren von Pferd und Reiter zu spüren. Ach, wie beneide ich Dich, Corinna! Und Beißen war schon gar nicht drin.

  9. #9
    Avatar von lacoste
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    Liebe Wuggi,
    Rasputin und Hendrik Snoek, habe ich auch kennengelernt. Hendrik Snoek hat sich sogar mal an meiner Schulter abgestützt, als er über ein Gatter kletterte. Pikant: Hendrik Snoek hat Alwin Schockemöhle später die Frau ausgespannt und selbst geheiratet.

  10. #10
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    Das mit Alwins Frau wußte ich wohl, aber es hat mich damals so gekränkt, daß ich es im untersten Unterbewußtsein verdrängt haben muß. Noch heute zerreißt es mir das Herz. Und Du, holde Rivalin, hast Worte mit Herr und Pferd gewechselt? Seine Hand auf Deiner Schulter? Ich wäre wahrscheinlich zusammengebrochen vor Zittern und Beben, so daß er das Gatter nicht hätte erklimmen können. Gut, daß er Dich traf.

  11. #11
    Avatar von Elli Kny
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    Ich habe Angst vor Pferden, obwohl ich Haare wie ein Ross habe und meine Zähne ebenfalls etwas Pferdisches an sich haben, leider.
    Dafür wurde ich einmal von einem 5-jährigen Schüler gebissen. Der kleine Schlingel biss unvermutet in meine Hand und ich hatte für einige Tage einen winzigen Abdruck eines Kindergebisses als Mahnmal. Dieser färbte sich dann bläulich und zum Abschluss gelb.
    Ich habe nach dem Biss in der Klasse getobt und mir auf ewig einen Autoritätsstatus erworben.
    Trotzdem, ich hasse Pferde!
    ------------------
    Elli Kny


  12. #12
    Avatar von le_reptile
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    ich bin ja pferdefeind. und hundefeind - zumindest wenn es darum geht, dass mastinos in grossstädten in 2zkb-wohnungen gehalten werden. also eher eigentlich kein tierfeind, sondern nichtartgerechtetierhaltungsfeind. obwohl ich mich da schon belehren lassen musste, dass es schliesslich leute gibt, die sich hunde in der stadt halten müssen, wegen der einsamkeit. ok.
    ist ja egal.
    jedenfalls hatte ich in wien auch die gelegenheit, den hund mit dem pseudonym rex kennenzulernen. nämlich als plötzlich mitten im september ein filmtrupp vor unsrerem haus im 6. Bezirk auftauchte, die strasse absperrte, die dachkandeln mit watte verzierte und die wände mit kunstschnee besprühte. rex im winter, aber im september. komparsen und schauspieler in daunenjacken fanden sich ein. schliesslich auch seine hoheit selbst, rex mit führerin. oder trainerin oder wie man das auch immer nennt. ich konnte das zwar alles prima aus dem fenster beobachten, allerdings trieb mich die neugier schliesslich doch an die absperrung, wo ich mit kleiner tochter an der hand ein wenig herumpaparazzierte. allerdings nicht lange, da kam schon eine der dogsitterinnen und ermahnte uns, doch bitte weiterzugehen, weil das tier abgelenkt werden würde.

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