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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Berger, Helmut (CINEMA ist für Kartoffelvotzen)



Edding Kaiser
19.09.2002, 23:13
Vor ein paar Jahren drehten wir in Berlin einen Film, in dem Helmut Berger in der Rolle des Helmut Berger mitspielte. Die erste Szene mit ihm wurde am Potsdamer Platz gedreht, der damals noch eine riesige Baustelle war. Das Drehbuch sah vor, dass Berger über eine Baustellenbrücke geht und dabei «eine Film-Fachzeitschrift» liest.
Berger erschien gegen 13:00 Uhr am Set. Er hätte eigentlich um 8 da sein sollen. Als Entschuldigung gab er an, dass er sich habe betrinken müssen. Das hatte er allerdings bravourös geschafft. Er war strunzblau.
Dann machte er einen Aufstand. Unter keinen Umständen sei er bereit, in der anstehenden Szene das Magazin «Cinema» zu lesen, das die Requisite für ihn bereithielt. Er lese nur «Variety». Alles Zureden meinerseits nützte nichts. Entweder «Variety» oder er dreht nicht. Ein Assistent fuhr mit dem Taxi los. Es dauerte fast eine Stunde, bis wir ein Exemplar von «Variety» hatten. Wir hinkten mittlerweile mehr als sieben Stunden hinter dem Drehplan her. Und wir hatten noch viel Programm vor uns an dem Tag. Und jeder Drehtag mit Berger kostet Geld. Daher wurde die Devise ausgegeben: Wir drehen die Szene, wie Berger lesend über die Brücke geht, genau EIN mal. Dann packen wir zusammen und rasen zum nächsten Set. Berger nahm das Magazin und ging auf seine Position. Er bestand darauf, dass man ihm mit Klebestreifen auf dem Boden den Punkt markiert, an dem er für die Kamera sichtbar wird – «sonst kann ich nicht präsent sein.»
Kamera – Ton – und bitte! Berger geht los, lesend. Er betritt die Brücke, gleich wird er sichtbar für die Kamera sein. Kurz bevor er den markierten Punkt erreicht, klappt er das Magazin zu und wirft es in hohem Bogen über das Brückengeländer, es flattert anmutig in die Tiefe und mit kaum hörbarem Klatschen landet es in einem Baustellensee, grüsst noch kurz und versinkt dann langsam.

Später drehen wir Innen. Bergers Szene geht wie folgt: Er betritt einen Raum, geht ein paar Schritte, bleibt stehen und sagt dann: «Es ist nie zu spät, das Unmögliche zu wollen, selbst wenn man es nie erreichen kann!» Mittlerweile ist er so blau, dass er kaum noch gehen kann. Geschweige denn sprechen. Wir brauchen dutzende Takes, um ihn überhaupt bis an den Punkt zu bringen, an dem er reden soll. Er wankt, er schlägt hin, er taumelt in die Kulisse und schlägt sich die Fresse blutig. So geht das bis in die Nacht. Und dann... DANN. Hat er den Raum betreten. Er wankt nicht! Er hat es geschafft, bis an die richtige Stelle zu gehen! Jetzt Text, Helmut, bitte!
«Es ist nie zu spät...» Ja, Helmut, Du schaffst es! «...das Unmögliche zu wollen,...» Ja, bitte, sag es, dann können wir alle schlafen gehen! «...selbst wenn man es nie erreichen...» Nur noch ein Wort, Bergerchen, nur noch ein Wort!
Aber Berger sagt dieses Wort nicht. Er hat gemerkt, dass er es beinahe geschafft hat und das kann er nicht zulassen. Das erlaubt ihm sein Selbstzerstörungstrieb nicht. Er darf es einfach nicht schaffen. Und deshalb sagt er nicht das von uns so sehr ersehnte Wort «kann». Sondern den an dieser Stelle unpassenden und in vollendeter Hysterie herausgebrüllten Satz «Solange DIESE Kartoffelvotze im Raum ist, kann ich nicht arbeiten!»

Die Assistentin verliess dann den Saal.




P.S.: Später nannte er mich dann noch «Judensau». Aber das ist eine andere Geschichte.

Lotta Krach
19.09.2002, 23:18
kann.

Werd ich jetzt berühmt??

Aporie
19.09.2002, 23:41
Was ist da nun schief gelaufen?
Helmut Berger zu sagen, er solle Helmut Berger spielen oder nicht mitzudrehen, wenn er es tut?

Benzini
19.09.2002, 23:46
Helmut Berger ist immerhin der beste Alkoholiker Deutschlands.

Herr Weber
19.09.2002, 23:48
Österreichs!

Tobler, als die Szene mit der Zeitschrift kam, die ins Wasser segelte, lachte ich die Nachbarn wach!

Andrea Maria
20.09.2002, 09:35
Esto es la más Toblerissimo!

joq
20.09.2002, 09:56
Ist das HERRLICH!
HERR-LICH!

Tobler, ich möchte Sie küssen!

poldi
23.09.2002, 16:38
eine bemerkenswerte helmut-berger-geschichte nach der anderen taucht auf.

luchino visconti hat helmut berger offenbar gründlich verzogen.

und wie war das mit dem kleingedruckten?

U_Sterblich
25.09.2002, 13:03
Dieses ist eine SO herrliche Geschichte, dass ich einfach mal frei heraus sagen möchte: eine ganz vortrefflich herrliche Geschichte, und zwar SOwas von!

P.S.: Bin begeistert!

_____________________
Mein lieber Scholli, ist DAS eine geile Geschichte.

joq
20.02.2003, 15:48
.

stu
24.04.2003, 18:52
*

hanswasheiri
29.10.2003, 17:30
hallo gast, gut wahl!

Klede
04.11.2003, 13:15
Fuer stu (http://www.hoeflichepaparazzi.de/forum/showthread.php?postid=298468#post298468) gewuchtet.

Ich versuche uebrigens schon seit Monaten, einen Freund von mir zu ueberreden, mal seine Helmut Berger Erlebnisse aufzuschreiben, leider ohne Erfolg. Kinder, waere das eine tolle Geschichte.

Man kann diese Supergeschichte uebrigens ganz leicht finden: einfach nach "Kartoffelvotzen" googeln (Plural ist wichtig), diese Geschichte ist das einzige Suchergebnis.

Elpenor
04.11.2003, 13:35
Gerade gegoogelt. Ergebnis
Kartottelvotzen 0 Treffer, meinten Sie Kartoffelfotzen.

Larry Erbs
04.11.2003, 13:42
Kartoffelfodsen
Kartoffelvozzen
Kartoffelfozzen
Kartoffelvoddsen
Erdäpfelmuschis

So, jetzt findet man die Geschichte immer!

elinor
23.01.2004, 00:09
In einigen Minuten: Helmut Berger bei Harald Schmidt (Wiederholung vom 30.03. 1996)

Der Admiral
23.01.2004, 01:08
Eine TV-Perle.
Berger überraschte mich in zweierlei Hinsicht:
1. war er pickepackevoll; lange nicht mehr jemanden so besoffen im TV gesehen.
2. dachte ich Klischeetrottel immer, Schwule würden was von Mode verstehen - Rotes Samtjacket mit dunkelblauem Einstecktuch, darunter eine gelbe Weste (aufgeknöpft) mit schwarzen Rechenkastenmuster, darunter ein weiß-blau gestreiftes Hemd und dazu noch eine blau-krank-orange gemusterte Kravatte. Ich tippe auf lila Unterwäsche.

Klede
23.01.2004, 01:18
Admiral, das habe ich jetzt richtig verstanden, oder? Du warst ueberrascht, dass Berger besoffen im Fernsehen auftrat?

Der Admiral
23.01.2004, 01:35
Ja, weil so offensiv besoffen. Die tuntige Gestik wurde so dermaßen beschleunigt, daß er selber kaum noch Worte & Gesten koordinieren konnte. Ich verfolge Bergers Auftritte nie, ist das sein Standard?

joq
23.01.2004, 10:37
hättest ihn mal bei Schlingensief sehen sollen,zusammen mit Beate Uhse. Sternstunde!

olivia_twist
13.08.2006, 19:23
Diese Geschichte stimmt. Ich war selbst dabei. Helmut Berger schien mir gar nicht so extrem besoffen, aber wahnsinnig unwillig "ZU FUNKTIONIEREN". Wahrscheinlich lebt Helmut Berger in einer anderen Zeitzone, weshalb er immense Probleme hatte, diesen einen Satz wiederzugeben.
Am Tollsten an der ganzen Aktion war Schlingensief selbst. Er war der Regisseur des Films, der fortlaufend versuchte, den durchgeknallten Berger dazu zu bewegen, diesen einen Satz zu sagen. Schlingensief, ungewohnt ruhig, analytisch, Florence-Nightingale-mäßig, oder Mutter-Teresa-mäßig versuchte Berger quasi schamanistisch einzuschwören auf die Formel.
Helmut Berger konnte es aber nicht. Er fragte, zu recht, wie mir schien:
"Warum soll man etwas Unmögliches versuchen, wenn man es eh nicht erreichen kann!" Gute Frage, oder? Besonders toll war Schlingensiefs Antwort:
"Stimmt, der Satz ist Mist, sag`s bitte trotzdem!".
Der Satz hieß: Es ist nie zu spät, das Unmögliche zu wollen, auch wenn man es nie erreichen kann.
Ich habe mir den Satz gemerkt, komischerweise.
Ich werde ihn wohl nie vergessen.
Helmut Berger setzte sich dann noch neben mich und unser Foto erschien in der "Bild-Zeitung", oder der "B.Z.", oderso.
Das war der Tag, an dem ich neben Berger in der Zeitung erschien.
Aber nur, weil ich ihm Zigaretten spendierte.

BockII
13.08.2006, 22:49
Du musstest aber nicht den Raum verlassen, oder?

rron
13.08.2006, 22:57
Ich finde es auf jeden Fall super, dass endlich jemand Toblers Geschichte verifiziert. Die nagenden Zweifel über all die Jahre haben mich fertiggemacht.

Sabeta
19.08.2006, 21:02
Ich muss jetzt aber schon wissen, ob Schlingensief sich nun eher Florence-Nightingale-mäßig oder Mutter-Teresa-mäßig verhalten hat!

Alberto Balsam
20.08.2006, 20:37
wohl eher wernerherzogmäßig, also noch schlimmer als die servilste Nuss in der Branche

stu
21.08.2006, 08:52
Das Ding ist ja, das ich die Kartoffelvozze persönlich kenne, mittlerweile.

honz
14.09.2006, 11:51
...

detritus
23.07.2008, 20:08
eine seltsame eingebung lies mich eben bei google nach "kartoffelvodze" suchen, wohl wissend, dass ich dann eigentlich toblers erzählung finden müsste. kam aber nix.

na ja, kartoffelfotze ging dann, aber die geschichte kam erst an dritter stelle, nun frage ich mich wer dieser "nexo (http://www.ninonexo.de/blog/2007/01/24/solange-diese-kartoffelfotze-im-raum-ist-kann-ich-nicht-arbeiten/)" ist und ob der einfach so ohne quellenangabe zitieren darf.

ansonsten: wuchtpunkt, auch wenn nicht freitag ist.

Ebbesand Flutwasser
07.04.2009, 08:35
Heute mal wieder "spitzenmäßig drauf", dödödö. (http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~EA3AC79A57826421A8CDAC9F44AD0F662~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

hanswasheiri
07.04.2009, 09:34
glaubt es oder nicht: ich habe die kartoffelv mittlerweile kennengelernt. nette frau. redet ein bisschen viel. aber nichts dummes eigentlich. sie trug ein tshirt, auf dem eine lackgekleidete frau auf einer riesigen erdbeere reitet. ich lernte sie kennen im bad einer party, auf die auch tobler kommen wollte. natürlich war ich völlig ahnungslos.

das schönste an ihr war toblers gesichtsausdruck, als er mich begrüssen wollte und sah, mit wem ich grad redete. das zweitschönste war ihr gesichtsausdruck als tobler sagte: wir kennen uns und ihr auf den kopf zusagte, wo sie sich vor 10 jahren getroffen hatten. das schwierigste für mich war: mich unauffällig zu verhalten, als mir tobler in den nacken flüsterte: das ist die kartoffelvotze.

stu
07.04.2009, 12:52
Und Hanswasheiri, nicht vergessen: Ich bin mit Kartoffelvotzes Ex-Ex-Ex-Freund verheiratet. Krass, oder?

hanswasheiri
07.04.2009, 14:22
hätte ich diese Information auch noch an diesem wochenende bekommen, hätte ich einen kartoffelvotzeninformationsoverkill bekommen. dirk v. f. und seine frau sind ja auch mit der kv bekannt, was ich tags darauf erfahren durfte.

Klaus Caesar
16.05.2015, 12:13
Sonderbar, äußerst sonderbar, liegt's am Wetter? Oder an den Sternen? Stehen die Planeten in der Konstellation einer Kartoffelvotze? Jedenfalls habe ich vorhin Toblers alte Geschichte wiedergelesen (und festgestellt, dass sie immer besser wird mit den Jahren), und Minuten später berichtet Klede von hwhs in #30 geschilderter Begegnung mit der Kartoffelvotze.

Etwas wehmütig macht mich der Strang, weil man in ihm erfährt, dass es einmal eine Zeit gab, in der Google nur ein Suchergebnis für "Kartoffelvotzen" fand. Was für eine schöne, reine, unschuldige Zeit muss das gewesen sein. Im Jahr 2015 indes wird man sehr schnell zu solchen Statements gelotst:


Halt deine Fresse, du Sohn einer Kik-Kassiererin. Bushido, Spaß muss sein. ich werde deiner Huren-Mutter natürlich nur ihre verstaubte Drecksfresse zurechtwichsen!!! Wenn ich mir vorstelle, wie ich den vollgewichsten Sarg deiner Schwanzlutscher-Mutter aufmache, und so eine halbvergammelte Kartoffelfotze anwichse, die es mit dummen tunesischen Ziegenfickern getrieben hat, dann spritze ich mir vor lauter Vorfreude in mein Bushido-Fanashirt. hihihihihihi, ich werde in den Sarg deiner halb verwesten Drecksmutter scheißen, und anschließend werde ich auf meinen geilen Zwiebel-Döner wichsen, du 70 Kilo Huren Sohn. Willst du dich mal beweisen, du kleiner Schwanzlutscher? Dann antworte mir, du 70 Kilo-lauch ohne Würde. Denn ohne deine Jogginghosen tragenden Ziegenficker bist du einen Scheiß wert, du würdeloser Huren-Sohn. 

vir
16.05.2015, 15:14
Aha, auch hier hat der Lauch als Schimpfwort Einzug gehalten.

Klaus Caesar
17.05.2015, 13:30
"Guter Mann, das ist ja alles in Ordnung, was Sie mir da vortragen, aber das mit dem Lauch nehmen Sie bitte sofort zurück."

Dreizehn Koestlichkeiten
20.12.2017, 15:54
Berliner Volksbühne engagiert Helmut Berger /


Berlin (dpa) - Intendant Chris Dercon hat für eine Uraufführung an der Berliner Volksbühne den skandalumwitterten österreichischen Schauspieler Helmut Berger („Ludwig II.“) engagiert. Der 73-jährige Berger spielt eine Hauptrolle in dem Stück „Liberté“ des Katalanen Albert Serra („Der Tod von Ludwig XIV.“).

Dercon holt für die Produktion außerdem die 79-jährige Fassbinder-Schauspielerin Ingrid Caven („Ludwig - Requiem für einen jungfräulichen König“) sowie Anne Tismer und Jeanette Spassova an sein Theater. Premiere ist am 22. Februar.

„Albert Serra hat mit uns seine europäische Wunsch-Besetzung für „Liberté" gefunden - mit der in Paris lebenden Saarländerin Ingrid Caven, dem Österreicher Helmut Berger, mit Jeanette Spassova, die bulgarisch-armenische Wurzeln hat, und mit der deutsch-französischen Anne Tismer“, sagte Dercon am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

# Notizblock

## Redaktionelle Hinweise:

Zusammenfassung bis 1430 - ca. 30 Zl

maki
20.12.2017, 17:48
Ja, wer denkt beim Namen "Ingrid Caven" nicht sofort an das schöne Saarland.

Thrud
13.05.2018, 20:59
schön geschrieben. Und Helmut hat sich selbst wunderbar getroffen.