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Thema: Kapielski, der Engel, Henry Rollins und ich

  1. #1
    MaybachMember Avatar von Herr Uffelmann
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    Kapielski, der Engel, Henry Rollins und ich

    Kapielski haben mir Angelika Maisch und Jockel vor langer Zeit angetragen und ich bin noch heute voller Dankbarkeit. Freiwillig nimmt nämlich niemand die schmucklosen Bändchen aus dem Merve Verlag in die Hand, zu sehr erinnert das Layout an Bücher wie "Physik für Mittel,- und Oberstufe".

    Jetzt ist ein neues Büchlein erschienen, "Weltgunst" und Herr Kapielski gab sich gestern Abend die Ehre, daraus ein wenig vorzulesen, im Malersaal des Schauspielhauses. Auf der anderen Seite der Alster las am selben Abend Feridun Zaimoglu im Literaturhaus. So trennte sich wohl die Spreu vom Weizen und obwohl ich mir die Karte für Kapielski, eine Gehbehinderung vortäuschend, per Post zuschicken lies, fand jeder Besucher einen Sitzplatz im Malersaal.

    Kapielski selbst saß auf einem grünen Plastikhocker, die Beine unvorteilhaft nach links und rechts gespreizt und ich mühte meinen Blick nicht vom Gesicht des Dichters nach unten rutschen zu lassen. Kapielski trug einen dreiteiligen Anzug, cremefarben, erlaubt mir das theatrale Schummerlicht zu mutmaßen, dazu ein bordeauxfarbenes Hemd.

    Er las mit wunderbarer Stimme einige Weltanschauungen, beweinte allgemein sein Schicksal und erzählte von Engelsbesuchen, bei denen er aufgefordert wurde 14 Biere zu trinken und einandermal schickte der Cerub ihn nach El Paso sich Cowboystiefel auf die Füße schneidern zu lassen. Einige Menschen im Publikum lachten garnicht, der Rest dafür umso lauter, ja hysterisch und zwar immer dann, wenn Kapielski zwischen zwei Vorträgen minutenlang im Büchlein blätterte, leise kicherte und dabei vor sich hin sprach: "Ja, also ich muß das jetzt verschärfen, Achtung jetzt wirds, also, doch, äh, Hier!". Ich selbst verharrte den gesamten Abend bewegungslos, leicht nach vorn gebeugt und kämpfte mit dem Erstickungstod, vor Lachen ging mir schnell die Luft aus, die Raucherlungen drohten zu explodieren und ich betete doch, Kapielski möge nicht aufhören.

    Er hörte dann doch auf, deutete eine Verbeugung an und wurde vom Scheinwerferlicht hinter den Vorhang getragen. Ich heftete mich an die Fersen der Veranstalter, in der Hoffnung 14 Biere mit Kapielski trinken zu können und dabei das Geheimnis um die geliehene oder selbst erzeugte Tochter zu lüften(Siehe hier). In einer Bahnhofsspelunke traf sich dann auch das gesamte Hamburger Literaturveranstaltungsvölkchen, Kapielski fehlte. Nachfragen meinerseits ergaben ein unklares Bild. Mit einem 16jährigen Groupie sei er gleich nach der Lesung entschwunden. Andere wußten zu berichten, das sei seine Tochter und die sei schon über zwanzig. Nach eineinhalb Bieren Ratlosigkeit, beschloß die versammelte Mannschaft man könne doch jetzt auch mal den Auftritt von Henry Rollins im Januar besprechen.

    Henry Rollins.

    Der Henry Rollins?

    HENRY ROLLINS!

    Da war er, ein erneuter Gottesbeweis! Es gibt nämlich in meinem Leben überhaupt keinen Gott, außer Henry Rollins. Und Frau Maisch, Jockel und Herr Kapielski hatten mich an diesen Tisch geführt, an dem die Erscheinung Gottes für Januar verkündet wurde. Die Musikbox spielte La Paloma, die Glücksspielautomaten klingelten und aus dem Meer verrauchter Fußballfan-Schals die von der Decke hingen, verbreitete sich ein gleisendes, weißes Licht. Ein Engel schwebte auf mich herab, drückte mir ein weiteres Bier in die Hand und sprach dann: "Siehe, Uffelmann, versoffener Nichtsnutz vor dem Herrn, Staub bist Du und zu Staub wirst Du, zuvor aber bist Du noch ganz schnell auserwählt, Gott zu bekochen. Gehe hin und koche für Henry Rollins, meide aber das Fleisch und alles Fleischliche, und meide den Rauch und den Suff, sonst erzürnest Du den Herrn!".

    War ja klar. 15 Leute am Tisch und keiner außer mir hatte den Engel gesehen. trotzdem belehrte ich die Unwissenden und bot meine Dienste als Vegan-Vegetarischer Caterer an. Hofus Einwand ich würde mich ja jetzt hier wohl doch ein wenig sehr prostituieren, wischte ich beiseite. Ich war auf eine Mission.

    Die Reaktionen waren gemischt. Ein Veranstalter meinte, das tue wohl nicht Not, Rollins esse sicherlich im Hotel. Ein andere Veranstalter hielt mein Ansinnen für eine großartige Idee.

    Ich werde berichten, und sollten meine Dienste gewünscht werden, auch hier die Speisepläne veröffentlichen. Bis dahin heisst es Daumen drücken und eine Bitte zum Schluß, es möge sich doch jeder, der Gott schon mal begegnet ist, in diesem Strang äußern. Für Tipps und Ratschläge bin ich dankbar.

  2. #2
    Moderator Avatar von rron
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    Rollins ist weder Veganer (gastronomical coward), noch Vegetarier (first the veggies got their shit, then we, the real people, got our shit).
    Anspieltipp: "Russia" auf der Think Tank, da erwähnt er auch, was er gerne isst.

  3. #3
    Avatar von emily minibar
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    Er las schon einmal, vor etwa fünf Jahren, bei gedämpfem Licht und bestuhltem Zuschauerraum in der Fabrik. Wenn ich mich recht erinnere, berichtete er vom Einkaufen mit seiner damaligen Freundin in einem Einrichtungszubehörgeschäft.
    Erschreckend mittellustig, das Ganze.
    Gegessen und getrunken hat er öffentlich nicht.

  4. #4
    Abebe Lowumbo Avatar von joq
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    ich finde, Henry ist wahnsinnig angestrengt, irgendwie finde ich, dass Henry Rollins so ein bisschen wie BAP ist.
    More gin in teacups

  5. #5
    MaybachMember Avatar von Herr Uffelmann
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    Das ist ja alles schon mal sehr interessant. Ich werde Rrrons Einwurf folgen und mal ein bißchen recherchieren was der Herr Rollins denn jetzt wirklich so ißt.

    In der Fabrik war ich auch, damals vor fünf Jahren. Rollins im eleganten, schwarzen Anzug mit samtblauem T-Shirt, sprach launige drei Stunden stehgreif über dies und das. Interessant daran, alle Menschen die an dem Abend in der Fabrik waren und die ich kenne, erinnern sich nach fünf Jahren noch an das von Emily Minibar angerissene Einkaufserlebnis ("..and every stinking cinamon-candle comes with a free Sting-CD on the bottom."),alles andere ist vergessen.

  6. #6
    Member Avatar von julia mantel
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    jmantel

  7. #7
    Runzelmember
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    Ich finde H.R. nicht anstrengend, es sei denn er haut sich gerade irgendwelche Nägel durch die Füsse.
    Ansonsten habe ich ihn von konzerten als relativ witzig in Erinnerung.
    Nur die sache mit dem Eisenbiegen nimmt er zu eng.
    Wenn eine Sache anfängt irre zu werden, werden die Irren zu Profis!
    Hunter S. Thompson

  8. #8
    Large Member Avatar von vir
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    Heute in Berlin

    Die meisten von EUch werden heute ja zur Blue Men Groep gehen und die anderen zu Ulla Meinecke mit VEronika Fischer. Aber die Armen, die keine Karten mehr gekriegt haben könnten, ja sollten, hierhingehen und mir dann bitte mit mindestens UFfelmannscher Ausführlichkeit davon berichten.
    Die, hogenpops, die!

  9. #9
    Moderator Avatar von honz
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    Normalerweiwe kann ich das HAU nicht ausstehen, ich wohne direkt daneben und die Arschlöcher nehmen mir JEDEN ABEND die Parkplätze weg, aber wenn du mehr über die verkannten Christoph Hahn und Klaus Krüger erzähltest, täte ich da vielleicht mal ein Auge zudrücken.

  10. #10
    Large Member Avatar von vir
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    Zeremonienmeister und Conférencier ist wie immer Kapielski, die anderen zwei sind glaub Musiker. Ich habe grad die Beschreibung nicht da, die stelle ich aber in einer halben STunde hier rein.

  11. #11
    Auch empfehlenswert: Kapielski bei Radio Hochsee am 13.04. im Burger.

  12. #12
    Large Member Avatar von vir
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    Liebe Freunde,

    weil es so lange her ist, erinnere ich noch einmal höflichst, daß schon morgen, am 4.4.5 um 20 Uhr, im Berliner HAU 2, Hallesches Ufer 32, das Vierte Internationale Verkanntentreffen stattfindet:

    Zwei in Berlin sorgfältig versteckte musikalische Erhabenheiten werden auftreten:

    Christoph Hahn, einst Gitarrist bei Alex Chilton, Goldene Vampire, Les Hommes Sauvages.
    Und:
    Klaus Krüger, Schlagzeuger bei Curly Cave, Tangerine Dream, Iggy Pop, Komponist und Solist.

    Mit besten Grüßen
    Euer TK

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