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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Brice, Pierre (im Einkaufszentrum)



Zazie
16.10.2001, 12:11
In einem bestimmten Einkaufszentrum in München gibt es ab und zu mal Themenausstellungen. Derzeit herrscht die Karl May- und Indianerwoche, wofür einige Szenen aus Karl May-Romanen mit Puppen nachgestellt und einer entsprechenden Erklärung versehen wurden (sehr köstlich die großen Plüschpferde). Auch gibt es ein paar Stücke aus dem Karl-May-Museum und eine sehr schöne Nachbildung seiner Schreibstube sowie einen Stand mit Indianerschmuck mit einem 'echten' alten Indianer dahinter, natürlich in Stammestracht. Alles in allem recht hübsch aufgemacht, das Ganze.
Vor ein paar Tagen ging ich nun also durch das Einkaufszentrum spazieren, mit der Absicht, was aus dem Drogeriemarkt und dem Supermarkt zu besorgen sowie vorher bei Saturn Hansa reinzugucken, um ein bisschen Musik zu hören. Ich war gerade auf dem Weg von der einen Seite des Einkaufszentrums zur anderen, als die Durchsage ertönte, dass um 15 Uhr Pierre Brice zu einem Interview eintreffen würde und dass man vorher noch Zettel mit Fragen an ihn abgeben könnte. Ich blickte auf die Uhr: 20 vor 3. Im nächsten Moment kam ich an der 'Showbühne' vorbei, an der sich eifrige Pierre Brice-Fans schon einen Logenplatz ergattert hatten, was bedeutete, das es bereits etwas schwierig war, an der Stelle durchzukommen.
Dann latschte ich durch den Supermarkt, der überraschenderweise mal ziemlich leer war - warum bloß? Ach ja, Winnetou... mein Blick fiel auf meine Armbanduhr, rein zufällig natürlich. Jetzt müsste er bei der Showbühne sein. Durch die Kasse war ich ausnahmsweise mal in Rekordzeit durch (dauert sonst ewig in diesem Laden), nur die Kassiererinnen schienen mir etwas traurig, wahrscheinlich hätten sie sich zu gerne gemeinschaftlich in Richtung Showbühne verdrückt, um auch einen Blick auf den leibhaftigen Winnetou zu werfen, oder aber sie hatten untereinander ausgeknobelt, wer von ihnen unter dem Vorwand, aufs Klo zu müssen, mal schnell dorthin entschwindet und das waren eben nicht SIE gewesen, sondern eine von den Damen, deren Kasse geschlossen war...
Zehn Minuten später war ich bei der Showbühne angelangt, an der rechts und links vorbei nun kaum noch ein Durchkommen war - links schon gar nicht, weil sich dort der Gang mit dem roten Teppich befand, der den Star zur Bühne geleitete. In Anbetracht meiner Miniaturgröße sah ich wieder einmal nichts als Bäuche und Ärsche und natürlich keinen Fitzel von Herrn Winnetou. Wohl aber seine Stimme mit dem französischen Akzent, mit der er auf die Fragen antwortete, die der Interviewer von den zuvor durch Fans beschriebenen Zettelchen ablas. Gut, dachte ich, wenn ich nun schon mal hier war und Pierre Brice war auch da, dann wollte ich ihn wenigstens auch mal gesehen haben. Hin zur Rolltreppe und rauf auf die Galerie also. Die natürlich auch voll besetzt war. Jedoch, wenn man sich etwas bückte, konnte man zwischen Beinen hindurch einen Blick auf den Star werfen, was ich dann auch tat.
Pierre Brice beantwortete charmant alle Fragen zu seinem Leben und Schaffen... ja, er liebe Deutschland, aber seine Heimat sei definitiv Frankreich... nein, er sei kein Skandalmensch, warum sollte er, wo er doch glücklich ist mit seiner Frau... Aber einmal, vor vielen Jahren, da war er mit einer bekannten Schauspielerin unterwegs, deren Namen er vergessen hatte (hahaha...) und als dann ein Paparazzo auftauchte, um die beiden abzuschießen, hatte er ihm flugs die Kamera entrissen und zu Boden geworfen (die Kamera, nicht den Paparazzo)... dies alles sehr sympathisch in nettem Plauderton vorgetragen und immer mal von tosendem Beifall unterbrochen. Angetan war er in einem lässigen schwarzen Anzug und ich muss sagen, er sah wirklich recht attraktiv aus, obwohl ich die leichte Sonnebräune aufs Solarium und die nach wie vor recht schwarzen Haare auf eine Flasche L'Oréal Noir ƒbne zurückführte.
Nachdem ich ein paar Miunten in Hockstellung verweilt hatte, wurde mir diese Position zu unbequem und ich beschloss, weiterzugehen. Meinen Blick auf den großen Winnetou-Star hatte ich ja nun gehab. Und während ich dem Ausgang zustrebte, legte ich mir schon mal im Kopf zurecht, wie ich das hier niederschreiben würde.
Viele Grüße
Zazie

DonDahlmann
17.10.2001, 01:31
DAS nenne ich höflches Paparazzen. Auf den Knien zwischen den Hintern irgendwelchen anderen Leuten rumkauern und beobachten ohne gesehen zu werden.

Goodwill
17.10.2001, 01:31
Schön auch, dass hier das harte Dasein der Paparazzis einmal thematisiert wird (Èzu Boden geworfen (die Kamera, nicht den Paparazzo)Ç). Da spannt man sich täglich demütig ins Joch der Informationsfreiheit und der Massenneugier .... und dann wird einem von Häuptling Vergesslicher Rammler einfach die Kamera zerschmettert.
Gut, dass Du höflich warst, Zazie.
(Beitrag wurde von Goodwill am 16.10.2001 um 19:57 Uhr bearbeitet.)

Ignaz Wrobel
17.10.2001, 01:31
Zazie, bin etwas enttäuscht, hättest Du nicht wenigstens Deine Unterwäsche auf die Bühne werfen können?

Zazie
17.10.2001, 01:31
Meine schöne, teure Unterwäsche von Palmers? Nee, die ist mir viel zu schade für sowas. Da muss schon jemand anders auf der Bühne stehen als Pierre Brice.