PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Trittin, Jürgen (tritt in ein Schaufenster)



Goodwill
17.10.2001, 14:35
Das Schönste an dem Lampenladen sind die Beben. Man ahnt sie bereits in der Anpirschphase. Das Herz klopft. Und es wird unweigerlich schneller, wenn das erste Grollen durch die Mauern stampft. Empfindsamen Geistern stellen sich die Nackenhaare auf, wenn schließlich die Ganzkörperbrause aus Schall und Erschütterungen rundum niedergeht. Die Teleskoparme der Büroleuchten beginnen zu schwingen. Die Hängefluter schlingern sachte. Etliche der besonders magersüchtigen Stehlichter geraten lärmtrunken ins Schwanken. Dann ist die S-Bahn auch schon vorbei gerumpelt.
Die vier Backstein-Gewölbe am Berliner Savignyplatz sehen von Außen aus wie ein Aquarium für geheimnisvolle Lichtquellen. Hinter den großen Glasscheiben: Zighundert tentakelnde Design-Objekte, die im Wesentlichen aus Glühbirnen und raffinierten Ideen bestehen. Ein paar exquisite Möbel stehen dazwischen und ein paar Menschen. Manche haben sogar schon einen Zwinkertick. Sie sprechen so leise wie Museumskuratoren. In Wirklichkeit sind sie die Verkäufer.
Mitte November 1998. Eine neue Politikergeneration hatte die Wahlen gewonnen aber noch nicht wirklich an den Schalthebeln der Macht Platz genommen. Ich hatte zum Geburtstag Geld von meinen Großeltern bekommen aber mir dafür noch nichts wirklich Vorzeigbares geschenkt. Berlin sollte bald wieder Regierungssitz werden. Meine Küche sollte mit einer zusätzlichen Lampe heller werden. In der neuen Mitte wuchsen immer pompösere Bauten in den Himmel; Baustelle und Schaustelle in einem. In der Steckdose über meinem Herd wollte ich das praktische Modell ÈGlühwürmchenÇ platzieren; Stecker, Schalter und Lampe in einem.
Nach dem Bezahlen trat ich lichtsatt und wohlinformiert über die neuesten Beleuchtungstrends wieder aus dem Lampenladen ins Freie. Ich hatte mehrere Beben genossen. Es war schon sehr dunkel. Unter dem Arm trug ich mein ÈGlühwürmchenÇ, in der Tasche eine Ersatzglühbirne. Küche, ich komme. Doch gemach: Neben einem mittelgroßen, kerzenhaltenden Baum aus verwegen gewundenem Draht erschien mir Jürgen Trittin. Unwild und hinter Glas, wie in einem riesigen Fernseher. In der Erinnerung kommt er mir heute seltsam kleinkarriert vor. Ich hoffe, es war nur das Sacko.
Trittin hatte seine Arme ausgebreitet, hielt sich an einem Stehpult fest und betrachtete sich im nach Innen spiegelnden Schaufenster. Das Stehpult hätte ein Bauhaus-Entwurf sein können: Einfach, klar, silbrig. Der werdende Umweltminister knipste ein Lächeln an. Dann wieder aus. Er trat einen Schritt zurück, kräuselte die hohe Stirn, beugte sich vor, schien etwas zu suchen. Einen Knopf, um die Höhe zu verstellen? Das Manuskript für sein neues Leben als Minister? Ein Preisschild? So ganz war er mit dem Ding nicht einverstanden. Wieder ran ans Pult. Sein Körper machte Kikeriki. Lächeln an, Lächeln aus, dann wieder an, weil er mich draußen in der Dunkelheit bemerkt hatte. Scheuer Blick aufs Pult, schlendernder Abgang ins Ladeninnere.
Ob er sich das Silberding gekauft hat, weiß ich nicht. Monate später stand es immer noch im Schaufenster und bebte.

rron
17.10.2001, 14:56
Eine wunderschön erzählte Geschichte.
Da darf auch in der Überschrift kurz die Wortspielhölle ihre Pforten öffnen.

Doctor Subtilis
17.10.2001, 15:09
Ich habe bei Lampenladen erst an irgendeinen Berliner-Schnauze-Ausdruck für ein Gebäude der DDR-Regierung gedacht.
Aber schön, das bebende, zwinkernde Lampengeschäft.

Walter Schmidtchen
17.10.2001, 15:38
Ich habs noch nicht gelesen, man kommt ja kaum nach heute, ich denke aber mal es ist gut, Goodwille sind immer gut, leider kommt jetzt keine Goodwillkritik, oder? Goodwill, kritisier doch mal Deine geschichte

Ignaz Wrobel
17.10.2001, 16:13
Ich pack es nicht mehr heute, alles andere wäre Verrat an den hehren Zielen der Revolution.

Goodwill
17.10.2001, 16:26
Jetzt muss man schon seine eigenen Geschichten nicht nur fertig machen und hier rein stellen, sondern auch noch kritisieren.
Also gut: Ich finde sie hier und da zu kurz. Eine Geschichte also wie Toblers Penis. Außerdem: Zu viele Lampen. Keine schönen Frauen. Keine Zigaretten, Birken, Gummiboote mit kyrillischen Buchstaben. All das fehlt dieser Geschichte und noch viel mehr.

DerCaptain
17.10.2001, 18:10
Sein Körper machte Kikeriki.
Danke, Goodwill.
------------------
'd'oh!'

honz
17.10.2001, 18:56
Aber die Beschreibung von Trittin ist gut, obwohl das ja gar nicht beabsichtigt war, aber wenn ich mir vorstelle, Trittin sehe aus wie ein 'mittelgroßer, kerzenhaltenden Baum aus verwegen gewundenem Draht' muss ich sgen genau so sieht er aus.

Walter Schmidtchen
17.10.2001, 18:57
Ich lese sie jetzt, weil im Inetrnetcafe gerade Outcast (mrs Jackson)dudelt

Andrea Maria
17.10.2001, 19:01
Eine wunderbare Geschichte, die ich mir sofort in meine Küche stellte um mich zu erhellen.

Walter Schmidtchen
17.10.2001, 19:01
chic

Yvonne Caldenberg
18.10.2001, 00:13
Wunderbar.
Ich gehe ja gerne zum Savignyplatz. Einerseits ist es so gediegen, andererseits, wenn ich in Richtung Lampenladen gehe, schaue ich immer kurz, was die Prostituierte vor dem Puff an der Ecke macht (nun, sie steht rum und sieht wenig schick aus), gehe dann zum Lampenladen und schaue ein wenig durch die Fenster.
Leider kaufe ich mir keine Lampen, ich schaue mir Lampen aber gerne an. Und dann gehe ich zum Bücherbogen, schaue mir Kunstbücher an (kaufe ich sehr selten) und schließlich dann noch zum Küchenladen in der Knesebeck, wo ich manchmal dann noch etwas kaufe, nur weil's schön ist, nicht weil ich's brauche.
Bei schönen Sachen denke ich praktisch, warum einen Kunstband kaufen, wenn es auch ein Schneebesen sein kann?
Vielleicht begegne ich Trittin auch einmal im Küchenladen, beim Kauf eines Stehherds.

Lenin
18.10.2001, 01:12
Goodwill, nachdem ich diese Geschichte gelesen habe, finde ich Deine Küchenlampe nicht mehr zu teuer.

camp cogito
18.10.2001, 02:34
applaus! und eine tiefe verbeugung!

Ignaz Wrobel
18.10.2001, 12:47
Der bebende Lampenladen, genau. Muß man erst mal draufkommen, obwohl es so offensichtlich ist, ich habe da auch schon oft vorbeigeschaut, bei ARNO. Das Herz der alten Westberliner Designer-, Architekten- und überhaupt Toscana-Fraktion. Erst zu den Lampen, dann ein Kunstbuch gekauft, in die Architekturgalerie und dann bei den zwölf Aposteln eine Pizza mit Lachs und Rucola gegessen. Trittin paßt dort atmosphärisch sehr gut hin. Wie auch zu den schwankenden Leuchten. 'Magersüchtige Stehlichter'.... 'tentakelnde Designobjekte'... Kunstlicht und Politik, schön.

Doctor Subtilis
18.10.2001, 15:13
Wenn ich das als Berlin-Nichtkenner richtig verstehe, könnte also über den Savigny-Platz ein Waldlehrpfad zum Thema Ästhetik führen.

Goodwill
18.10.2001, 21:01
Im Grunde gibt es keinen besseren Ort für einen Ästhetik-Lehrpfad. Außer der Prostituierten (es ist offenbar immer nur eine draußen), die den jeweils aktuellen Schicksenschick von vor fünf Jahren zeigt und dem Lampenladen gibt es da tatsächlich eine Menge Stehkunstbuch- und Stehschneebesen-Handlungen. Außerdem ein japanisches Sitz-Lokal, in dessen ovaler Theke sushibeladene Schiffchen ihre Runden drehen, eine düstere Filmbuchhandlung und mindestens drei abgefuckte Kneipen, in denen die Wände voller Schwarzweißbilder hängen, auf welchen der Wirt eine Dauerwelle trägt und mit überbelichteten Seriendarstellern aus den 70-er Jahren posiert.
(Beitrag wurde von Goodwill am 18.10.2001 um 20:03 Uhr bearbeitet.)

holgersson
18.10.2001, 22:55
Unwild. Genauso habe ich den großen Anpasser in Erinnerung, als ich ihn 1999, während ich Eisschleckenderweise auf den Stufen vor dem Saturn Hansa saß, sah, während er wie ein Gockel, dem das Telefonieren mit dem Handy eine große Freude ist, über den Alexanderplatz stolzierte, Autogramme gab und schließlich mit einer zierlichen, blonden Frau im Kaufhof verschwand, um sich vielleicht, wer weiß das schon, ein gläsernes Pult zu kaufen.
Zu dieser Zeit machte auch das Gerücht die Runde, das Doris Schröder Köpf fremd geht!

holgersson
18.10.2001, 22:58
Ich muß mich berichtigen: Es war nicht 1999, sondern 2000.
Man will ja keine Gerüchte in die Welt setzen.

honz
18.10.2001, 23:53
Der Savignyplatz. Ihr habt Lucinka vergessen, Lucinka Wichmann, die dicke Wirtin des Cafe Hegels.
Lucinka ist eine Institution, sie ist Russin, ca. 65 Jahre alt, aus Petersburg, ihrer Familie ursprünglich aus Armenien, sie ist schon seit den 50-er Jahren in Berlin, und hat zwei bildhübsche Töchter, ohne die sie nicht leben könnte, denn wo Lucinka ist herrscht Chaos.
Sie ist ziemlich lange Taxi gefahren, war unter den Kutschern bekannt wie ein bunter Hund, weil sie sich immer die Haare rot färbte und kein Blatt vor den Mund nahm, man nannte sie die rote Luzie.
Auch unterhielt sie eine Salon, sie kommt aus dem russichen Bildungsbürgertum, ist sehr belesen, spielt Klavier, gehört also zu jener Klientel von Russen, die aus Charlottenburg schon in den zwanziger Jahren das legendäre Charlottograd machten, zu diesem Salon muss damals auch beträchtliche kulturelle Prominenz erschienen sein, ich weiß das alles allerdings nur vom Hörensagen, denn es war weit vor meiner Zeit.
Ich kenne Lucinka als sie Wirtin des Cafe Hegel am Savigny-Platz war, und ich Theaterprogramme, Plakate, Flyer und schwule Stadtmagazine mit einem kleinen Lieferwagen ausfuhr. Bei Lucinka machte ich immer Pause, denn sie war eine der ganz wenigen Wirte in Berlin, die kleine Flyerstudenten nicht wie die letzen Kretins behandelte, sie gab mit immer einen aus, meistens zwei oder drei. Das Publikum bei Lucinka war eher bäh, akademische Literaturschnarchies hauptsächlich, ein bischen Klischee alles, auch der russische Pianist Giorgi mit der dicken Hornbrille, der leidenschaftslos jeden Abend seine Salonmusik herunterklimperte, dessen einzige Leidenschaft Pferdewetten und Traber waren, er ist manchmal sogar selbst als Jockey bei Trabrennen in Mariendorf mitgefahren.
Jeden zweiten Donnerstag im Monat war Turboklischee, denn dort trat Sascha auf, ein Russe aus Moskau, Ende 30, er sang russische Lieder und spielte dazu Gitarre, doch diese Abende waren orgiastisch, denn Sascha hatte Fans und Groupies, ca. 25 russische Frauen zwischen 30 und 75 , sie waren immer da, sie kannten jedes Lied, sie summten jedes mit, und wenn er eins ausließ wurden sie böse, und wenn er aufhören wollte, fingen sie an zu betteln, und wenn er gewollt hätte, er hätte jede einzelne haben können, sofort.
Die Abende mit Sascha hatten eine eigene Dramaturgie, er sang alte russische Liebeslieder, die Melodien schwermütig, die Texte teilweise von ihm neu geschrieben, oft auch nur mit schweinischen Bemerkungen ergänzt, Lucinka übersetzte deren Inhalt für die Nicht-Russen meist vor der Darbietung und schrie bei den versauten Stellen 'Pfui Sascha', der Weibersalon krisch vor Vergnügen, die wenigen Deutschen in der ca. 30 mÓ großen Kneipe blickten amüsiert aber verständnislos.
Die Russinnen selbst waren ganz großes Kino: sie waren teils Alt-Charlottenburgerinnen, sichtbar verarmt, wahrten aber eine großbürgerliche Kontenance, teils auch Ehefrauen von neureichen Mafiapaten, sie trugen unverbrämt Pelz und Klunker und sahen dabei atemberaubend aus, aber was sie alle an diesen Abenden einte war ihre absolute Hingabe an Sascha, den blondgelockten Barden mit der samtenen Stimme. Je weiter der Abend voranschritt desto aufgeheizter wurde die Stimmung, Sascha soff nebenher wie ein Loch und sang sich schwer künstlerisch bebend in Trance, die Frauen tranken relativ wenig um mal ein Vodkaklischee zu durchbrechen, aber sie hingen an seinen Lippen und beteten ihn an, das war kein erotisches Knistern , keine liebestrunkene Schwermut, das war purer Sex, gesungener Porno, und wenn sie zum Schluss alle gemeinsam sangen, war das Ekstase.
Das waren die Nächte bei Lucinka. Hin und wieder kam auch eine bunte Truppe von Musikern, ein Russe, ein Pole und ein Ungar von einem Veranstaltung zurück, sie spielten auf Hochzeiten, und nahmen dann noch gewaltige Mengen zum Absacken zu sich, auch sie fingen manchmal an zu singen , nicht immer, um wieder ein Klischee zu vermeiden. Sie sangen dann mehrstimmig ohne Instrumente, doch wenn sie sangen, dann war es so wie nur Osteuropäer singen können, schwermütig, hingebungsvoll und leidenschaftlich, und wer auch nur ein wenig übrig hat für Musik den haut es um wie eine Bombe, man sitzt da und fängt hemmungslos an zu heulen.
Es gäbe auch eine Prominentengeschichte von Lucinka zu erzählen, wenn man denn die Nachtigall von Ramersdorf zur Prominenz zählte. Die Nachtigall , eine tragische aber penetrante knapp sechzigjährige Tunte hatte bei Lucinka absolutes Singverbot, er konnte ja auch nur noch krächzen, aber sie fütterte ihn durch, er kam zwei bis dreimal die Woche und bekam immer einen großen Suppenteller mit Pelmeni, die eine befreundete Babuschka am heimischen Herd für Lucinka kochte, denn das Hegel hatte nur Teilküche. Diese Suppe wurde mit feingehackten Zwiebeln zubereitet, und die spuckte die Nachtigall auf den Boden, wenn Lucinka gerade nicht hinschaute, denn die Nachtigall hatte eine Gebiss, die Zwiebelstückchen blieben ihm immer darin hängen. Meist erwischte sie ihn aber und dann zeterte sie quer durchs ganze Lokal, was die anwesenden Gäste auf das Ekel erst aufmerksam machte.
Jetzt ist das Hegel geschlossen, Lucinka hat keinen Pfennig mehr, Ihr Herz war zu groß und ihr Portemonnaie zu offen, requiat in pacem.

Ignaz Wrobel
19.10.2001, 00:15
Dramen am Savignyplatz. Warum nur hab ich das Hegel nie betreten? Ich glaube, weil in irgend einem Führer stand, dort diskutierten Philosophiestudenten über Hegel. Ich Idiot.

honz
19.10.2001, 00:17
Die haben das meistens auch dort getan, das machte den Laden sonst auch eher unerträglich.

Ignaz Wrobel
19.10.2001, 00:24
Kennt jemand die Galerie NIL um die Ecke in der Grolmanstrasse? Da könnt' ich kontern. Aber erst noch den honz ein bischen sacken lassen. Ich bin ja kein Unmensch.

honz
19.10.2001, 00:28
Nein , schieß los, aus der Hüfte, aber ich geh jetzt ins Bett. Aber morgen ist die Geschichte da!

Die Eitelkeit
19.10.2001, 00:50
.

Ignaz Wrobel
19.10.2001, 01:54
OK, Hüfte ist immer gut:
Also die Grolmanstrasse ist eine ganz schicke, da sind so Kneipen wie das Florian, wo angeblich die 'Filmszene' rumhängt. Kurz vor dem Savignyplatz gibt es ein kleines Schaufenster, das gehört zur Galerie NIL. Die Galerie ist gleichzeitig das Atelier des Künstlers NIL Ausländer, deswegen zeigt sie ausschließlich seine Bilder. NIL ist genial, er malt schwungvoll realistisch in leuchtenden, aber nicht kitschigen Farben in Öl. Und zwar vorzugsweise FRÖHLICHE TIERE und DUMME SPRÜCHE, manchmal auch FRAUEN. NIL malt die fröhlichsten Tiere der Welt, unmöglich traurig zu bleiben angesichts seiner Hasen, Elephanten und vor allem der lachenden Nilpferde. Seine illustrierten Sprüche haben manchmal einen etwas vordergründigen Humor, manchmal schwer unter die Gürtellinie, bzw. auch schon mal haarscharf daneben gehend. Verliebt habe ich mich in NIL, als ich sein Bild 'Kleinkarierter Pisser' im Schaufenster sah.
KLEINKARIERTER PISSER.
Etwa DIN A4-Größe, ÖL. Kugelrundes Männchen, der Körper schwarzweiß-kariert, pißt mit gelbem Strahl in die linke untere Ecke.
Hatte mich noch nie so verstanden gefühlt von einem Bild. Der kleinkarierte Pisser - so und nicht anders ist er, genau.
Ich hatte die Galerie noch nie betreten, sie ist auch nur an bestimmten Wochentagen geöffnet, als ich einmal abends mit einer feuchtfröhlichen Gruppe daran vorbeikam. Da sie hell erleuchtet war, offensichtlich eine Vernissage, konnte ich nicht wiederstehen und ging kurz hinein. Als ich wieder heraus kam, ging gerade die Sonne auf. Meine Gruppe war später sauer, die hatten mich wohl gesucht und am ganzen Savignyplatz nicht gefunden.
NIL ist ein Bär von Mann, groß, rasierter Quadratschädel, vielleicht Mitte 50, ein Alfred Hrdlicka mit Berliner Schnauze. Er hat irgendeinen irgendwie russisch-jüdischen Hintergrund, wie viele Berliner, und vor ca. 15 Jahren autodidaktisch mit dem Malen angefangen. Er unterhielt an diesem Abend ein kleines, um einen Tisch mit Wein und Selbstfabriziertem versammeltes Grüppchen bis in die frühen Morgenstunden, kein Kunstvolk, nur seine Freunde und die Lebensgefährtin. Ich bemühte mich, nicht zu stören, ob es gelang, weiß ich nicht, immerhin machte ich ein paar Punkte durch Auffinden einiger nur scheinbar zufälliger Punkte in seinen Bildern, der Rest verliert sich in Alkohol. Ich sah auch sein im hinteren Teil des Ladens verborgenes Atelier mit Schlafzimmer. Der Hit - ich entdeckte es erst Tage später, ist das Treppenhaus des Hinterhauses: Schwarz gestrichen und bis in den fünften Stock vollgehängt mit fröhlichen Tierbildern! Kriegt man gezeigt, wenn man zu den Öffnungszeiten der Galerie danach fragt.
In meiner Küche hängt sogar ein Original-NIL. Den hab ich ihm geklaut an jenem Abend. Es ist eine Bleistiftzeichnung aus seinem Skizzenbuch, das er zum Gästebuch für Kommentare (Wie heißen die Dinger eigentlich?) umfunktioniert hatte. Da passte die Zeichnung wohl nicht, er wollte sie vielleicht auch den Tierbildfans ersparen, jedenfalls landete sie zerknüllt im Papierkorb. Sie zeigt einen weiblichen Akt, vermutlich seine Lebensgefährtin, liegend von vorne unten, ähnlich wie einige späte Picasso-Skizzen. Da sie sehr zerknüllt war, kann man sie auch an meiner Wand nur von nahem erkennen. Dennoch fragte neulich ein kleiner Junge, der mit seinen Eltern bei mir zu Besuch war, ob ich auch gerade in die Pubertät komme.

watschnmann
19.10.2001, 11:36
honz! du kraftlackel.

rron
19.10.2001, 11:37
Der Ignaz, so schöne Geschichten, wie er's nur immer wieder macht.
In welcher Preisklasse bewegen sich denn die NILschen Ölbilder?

Ignaz Wrobel
19.10.2001, 11:44
Nur unwesentlich mehr als ein Sanderscher Maßanzug. Ein sehr großes mit zwei lachenden Nilpferden war, glaube ich, für 8000 Mark zu haben.

DREA
19.10.2001, 12:48
Welch ein Tag! Angenehmer Besuch, Superschokoladentorte im Bauch und endlich macht auch das Lesen mal wieder Freude! Dank an die Herren Goodwill, Honz und Wrobel.
(Und an Pracker natuerlich auch)

honz
19.10.2001, 12:50
Jetzt weiß ich auch , welche Galerie du meinst, mir ging es häufiger ähnlich, denn gerde im Sommer war die Galerie eigentlich immer offen, friedliche Menschen saßen herum und tranken Wein, es hatte immer eine einladende Atmosphäre , aber ich habe mich nie getraut hineinzugehen, früher war ich noch nicht so ein Kraftlackel wie heute.
Die kleine schwarze Hure, die Frau Caldenberg beschrieben hatte, kenn ich auch, sie stand wirklich immer da, sie war verlässlicher als Big Ben.

Ignaz Wrobel
19.10.2001, 13:07
Der Savignyplatz scheint tatsächlich bohmemäßig unterbewertet. Weißt Du, was aus Lucinka geworden ist? Solche Szenegrößen verschwinden doch meist nicht wirklich, oder? Tritt Sascha jetzt im Caf Burger auf?
In der Bleibtreustraße hätte DREA bei RIO fast eine unverschämt teure Glasperlenkette gekauft, bzw. ich hätte das natürlich gern getan, aber wie das so ist mit den Brieftaschen der Bohme, sie enthalten nur Luft.

Frau H aus B
20.10.2001, 01:19
In diesn Strang kriejick nostaljische Jefühle. Dufte.

DREA
20.10.2001, 01:22
Die Geste zaehlt, bester Wrobel! Aber koennten Sie jetzt nicht vielleicht doch mal rasch reich werden und rund um den Savignyplatz Geschmeide, Huete und Nilpferdbilder fuer mich erstehen?

rron
20.10.2001, 01:22
Alda, dit sin ja voll die Milljöhstudjen.
honz und Wrobel sin Zille, alle beede.

Ignaz Wrobel
20.10.2001, 01:33
Muß mal wieder meine Kontakte zur Russenmafia in den Thermen auf dem Europacenter auffrischen, vielleicht füllt sich dann die Brieftasche, verehrte DREA... Aber da soll sich ja neuerdings dieser honz mit diesem Lottmann rumtreiben, wer weiß, ob die Thermen mittlerweile nicht in ein imaginäres Bangkok diffundiert sind.

DREA
20.10.2001, 01:33
Russenmafia im Europacenter, Honze, Lottmanns, NILse... Mensch Wrobel, moegen die Berliner Bankautomaten auch nicht viel in Ihre Richtung spucken -- Ihr Sozialleben jedenfalls klingt zum Neidischwerden bunt! Waehrend unsereins hier in der Diaspora hockt und auf Anrufe sowie spaetere Abholung durch den durchreisenden Kampftrinker wartet, schmieden Sie wahrscheinlich schon wieder Plaene fuer einen bohemehaften Abend in Friedrichshain. Wie ungerecht der Spass doch verteilt sein kann. Fast moechte man weinen.

honz
20.10.2001, 01:33
Ignaz, kennst du Yves Risacher, den Wirt von der ollen Weinstube an der Kant, Ecke Savigny Platz? Die Küche ist französich, die Weine auch deutsch, und er kocht sehr solide, die Preise sind für die Quualität die er liefert eigentlich sehr preiswert, Risacher backt selbst Brot, zieht eigene Fonds, der Gang zum Klo wird zum olfaktorischem Erlebnsis denn, du musst an der Küche vorbei, und dort wird noch gekocht.
Die Weine: Er hat zum Beispiel einen Wahnsinnswein, einen badischen Silvaner (sortenrein) von 92, das Glas 6,90 DM, tolle Rieslinge aus dem Rheingau, und natürlich die Franzosen die Karte rauf und runter, gut sie sind teuer, wie diese Weine überall teuer sind, aber das beste sind die Schätze die er im Keller geortet hat, man muss ihn nur danach fragen, dann stellt er Dir für das Essen eine persönliche Weinfolge zusammen, und zaubert dir dann einen Grand Cru in der 0,375 Flasche hervor, die dann noch bezahlbare 35 Mark kostet. Und wenn man ihm tief in die Augen schaut, rennt er nochmal in die Keller und murmelt, 'hier probier mal, ein Cru Bourgeois, ist genaus so gut, abör hat halt nicht den Namen, habö mal drei Kisten billig bekommen'.
Risacher kam Mitte der 60-er Jahre direkt aus Paris, er hatte als Wirt am Stuttgarter Platz angefangen, dort wo jetzt das Dollinger drin ist, unweit der legendären Kommune 1, aber die 68-er sind ihm, wie er mir mal erzählte, so dermaßen auf den Sack gegangen ('diesö deutschön Berufsrevoluzionäre, davon waren zwei Drittel waren Lehrer, also verbeamtet, und die erzählön mir sie seien vom Stadt untördrückt'), daß er dort wieder werggezogen ist, und zwar an die Kantstraße, in einen ehemaligen Puff, also dort wo er heute noch ist. Damals haben sie ihn alle für verrückt erklärt, denn der Stutti war der Place to be und die Kantstraße übel, dunkel, verrucht, denn dort war der damlige Strassenstrich. Doch Yves hat die Nase vorne, als die Szene dann Richtung Kudamm waberte, der Zwiebelfisch, das Terzo Mondo zu Institutionen wurden, war Yves schon da mit feinster französcher Küche, und er hatte genügend Klientel, die seine Preis zahlen konnten und wollten.
Das waren seine großen Zeiten, er lief immer mit ein paar Tausend Mark in der Tasche rum und ließ es richtig krachen, lebte unbeschwertes Leben volle Wein, Weib, und Gesang, und wenn er auf ein Fest eingeladen war, brachte er schon mal eine Kiste Champagner mit, noch heute macht er im August traditionell wie die Pariser dies tun seinen Laden für zwei Wochen zu und fährt mit einem Lieferwagen nach Frankreich um seine Schätze zu bergern.
Heute läuft der Laden mehr schlecht als recht, er sagt, er kommt gegen Mitte nicht mehr an, er hätte schon Angebote gehabt gen Osten zu ziehen, aber er hat keine Lust den Trotteln Tom Yam Gai oder Long Island Ice Tea zu servieren, so steht er noch heute am Herd und rührt in seinen Fonds und beschimpft die Kretins, die noch nicht einmal mehr wissen, geschweige denn schätzen was ein selbst gezogener Fleisch oder Fischfond bei einer Sauce ausmacht.

Ignaz Wrobel
20.10.2001, 01:33
Klingt sehr interessant, honz, aber ich glaube, wir wecken ungerechtfertigte Neidkomplexe in Südostasien. Dabei gibt`s da garantiert super Bars und kann ein November irgendwo grauer sein als in Berlin? Also. Übrigens hat mir der Savignyplatz auch die erste schockhafte Begegnung mit der Berlinerin als solcher beschert. Neben Frau Caldenbergs Küchenladen in der Knesebeckstrasse gab (gibt?) es den Friseur 'The Unknown Friends'. Die Dame in schwarzem Leder und hochhackigen Stiefeln als 'Friseuse' zu bezeichnen, wäre extrem verniedlichend gewesen. Ich kam aus Süddeutschland und war der irren Ansicht, ich dürfte für 50 Mark Wünsche äußern bezüglich der Gestaltung meines Kopfes. Sie war der gegenteiligen Ansicht und machte mich gewaltsam zum Punk. Physisch und psychisch zerstört verließ ich den Laden. Jahrelang irrte ich verwirrt durch die Straßen Berlins und wagte es nicht mehr, mich dem anderen Geschlecht in dieser Stadt zu nähern. Heute dagegen schlage ich Berlinerinnen erstmal krankenhausreif, bevor ich eine Frage stelle. Etwas anstrengend, aber sie wollen es so, weiß der Himmel, warum.

ingwer
20.10.2001, 01:33
ich füge auch noch schnell eine savignyplatz geschichte hinzu, die aber leider etwas prosaischer ist: und zwar war ich vor gut 10 jahren, als ich noch praktikum in sachen eb-editing machte, damit beauftragt worden, herrn thomas fehlmann, der mit einer humpeschwester zusammen lebte, ein päckchen zu bringen. ort: gegenüber von frau caldenbergs schneebesenladen, in dem ich auch meine festtagstellersammlung erworben habe, die nun aber leider bereits fast vollständig zerbrochen ist.
nicht nur weil ich das päckchen persönlich abgeben sollte, klingelte ich etwa eine stunde mit unterbrechung (zeittotschlagen in der buchhandlung marga schöller), aber niemand ließ mich ein. das fand ich sehr schade, denn ich habe ein faible für fremde hausflure und dies war nun wirklich ein besonders exquisites exemplar mit steiler momortreppe, teppich und einigem wunderbaren tünneff mehr. in der wohnung selbst hätten sich gewiß viele lampen aus goodwills lampenladen befunden, da bin ich mir sicher.
am ende warf ich das päckchen doch nur in den briefkasten, der sich ausserhalb des hauses befindet und ähnlich stark gesichert ist, wie ein bankschließfach.
einige wochen später traf ich eine der humpeschwestern am savignyplatz und zwar vor der sparkasse. sie hatte hellrote, beinahe rosane haare und ich überlegte, ob diese echt oder angeschweißt waren, denn sie wellten sich aufs angenehmste, doch leider etwas unnatürlich bis zur hüfte. in der hand hielt sie eine brötchentüte und an den füßen trug sie lockere schuhe ohne strümpfe obwohl es dem herbst zu ging.

frosch2
20.10.2001, 01:33
Als zonaler Radiohörer kannte man den Savignyplatz jahrelang nur namentlich, da sich irgendwo dort das Berliner Büro des BBC befand. Die Mauer fiel und er stellte sich als einer der geradezu klassischen Berliner Orte heraus. Er ist so, wie man sich den Westen Berlins erträumt hatte. Im dunklen Herbst und Advent wird er noch liebenswerter. Nach den hier versammelten wunderbaren Begebenheiten und kulinarischen Empfehlungen stellt sich für den Außenstehenden die Frage: Warum trifft man sich immer im Prassnik?

Walter Schmidtchen
20.10.2001, 01:33
Thomas Fehlmann.
Ich lehne mich jetzt sehr weit aus dem Fenster, aber ich kann diesen einen Gedanken nicht loswerden, dass er Schuld ist am Tod von Billy MacKenzie.
Dass Billy MacKenzie sich eines Abends in eine Hundehütte verzog und Selbstmord machte.
Ich erkläre meine Theorie ein anderes Mal vielleicht, ich muss jetzt was essen.
Auch möchte ich auf diesem Wege auch Andrea um die versprochene Ernst August Geschichte bitten, ein anderer hat sich auch schon danach erkundigt (Igman glaub ich)

Andrea Maria
20.10.2001, 01:33
Die Geschichte wird kommen, Walti, keine Sorge. Sowas Feines will gut vorbereitet werden.

Bartholmy
20.10.2001, 13:54
Zum Savignyplatz ist alles gesagt - ich kann nur noch zustimmen: Ja.
@frosch2: Vielleicht noch westberlinerischer und wegen Mitte etc. glücklicherweise sehr in Vergessenheit geraten - aber so so schön ist der Ludwigkirchplatz. Und auch da gerade im Herbst oder zu Adventszeiten.
Da ich auf dem Ludwigkirchplatz noch nie einen Prominenten getroffen habe, bin ich aber auch schon wieder still.

poldi
20.10.2001, 13:54
ich habe nach dem lesen aller dieser beiträge fürchterliche sehnsucht nach baalin bekommen.

wie peinlich: habe wirklich "baalin" geschrieben, wo es doch berlin heißen muss - in jedem falle.

Andrea Maria
20.10.2001, 13:54
Ich auch, Poldi und demnächst werden hier alle Sehnsucht nach Gmunden bekommen. Balde!

Benzini
20.10.2001, 13:54
Mal abgesehn von dem Trittin
die ganze welt scheint Wien Baalin
Benzin(i)
ist schrecklich müde jetzt

Hoeheres Semester
20.10.2001, 13:54
Es reicht schön langsam.

James Dean Brown
20.10.2001, 13:54
Plautz, Schmidtchen ist aus dem Fenster gefallen. Dass Thomas Fehlmann am Tod von irgendwem oder irgendwas Schuld sein soll, kann man sich bei der freundlichen Natur dieses Mannes am allerwenigsten vorstellen. Vielmehr ist er seit über 20 Jahren Geburtshelfer, nicht zuletzt einer mannigfaltigen ozeanischen Erlebniswelt im zischelnden Äther der Radiowellen. Deswegen, aus reiner Dankbarkeit für diese Taten, fliesst in seiner - toskanische Sommer evozierenden - Wohnung goldenes Licht, wodurch die Abwesenheit jeglichen Designer-Leuchtwerks zu erklären ist.

ingwer
20.10.2001, 13:54
hätt ich gewußt, dass sie ,jdb, fehlmann schätzen, hätt ich das böse designerlampengerücht niemals aufgebracht.

DerCaptain
22.10.2001, 10:38
Hahaha, Wrobel, alte Makrele, bei 'The Unknown Friends'? Trauen Sie sich nur wieder hin, heute ist's da ruhiger.
------------------
'd'oh!'

Treutwein
24.10.2001, 18:29
Einst war ich auf Jahrgangsstufenfahrt mit meiner Schulklasse in Berlin, um nachts leicht betrunken in (sehr) kleiner Gruppe im Café Hegel einzufallen. Und tatsächlich: Es gab Wodka, die Russen sangen, ich war frisch verliebt. Ein wunderbarer Abend.
Als ich später selbst nach Berlin zog, traute ich mich nie wieder in die Gegend, überzeugt, damals in jugendlichem Unverstand einer doofen Touristenattraktion aufgesessen zu sein. Ich trieb mich in Mitte rum und dachte, ich sei Underground... während mir Charlottenburg unerschlossen blieb.
But nobody ever saw Neukölln with my eyes.

honz
24.10.2001, 18:49
Das riecht doch nach Geschichte, das riech ich doch, schießen sie los, Treute.

Benzini
02.11.2001, 14:15
Benzini möchte eine winzige, wahre Begegnung
(mit kleinem ökotrophologischem Anhang) coproduzieren:
Bezini sitzt beim Portugiesen
und zwar sehr oft und nur bei diesem.
Trittin mit doppel T tritt ein
und eine Frau, sehr schwarz, sehr fein.
Was wird er, linkisch, näselnd wählen?
Sechs riesengroße Bratgarnelen.
(Mir deucht, das Meer ist überfischt.
Den U-Minister juckt das nischt.
Die Zuchtgarnele, auch nicht besser,
schmort trüb in fauligem Gewässer.
Auch U-Minister müssen essen,
und ab und zu ihr U vergessen.)
Von dem Gespräch wird nichts bezeugt.
Er nuschelt stark, die Dame schweigt.
Ein Schalenberg, er zahlt sofort.
Herr Ober, bitte einen Port.

frau schmick
02.11.2001, 14:32
DANKESCHÖN!!!
für diesen herrrrrrlichen reim.

Doppeldenk
02.11.2001, 15:49
Leider hatte ich diesen Trittin-Strang übersehen und einen neuen geöffnet. Ich bitte vielmals um Verzeihung.
Es muß Ende 1998 / Anfang 1999 gewesen sein, als wir, ein Gemeinschaftskundekurs, die Gelegenheit nutzten, um noch einmal kurz vor seinem Umzug von Bonn nach Berlin, den Deutschen Bundestag zu besuchen. Trotz der Reise mit einem Bus kamen wir früher als geplant an, so dass wir bis zu der für uns vorgesehenen Besuchszeit noch ein bischen spazieren gehen konnten. Eine Gruppe von etwa 5 Leuten und mich zog es zunächst Richtung Kanzleramt. Nachdem jeder sein 'Ich will hier rein' aufgesagt hatte, liefen wir weiter zum Rheinufer hinab zur Rückseite des Bundestages. Nichts war zusehen, außer ein paar Schiffen auf dem Rhein und einer schwarzen Limousine, die wir passiert hatten um nicht weit entfernt von ihr am Ufer stehen zu bleiben. Nicht zuletzt rätselten wir, für wen der Wagen da wohl bereit stand. Kurze Zeit später sollten wir es wissen, ein Hintereingang des Bundestages öffnete sich und Jürgen Trittin, schon Umweltminister, schon Anzug und Weste, immer noch Bart tragend, tritt (her)aus. Sonst trägt er nicht viel, keine Tasche,keine Akten, nur ein kleines grünes Päckchen mit roter Schleife. So kommt er die Treppen zur Straße runter und da wir nun da stehen, begrüßen wir ihn auch. Einem von uns schenkt er das Päckchen, ein
auf irgendeine Weise umweltschonendes Radio, und erfüllt die nach Beseitigung der Zurückhaltung aufkommenden Autogrammwünsche.
Zuletzt, alle anderen waren schon auf dem Weg zurück um nicht zu spät zu kommen, kam auch ich an die Reihe, der lächelnde Minister mit Bart fragt mich nach meinem Namen und kritzelt etwas auf einen Papierfetzen.
Das er meinen Namen wohl falsch verstanden hatte, bemerkte ich leider erst als er mit der schwarzen Limousine schon wieder auf dem Weg nach ganz woanders hin war.

honz
05.11.2001, 16:48
Wrobel legt savignymäßig wieder was vor, und zwar hier:
http://www.alles-bonanza.net/forum/showthread.php?s=&threadid=11153 , und ich kann nicht nachlegen.
Die Hofgarten von Nida-Rümelin-Geschichte darf auch in diesem Strang natürlich nicht fehlen, deshalb diese kleine redaktionelle Bearbeitung.

Klugscheisser
10.04.2002, 10:22
Zurück zum Anfang des Strangs:
der Perlentaucher meldet heute, dass die Frankfurter Rundschau heute melde, dass Arnos Lampenladen pleite sei. Schade um den bebenden Trittin.

Streithaehnchen
22.05.2004, 17:36
Was für ein besonders schöner Strang.