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Thema: Menasse, Robert, mit Chat Noir besprüht

  1. #1
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    Menasse, Robert (mit Chat noir begossen)

    Es muss um die Mitte der 70er Jahre gewesen sein, als ich mich, vorfeministisch, adoleszent, gerade-nicht-mehr oder noch studentisch, mit meiner besten Freundin im Kaffeehaus traf. Café Museum, vorderer Teil. Ich blicke auf einen jungen Mann, dessen Namen ich gerade zu ersten Mal mit einer gewissen Eindringlichkeit ausgesprochen gehört habe, den adoleszenten, gerade-nicht-mehr oder noch studentischen Robert Menasse. Der lehnt sich, sieben Meter weiter, in ein hellrot gepolstertes Plastiksitzmöbel zurück, das im Halbkreis einen der klassischen runden einbeinigen Marmortische umschließt, und hält Hof.

    Meine Freundin und ich sitzen an oder in einer viereckigen, hellrot gepolsterten Einpersonennische, ergänzt durch harte, wackelige Holzstühle an einem viereckigen Marmortisch. Wir betrachten die Szenerie um den vermutlich gelehrt sprechenden Menasse im roten Plastik-Halbzirkel mit Skepsis. Der Robert hat immer beleidigt dreingeschaut, wird meine Freundin dieser Tage sagen. Damals sprach sie leise an mein Ohr: Menasse habe sich von Z. trotz/wegen deren Schwangerschaft getrennt, sich von ihrem Vater Geld für eine Abtreibung geben lassen und sei schließlich um dieses Geld mit einer Anderenfrau nach Venedig gefahren.

    Vielleicht waren es Z. und die Anderefrau, die irgendwann miteinander redeten und dann handelten. Vielleicht kamen andere Frauen, die mit Robert Menasse Ende der 70er oder Anfang der 80er Jahre Sex hatten, dazu. Vielleicht lernten Z. und die Anderefrau einander in einer Gruppe Menasse-geschädigter Frauen kennen, die über Menasse redeten.

    Irgendwann, hörte ich dann wohl Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre, ein- oder zweimal, hätten die Frauen den Signifikanten dieses Diskurses überlistet, ihn festgehalten und literweise Chat Noir, ein schweres, süßliches Parfum, appliziert. Er soll wochenlang danach gerochen haben.

    Denken Sie bitte nicht darüber nach, wer Z. sein könnte - "Z." ist willkürlich gewählt.

    Geändert von poldi (26.02.2003 um 23:28 Uhr)

  2. #2
    Comandantina
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    Eine herrliche Geschichte! Der arme, arme Menasse! Ich kann mir den Vorfall lebhaft vorstellen. Was trug Menasse eigentlich drunter? Ist das auch bekannt? Irisch Moos oder Pitralon?

  3. #3
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    Danke, Andrea! Was er drunter trug, ist mir nicht bekannt; ich kenne auch niemanden, die/der ihm so nahe gekommen wäre.

    Geändert von poldi (26.02.2003 um 23:28 Uhr)

  4. #4
    Comandantina
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    Vielleicht weiss Herr Kronigl mehr. Der weiss oft so Sachen wie wenn wer Pitralon trug in den 70ties.
    Andrea Maria desanotrisieren

    [Posting #1]
    Murmel Clausen
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    Nachdem sich Andrea Maria verabschiedet hat und nun samt Texten das Weite sucht, denke ich, dass Ihre Anwesenheit im Senatorium auch nicht weiter notwendig ist.

  5. #5
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    herr kronigl könnte das wissen, er weiß so viele sachen... pitralon? old spice? gar nix

    mit einem kurzen starken schrecken habe ich bemerkt, dass mir die erinnerungsperspektive verrutscht ist - ich muss die geschichte überarbeiten (das wesentliche bleibt allerdings erhalten).

    übrigens hat sich robert menasse in einem ZEIT-magazin oder einem ZEIT-special - zur zeit des österreich-schwerpunkts auf der frankfurter buchmesse? - in einem damenflor präsentiert. diese foto-stilisierung wurde von manchen weniger als ironisch denn als lächerlich empfunden.

    _______________________

    machense mal halblang, junger sanator.
    Geändert von poldi (26.02.2003 um 23:30 Uhr)

  6. #6
    Comandantina
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    So ist das mit Mythen, Poldi, die sind immer verrutscht. Odysseus war vermutlich ein kleiner schielender Zwerg und Jesus ein notorischer Querulant. Vielleicht war es gar nicht Chat Noir und gar nicht Menasse? War es Elfriede Jelinek und Bratensosse? Oder André Heller und Uhu?
    Andrea Maria desanotrisieren

    [Posting #1]
    Murmel Clausen
    Moderator

    Nachdem sich Andrea Maria verabschiedet hat und nun samt Texten das Weite sucht, denke ich, dass Ihre Anwesenheit im Senatorium auch nicht weiter notwendig ist.

  7. #7
    Member
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    das letzte mal hab ich robert menasse auf der wiedner hauptstraße gesehen, beim würschtelstand gegenüber der wirtschaftskammer. war es herbst? war es frühling? ich kam gerade von der ärztin, er war mit einem weiblichen kind unterwegs.

    obwohl elfriede jelinek auch gern café museum! und ranzi heller früher manchmal ancora verde, zu mittag. beide wurden bisher noch nicht von frauen überfallen.

    die erzählung besteht auf menasse & chat noir ("hurenparfum"). es ist der zweite mir in wien bekannte überfall einer frauengruppe auf einen mann (der erste betraf harald irnberger, davon gab es dann ein foto).

    der müthos ist über mehrere generationen eingedickt, wie sirup. die erinnerung ist eine illusion! wenn man sich den ganzen tag ins bett legert, die wände mit kork tapeziert, die fenster verrammelt, suppe serviert bekommt und sich nix als erinnert, vielleicht gingert's dann besser... ich muss mein patschert's leben aufschreiben, bevor ich's ganz vergess.

    __________________

    so wirsch, junger mann? das kostüm des hexenjägers steht ihnen schlecht.
    Geändert von poldi (26.02.2003 um 23:36 Uhr)

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