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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Goetz, Rainald



lacoste
31.12.2000, 01:21
Berühmt werden mit Rainald Goetz
Auf einer Party in Berlin im Februar diesen Jahres raunte mir meine Freundin Almut plötzlich zu: 'Rainald Goetz ist auch hier.' Ich war sofort total hingerissen und fragte sie aufgeregt: 'Wer ist denn das?' Almut sah mich entgeistert an und fragte: 'Was? Du hast noch nie etwas von Rainald Goetz gehört?' Ich schämte mich zu Tode. 'Rainald Goetz', klärte mich Almut auf, 'ist ein superberühmter Schriftsteller, der sich bei einer Lesung mal die Stirn aufgeschlitzt hat.' Mir blieb beinahe der Atem stocken. Die Erklärung 'superberühmter Schriftsteller, Stirn aufgeschlitzt' barg so viele S & Zischlaute, dass mir ganz schwurbelig wurde. Almuth zeigte mir Herrn Goetz, und bei passender Gelegenheit fragte ich ihn: 'Und Sie sind der weltberühmte Rainald Goetz?' Herr Goetz bestätigte mir das. 'Und Sie sind wirklich ein berühmter Schriftsteller?' fragte ich weiter. 'Ja, das bin ich.' sagte Herr Goetz. Ich rief: 'Ich bin auch Schriftstellerin und ich wäre auch so furchtbar gerne berühmt!!!' Herr Goetz sagte: ³Das glaube ich gernã,und setzte sich mir gegenüber. 'Und', fragte er mich, 'schreiben Sie denn gerade auch etwas?' Ich erzählte ihm, dass ich gerade an der Geschichte schrieb, wie ich mal im Theater einen Betriebsrat gründete, weil ich total verknallt in meinen damaligen Intendanten (ein Alt 68iger) war, der immer gerufen hatte: 'Wenn ihr alle so unzufrieden seid, dann gründet doch einen Betriebsrat! Aber das schafft ihr Luschen ja nicht.' Das haben wir Luschen unter meiner Führung aber doch geschafft. Allerdings nur, weil ich die ganze Zeit gedacht hatte, die schlimmen Repressalien, die dann vom Intendanten kamen, wären nur eine Show von ihm, um uns für den Ernstfall zu trainieren. Dabei war das damals schon längst der Ernstfall, ohne dass ich es bemerkt hatte. Herr Goetz hörte sich die Geschichte an, lachte sich schlapp und fragte: 'Wie lautet denn der Arbeitstitel dieser Geschichte?' Ich antwortete: 'Zen - die Kunst ein Fahrrad zu reparieren, ohne zu arbeiten'. Herr Goetz guckte irritiert. 'Es ist ja eine Betriebsratsgeschichte', rief ich. Herr Goetz verstand, kicherte und sagte: 'Es gibt ein Buch, das heisst Zen - oder die Kunst, auf ein Motorrad zu warten.' Ich konnte nicht mehr. Haargenau dieses Buch hatte mir der damalige Intendant auch immer empfohlen. Er hat damals immer zu mir gesagt: 'Lies dieses Buch! Lies dieses Buch!' Herr Goetz sagte: 'Wenn diese Geschichte fertig ist, will ich sie unbedingt lesen!' Ich versprach ihm, ihm die Geschichte sobald sie fertig sei zuzuschicken, nicht ohne den Warnhinweis: 'Es ist aber eine Liebesgeschichte!!!' Sonst hätte ich ja Zen falsch verstanden.
Corinna Stegemann

bobbes
01.01.2001, 21:49
ich traf auch mal rainald goetz. ich kam gerade aus einem altbauhaus heraus da machte es 'blitz' und ich wurde beim hausverlassen fotografiert. sekunden später entdeckte ich, wer mich da fotografiert hatte: rainald goetz. seitdem kaufe ich mir jedes neue buch von ihm in der hoffnung darin mich beim altbauhausverlassen wieder zu finden.
bob

tex
02.01.2001, 15:46
Auch ich traf ihn mal, in einer Buchhandlung, wir starrten uns ca eine dreiviertel Sekunde an, wie zwei Geister in der falschen Geisterbahn, das war am Tag der Sonnenfinsternis, die ich beschaemenderweise verschlafen habe, und die er, wie ich in 'Abfall fuer Alle' gelesen habe, in Wien auf einer Donaukanalbruecke zwischen erstem und zweitem Bezirk erlebt hat.In dem Waelzer macht er sich uebrigens ueber meinen Freund Joachim Lottmann lustig, trotzdem mag ich das Buch sehr.

Arno Frank
15.01.2001, 17:00
Rainald Goetz traf ich noch nie. Träfe ich ihn, so wünschte ich mir eine ähnlich lustige Begegnung. 'Zen und die Kunst, ein Moped zu warten' ist übrigens ähnlich überbewertet wie Rainald Goetz. Schade drum, um beide, Pirsig und Goetz.

Wolfgang Mueller
15.01.2001, 21:10
Es war auf einer Party des Merve-Verlages, irgendwo in Berlin-Mitte in einer Diskothek neben der S-Bahn. Vor der Tür stand Blixa Bargeld und öffnete mir freundlich die Tür. Er freute sich sehr, dass ich gekommen war. Ich glaube, er hatte mich eigentlich gar nicht erwartet, obwohl ich ja vom Merve-Verlag eine Einladung erhalten hatte. Heidi Paris und Peter Gente, die Merve-Verleger schienen ebenfalls über meine Erscheinung erfreut, aber davon nicht so überrascht, weil sie mir ja die Einladung gesandt hatten. Die Party galt dem neuen Merve-Buch von Rainald Götz und WestBam, dessen Titel irgendwas mit Techno und MIX zu tun hatte. Innen war die ganze Szene angetanzt, dazwischen waren sogar ein paar jüngere Menschen, die ich noch nie gesehen hatte. Techno war angesagt und Rainald Götz hüpfte hektisch wie ein Teenager umher. Er hatte blondgefärbte Haare und als sein Blick mich traf, hielt er einen Moment inne, bevor er wieder weiter herumsprang.
Ich fand die Sache mit dem Stirnaufschlitzen damals bei dieser Preisverleihung in Klagenfurt immer furchtbar kitschig und habe das mal jemanden gesagt, der es ihm bestimmt weitererzählt hat. Der kennt ihn nämlich und trägt immer alles weiter, was aber ganz ok ist. Ich dachte, als ihn die Stirnschlitzerei im SPIEGEL berühmt machte: 'Das machen die Kreuzberger Punks doch schon seit vielen Jahren, sich mit Klingen Schmucknarben zuzufügen! Darüber hat der SPIEGEL noch nie ein Wort verloren.' Mein kleiner Bruder Max zum Beispiel hat die ganzen Unterarme voller Narben, von diesem Geschnitze und ist dafür nie gelobt worden. Ja, es wird hier an dieser Stelle wahrscheinlich überhaupt zum erstenmal kundgetan, dass Max Müller völlig schmucknarbig ist. Aus Protest habe ich dann nie ein Buch von Rainald Götz gekauft, obwohl der ja nichts direkt dafür kann, dass der SPIEGEL halt ihn und nicht meinen Bruder als schnitzendes Genie populär gemacht hat. Aber ich habe schon mal ein bißchen herumgeblättert in 'Irre' und dem Mervebuch. Und nicht gelacht, kein einziges Mal. Naja, die Bilder von Van Gogh (abgeschnittenes Ohr!) sind ja auch nicht direkt lustig.
......................
Anm.: Ich sehe gerade im Zentralen Verzeichnis Antiquarischer Bücher (www.zvab.de) dass es einen weiteren Rainald Götz zu geben scheint. Der hat bereits 1933 das Buch 'Nachtbeleuchtung, 5 Grotesken' im Verlag Oesterheld & Co, Berlin veröffentlicht. Kostet 9,20 Euro. Und im Antiquariat Rabenschwarz, Braunschweig wird gerade für 20 DM das Merve-Buch 'Stimme frißt Feuer' von Blixa Bargeld mit den Worten 'Mitbegründerin der Gruppe Einstürzende Neubauten' angeboten. Wahrscheinlich eine dumme Verwechslung mit Tania Blixen.

(Beitrag wurde von Wolfgang Mueller am 22.01.2001 um 03:26 Uhr bearbeitet.)

tex
16.01.2001, 01:13
Ich glaube man sollte sich von Ressentiments trennen, wer was zuerst getan hat, Rainald Goetz ist ein guter Schriftsteller, ein durchaus legitimer Erbe von Thomas Bernhard, der einzige eigentlich, der auch nicht nur wild um sich schlagen, sondern auch ganz weich werden kann, wie zb in dem schmalen traurigen RAVE, suhrkamp-Buechlein, mir sind zum ersten mal bei einem Buch die Traenen gekommen.
Und bei Max-Mueller-Platten auch.

Wolfgang Mueller
16.01.2001, 03:18
Lieber Tex, du hast nicht berücksichtigt, dass ich tatsächlich einen Autor namens Rainald Götz als Buchautor gefunden - nicht erfunden - habe, der bereits (!) 1933 ein Buch geschrieben hat und möglicherweise längst nicht mehr lebt. Und natürlich wird zu allen Zeiten die Stirn aufgeschlitzt, immer wieder neu und anders. Im Theater vor geladenem Publikum wirkt so etwas nur schrecklich theatralisch, ja überaus kitschig, nahezu opportunistisch. Trotzdem hast du mich überzeugt. Ich werde mir ein Buch des Autors besorgen und schauen, ob mir etwas oder etwas in mir passiert beziehungsweise mich fragen, warum nichts passiert.


(Beitrag wurde von Wolfgang Mueller am 22.01.2001 um 03:29 Uhr bearbeitet.)

tex
16.01.2001, 04:16
Ich liebe Rainald Goetz, ich glaub ich war schon mal headbangen mit ihm bei Motoerhead (Shoot you in the back)
(Beitrag wurde von tex am 16.01.2001 um 03:24 Uhr bearbeitet.)

Wolfgang Mueller
16.01.2001, 04:19
Ich habe noch schnell vor dem Zubettgehen das Buch 'Nachtbeleuchtung - 5 Grotesken' von Rainald Götz aus dem Jahr 1933 für DM 18.- durch das Antiquariatsnetz von einem Kölner Antiquariat bestellt. Wenn sich nun dieser Rainald Götz als derselbe Autor entpuppt, der den Ingeborg-Bachmann-Preis bekommen hat, hätte er sich verdammt gut gehalten, körperlich. Sah in der Disko glatt aus wie 30, wird als um die 40 beschrieben und müsste in Wirklichkeit um die 90 sein, wenn anzunehmenderweise 'Nachtbeleuchtung' sein Jungautorendebüt war. Vom Buchtitel her haut es jedenfalls auch hin, das ist sein Stil, der Untertitel '5 Grotesken' vielleicht eher weniger.

(Beitrag wurde von Wolfgang Mueller am 16.01.2001 um 15:17 Uhr bearbeitet.)

tex
16.01.2001, 04:34
Schlaf lieber ein mit RAVE, hat auch ein schoenes Format und Farbe (orange), passt in jede Potasche. Als es rauskam sah man all die Ravejuenger damit in der Disco wedeln, als sei es die neue Mao-Bibel
(Beitrag wurde von tex am 16.01.2001 um 14:04 Uhr bearbeitet.)

Hartmut Andryczuk
16.01.2001, 13:38
Rainald Goetz kenne ich persönlich nicht. Ich kenne aber Rainald-Goetz-Fans. Die Aktion in Klagenfurth fand ich albern. Das Plakative dieser Aktion wird vermutlich stärker in der Erinnerung der breiteren Öffentlichkeit bleiben als seine Texte. Ein entfernter Bekannter, der überraschende Ingeborg-Bachmann-Preisträger Franzobel hat es da einfacher: über ihn wurde gesagt, dass er bei der Preisverleihung Seidenstrümpfe trug. Franzobel scheint ein netter, bescheidener Typ zu sein, der durch die Preisverleihung nicht abhob und noch immer für die 'Wohnzimmer'-Leute schreibt und zeichnet.Vor zwei Jahren war er mit Marcel Beyer an unserem Stand auf der Leipziger Buchmesse. In Frankfurt fragte ich Marcel ironisch, ob er mit Stuckrath-Barre auftritt und er antwortete fast verärgert, dass er mit ihm nichts zu tun habe. Christian Emmerich war neulich in der N3-Talkshow. Er kam als Künstler, der über ein Jahrzehnt Hotelzimmertoiletten fotografiert hat und sich bemühte,ein wenig intelektuell darzustellen. Obwohl ich die Idee als Konzept nicht schlecht fand, gab es keine wirklichen Reibungspunkte zwischen den Moderatoren und Emmerich. Sie versuchten sich ein wenig über das Konzept lustig zu machen, aber auch nicht sehr provokativ. Moderatoren und Baargeld neutralisierten sich.
(Beitrag wurde von Hartmut Andryczuk am 16.01.2001 um 14:56 Uhr bearbeitet.)

Joachim Lottmann
23.06.2001, 13:47
Rainald Goetz getroffen, Lacoste, das ist ja was, und dann nicht den Hauch einer Beschreibung, nicht einmal den Anderen verraten, ob die Stirnnarbe noch zu sehen ist und was dabei herauskommt, wenn man sich 'für sein Aussehen ab 30 selbst verantwortlich' fühlt: DAS GEHT NICHT. Bei aller Freundschaft. Ich fordere Dich hiermit, am 23. Juni desselben Jahres, auf, das nachzuliefern. Ich bleibe solange am Computer, bis Dus reingestellt hast. Jetzt ohne Schmarrn. Ich warte...

Joachim Lottmann
23.06.2001, 13:49
Rainald Goetz getroffen, Lacoste, das ist ja was, und dann nicht den Hauch einer Beschreibung, nicht einmal den Anderen verraten, ob die Stirnnarbe noch zu sehen ist und was dabei herauskommt, wenn man sich 'für sein Aussehen ab 30 selbst verantwortlich' fühlt: DAS GEHT NICHT. Bei aller Freundschaft. Ich fordere Dich hiermit, am 23. Juni desselben Jahres, auf, das nachzuliefern. Ich bleibe solange am Computer, bis Dus reingestellt hast. Jetzt ohne Schmarrn. Ich warte...

Bartholmy
23.06.2001, 13:49
Was Lacoste bei der Begegnung auffiel kann ich nicht sagen, ich bin ja nicht sie und war auch nicht dabei.
Aber die in L.s Geschichte erwähnt A. hat mir die Ereignisse, kurz nachdem sie vorfielen, ziemlich ganz genauso erzählt - es wird also wahr sein.
Das Auffällige scheint gewesen zu sein, dass L. G. nicht erkannte, was A., die Goetz persönlich auch nicht kennt, aber stante pede erkannte, sehr verblüffte wie auch die Tatsache, dass L. sich darauf u. deswegen ganz unverblümt mit G. unterhielt - wie eben bloß so. Aha.
Was ja gerade idealtypisches paparazzen sein dürfte. Eben ganz diskret und nur so und n’cht irgend weswegen. Narben, ob nun noch sichtbar oder unsichtbar, spielen dabei gar keine Rolle.
Ich habe G. Anfang des Jahres bei einer Lesung gesehen (also offiziell u. nichts für hier). Dabei war's mir aber völlig egal, nach Narbenspuren zu suchen, ich kam nie auf den Gedanken, es war nur schön ihn lesen und zappeln und reden zu hören. Sind wir doch offenen Herzens und nicht die heilige Inquisition, die auf Stigmata-Spuren aus ist.
Wer ständig fühlend sich noch regt, den können wir ertragen.

lacoste
23.06.2001, 15:58
Rainald Goetz war zuallererst sehr klein und dünn. Ich schätzte ihn auf um die vierzig, ließ mir aber später sagen, er sei jünger. Blond war er, das weiß ich noch, aber ich würde ihn heute nicht wieder erkennen, wenn er mit nochmal begegnet. Er trug Jeans und Hemd und ich muss zugeben, dass ich während des charmanten Gespräches mehrfach auf seine Stirn glotzte, weil Almut mir ja erzählt hatte, dass er sich die mal aufgeschlitzt hatte. Ich glaube, er hat das auch bemerkt, weil er so merkwürdig grinste. Eine Narbe war aber nicht zu sehen. Wenn doch, hielt ich sie vielleicht für eine Charakterfalte. Ich glaube, er hatte blaue Augen, aber da kann ich mich auch täuschen. Aber er war sehr, sehr nett und hatte ein freundliches, offenes Lachen. Aber das Schönste war, dass er sich meine Betriebsratsgeschichte von vorne bis hinten aufmerksam angehört hat, ihr folgen konnte, und vor allem: Die Geschichte verstanden hat! Und auch, dass er nach dem Arbeitstitel fragte. Das war sehr aufmunternd! Und dass er nach einer Bruchteilsekunde des Zögerns bei der Pointe nicht in Gelächter ausbrach, sondern herzlich gelacht hat. Also von Anfang bis Ende die gesamte verzwickte Situation der Betriebsrats-Geschichte verstanden hat! Selbst bei Spielereien mit ³ein Motorrad wartenã und ³auf ein Motorrad wartenã hat er reibungslos mitgespielt, weil er mir folgen konnte, dass es ja letztendlich eine Liebesgeschichte ist. Der war großartig!

Tex Rubinowitz
23.06.2001, 23:14
er IST grossartig, er ist ausserdem 50, Lottmann ist auch 50, und ich bin 30

Joachim Lottmann
24.06.2001, 03:34
Großartig? Wer weiß, wer weiß? Ich will nur erzählen, wie Honz die Ehre von Lacoste im Italiener verteidigt hat. Zwölf bis dreizehn Männer waren wir, Lacoste, Hase und Betsy die einzigen Frauen. Die Bedienung beleidigte Lacoste, niemand half ihr. Ein Mann aus dem Kosovo mit Schürze: 'Du das essen, du das bestellen!' Lacoste hatte aber etwas ganz anderes bestellt. Wir alle Angst haben. Lacoste mit zitternder Stimme. Der Mann wird rabiat. 'Du das essen, wenn du zu blöd bestellen!' Alle schweigen und so weiter, bekannte Situation, Zivilcourage null, Stecknadel fallen hören, Du das essen Du Schlampe, Luft anhalten. Ein Engel geht durchs Zimmer. UND DANN - der sonore, ruhige Bariton von Honz: 'Sie entschuldigen sich jetzt bei der Dame.' Zehn Sekunden unerträgliche Spannung. Der Albaner mit der Hand am Messer. Doch dann: er entschuldigt sich! Großartig? Wer weiß, wer weiß? Auf jeden Fall großartiger als Götz. Und Honz ist erst 30 (Götz 52, ich seit dem 14. April 2001 44 Jahre, Tex knapp darüber).

lacoste
24.06.2001, 03:50
Yes!!! HONZ!

Wolfgang Mueller
24.06.2001, 18:08
eigentlich fand ich das Saltimboco (schreibt man das so?) auch nicht schlecht, was da plötzlich unbestellt auf Lacostes Teller lag. Aber natürlich hat sie Recht, dass zu essen, was sie auch bestellt hat.
Nun war es wohl so, dass der Kellner zuerst die Bestellung vergessen hatte, was aber spät auffiel, nämlich als alle ihr Essen bereits auf dem Tisch hatten. So fragte der Kellner nach der Nummer der von Lacoste bestellten œnd vermissten Mahlzeit und sie antwortete: 'Nummer 143. (oder ähnlich)' Dieses war aber wohl offenkundig oder möglicherweise doch die Nummer eines anderen Gerichtes (Saltimboco). Aber da Lacoste schon so lange vergeblich auf ihr Essen gewartet hatte, ihr Magen bereits schmerzte, kann wohl kein Kellner der Welt verlangen, dass sich der Gast seine Bestellung anhand einer Nummer so lange merkt, bis alle anderen Gäste ihr Essen bereits vertilgt haben.
Es war ein typischer Fall für die Richterin Barbara Selisch. Der Kellner bestand auf die genannte Nummer und Lacoste auf die Erstbestellung, die, soweit ich weiss, nicht in Nummernform von sich gegeben wurde. Richterin Barbara Selisch hätte so entschieden: Da der Kellner die Erstbestellung vergessen hat, darf er sich nicht darauf verlassen, dass sein Gast eine Stunde nach der Bestellung noch die richtige Nummer im Kopf hat. Er muss unverzüglich das Saltibocco abräumen, dass Erstgenannte auftischen und zur Versöhnung einen Likör spendieren.
(oder war es doch die richtige Nummer? ich kann mir nämlich nicht einmal meine Handynummer merken)

Wolfgang Mueller
24.06.2001, 18:21
es könnte natürlich auch sein, dass lacoste die richtige Nummer genannt hat und der Kellner die Zahlen in seinem Hirn vertauscht hat, also z.B. aus 143 (Pute in Rahmsoße mit Pommes) dann 431 (Saltimbocco/Spring in den Mund) wurden. Bitte um Aufklärung!
(Auch im Namen von Barbara Selisch)
(Beitrag wurde von Wolfgang Mueller am 24.06.2001 um 17:22 Uhr bearbeitet.)

marie battisti
25.06.2001, 00:00
saltinbocca oder salti in bocca

Ignaz Wrobel
25.06.2001, 00:29
marie, ...supereva.it, was für eine Adresse... schreib doch mal was, hast du schon adriano celentano paparazzt, oder Umberto Tomba?

Joachim Lottmann
25.06.2001, 00:55
Ignaz Wrobel, schön Dich zu fassen zu kriegen: hast Du Lust, die besagten Erstverwertungsrechte wieder an den Autor rückübertragen zu lassen? Dann könnte ich sie an Bettsy Semmer verditschen, die sich darüber freuen würde (sie rezensiert gerne). Beim Wort Bettsy denke ich immer an Betty Ford, die ich seit Tagen wirklich verzweifelt zu erreichen versuche. Weiß jemand Rat? Ich brauche sie aus beruflichen Gründen, es geht um Geld, VIEL Geld, und sie hat kein Telefon. Aber das nur nebenbei. Zuschriften erwünscht. Zum Thema wollt' ich noch sagen: Es waren ja wirklich nahezu alle hoeflichen P.'s von Berlin und Hamburg mit am Tisch, alle wurden wir Zeugen, wie der ungehobelte Wirtsmann sich an der zarten Lacoste verging, aber wenn HONZ nicht gewesen wäre, hätten wir schweigend zugesehen, wie der Knecht ihr den Fraß löffelweise ins wutverzerrte Mäulchen gedrückt hätte. Und das hat mich einfach nachdenklich gemacht. Warum nur sind wir so? Sind alle Mutigen zwischen 1933 und 1945 hingerichtet worden, und wir sind die Nachkommen der Feigen...?

Wolfgang Mueller
25.06.2001, 01:06
Saltinbocca. Danke Marie Battisti für die Korrektur. Bedeutet das übersetzt wirklich so etwas wie: Spring-in-den-Mund? Hat mir mal jemand erzählt. War vielleicht nur ein Scherz oder?
Lacoste kannte - vermute ich - das Gericht noch nicht. Sie schaute ganz entgeistert über die schleimige Lackierung, die über den Schinkenscheiben lag, die sich wiederum graziös über die Fleischstückchen warfen. (Daneben knüllte sich ein Häufchen Spinat gleich einem zerknülltes dunkelgrünes Gewand einer Madonna aus der Sixtinischen Kapelle.)
Lacoste blickte brüskiert auf die Komposition und sagte nur: 'DAS habe ich nicht bestellt!'
Aber wie stellt man eigentlich diese transparente Glasur, die ich vorhin als Lackierung bezeichnete, her? Kann mir das jemand sagen? Ich habe an meinem Küchenfenster nämlich Salbei und habe Saltinbocca schon mehrere Male gefertigt - ohne Glasur allerdings. (In besagtem Lokal habe ich übrigens auch etwas mit Sahnesoße und Champignions gegessen.)

Ignaz Wrobel
25.06.2001, 01:13
Herr Lottmann, ich bin da nicht so, und Frau Semmer, die Dame mit den vielen Slash-Qualitäten, macht das sicher großartig. Zugleich kann ich natürlich nicht die vielen literarisch interessierten Pappen enttäuschen, die ich schon so lange hingehalten habe. Also ich würde mich sehr freuen, wenn sie auch eine Rezension schreiben würde! Wenn sie vor mir fertig ist, hat sie die Ehre der Erstrezension, abgemacht?

marie battisti
25.06.2001, 01:52
nein leider, weder tomba noch celentano, aber ich hätte letzten samstag beinahe (gibt es ein beinahepapp-forum?)mit einem noch lebenden (!) mafia und tangentopoli staatsanwalt, der zwei perioden lang an di pietros seite im parlament gesessen hatte, zu abend gegessen, wenn nicht, naja die große liebe dazwischen gekommen wäre. so kann ich nur aus zweiter hand erzählen, dass er sich als gescheitert fühlt und heute als verteidiger arbeitet, sorry forum, ich fühle mich schuldig ob der verpassten chance.
saltimbocca heißt wirklich spring in den mund oder hüpfer in den mund, so wie tiramis zieh mich herauf oder strangulapreti.... dürfte lautmalerisch genug sein
und supereva ist 'la prima donna che ti guida in rete' also die erste frau, die dich durch das web führt, so ein spruch halt, den ich gern zitiere, um dem provider die assoziation mit roten lichterkettenherzchen und prallen brüsten zu ersparen, kann aber auch sein, dass ich da zu voreilig bin und manche bei supereva wirklich an die erste frau im web denken.

lacoste
25.06.2001, 02:01
Weihah!!!

Wolfgang Mueller
25.06.2001, 13:47
Liebe Lacoste, jetzt solltest Du Dich ausgiebiger äußern über alles Angesprochene. Wie war es wirklich?

Tex Rubinowitz
25.06.2001, 14:01
'Ich glaube das war nur schnödes Öl, was Du da als Glasur sahst, Wolfgang!'
Tocotronicsongtexte heissen so. ('Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk')

U_Sterblich
25.06.2001, 15:03
Ich habe in Berlin auch eine Freundin namens Almut, die Rainald Goetz auf einer Party getroffen hat. Sie ist blond und ihr Nachname beginnt mit B.

BSemmer
25.06.2001, 15:15
Ich bitte um ein Rezensionsexemplar. Habe ich das nicht schon heute morgen geschrieben? Aber wo? Ich habe das Forum verlegt. Alles so vernetzt hier. Bitte. Handelt es sich um die deutsche Einheit, lieber Ignaz? Oder ein anderes Buch? Sicher nichts von Rainald Goetz, soweit ich mich erinnern kann.
Glänzende Saltimbocca sind sicher mit einer Soße überzogen, die direkt durch ablöschen des Bratensatzes mit Wermut oder Marsala zustandekommt.

Poser Rosenberg
25.06.2001, 16:00
Und ich hätte gern ein Rezensionsexemplar der Freundin (von U_Sterblich).

lacoste
25.06.2001, 18:01
Meine Almut, die mit auf der Party war, hat aber schwarze Haare und ihr Nachname fängt mit K. an. Sie ist selbst berühmt, Sägerin (bleibender Tippfehler)in einer berühmten Band, ich treffe sie nur leider höchstens 1 oder 2 mal im Jahr.
Das falsche Essen habe ich mir gar nicht so genau angekuckt, wie Wolfgang Müller, nur einen Blick drauf geworfen - es sah scheußlich aus: rosa, glitschig, künstlich, ich wollte Pommes mit Hühnchen und Sahnesoße, war auch schon angefixt, weil Wolfgang sich sowas ähnliches bestellt hatte und mir aus Mitleid einen Happen abgegeben hatte. Und dann fing der Kellner an, mich anzuschreien. Ich habe versucht, mich zu wehren, habe den Anderen flehende Blicke zugeworfen, aber sie wichen mir mit den Augen aus, Joachim Lottmann ist sogar von mir abgerückt, hat sein Gesicht verzogen, sich weggedreht und so getan, als würde er mich nicht kennen. Der Graf hat spöttisch gegrinst, alle anderen Gäste gafften sensationslüstern, wie bei einem schweren Unfall auf der Autobahn. Das hat der Kellner natürlich gemerkt, dass ich von meinen 'Freunden' keinen Rückhalt zu erwarten hatte. Er hat die Lautstärke noch weiter aufgedreht und sich dabei beifallheischend in der Pizzaria umgesehen. Aber dann griff HONZ ein, gleich einem weißen Ritter auf einem silbernen Pferd. Mit unglaublich fester und sicherer Stimme. Er hat nicht geschrien sondern gesprochen, aber so raumfüllend, dass seine Worte noch bis in die hintersten Bänke zu hören waren: 'Sie bringen der Dame jetzt sofort das richtige Essen. Sie kann ja nicht wissen wie Ihre Nummern hier sind. Machen Sie hier keinen Ärger.' Der Kellner zuckte geschlagen zusammen, wollte noch schwach etwas entgegnen, aber HONZ ließ es nicht zu. 'Nemen Sie das da wieder mit und bringen Sie das richtige Essen. Sofort!!!' Das Zeug hat dann wer anders umsonst bekommen, der hat sich gefreut. Als mein Essen dann endlich da war, haben mir alle ganz aufgeregt beim Mampfen zugesehen und ununterbrochen gefragt: 'Schmeckts?' 'Ist's lecker?' 'Wie schmeckts denn?' 'Hat sich das Theater gelohnt?' Selbst Gäste von den anderen Tischen kamen heran und lugten mir über die Schulter, weil sie wissen wollten, was ich denn da wohl Geheimnisvolles geordert hatte, was SO EINEN Skandal auslösen konnte.
Mir steckt jetzt noch das Zittern in den Gliedern.
Aber HONZ ist sowieso ein unglaublicher Kavallier. Er würde sein Jackett über eine Wasserpfütze breiten, um einer Dame trockenes Schreiten zu ermöglichen. Walter Gröbchen würde das nicht tun, und Rainald Goetz schonmal gar nicht.
Rainald Goetz hatte mir ja seine Adresse gegeben, damit ich ihm die Geschichte schicken konnte. Kurz darauf zog ich von Münster nach Berlin, und weil ich in Berlin nicht genug Umzugshelfer hatte (Stefan Katz hat sich ganz geweigert, Herrndorf kam so auf der Hälfte, Benjamin Schiffner kam, als alles vorbei war usw.)deshalb also, weil sich das schon abzeichnete, schrieb ich Rainald Goetz kurz vorher einen Brief, in dem ich meinen Umzug ankündigte und ihn bat, mir beim Möbelschleppen zu helfen. Und wißt Ihr was? Der hat GAR NICHT reagiert! Arschloch!

Joachim Lottmann
25.06.2001, 21:36
Eine kleine kurze Richtigstellung dann doch: Nicht ALLE haben sich so opportunistisch vor der Macht geduckt, auch wenn es so aussah; da war nämlich ein junger Mann namens 'ELPENOR' (ich ließ mir das später buchstabieren), der mit vor Wut weißen Knöcheln da saß und dessen Kiefer mahlten vor innerer Erregung. ER hätte eingegriffen - aber er wollte die anderen, viel älteren und kräftigeren Beschützer der zerbrechlichen kleinen Lacoste nicht blamieren. Mit allerletzter Beherrschung wartete der junge Elpenor ab, bis HONZ endlich eingriff.

Hartmut Andryczuk
25.06.2001, 22:56
Ich habe nicht spöttisch gegrinst an diesem Abend, sondern dümmlich in mich hineingelächelt, als Lottmann mir von seinem Anzug erzählte und ich ihn nach Albert Speers 'Erinnerungen' fragte. Der Kellner war übrigens kein Kosovare und trug kein Messser, sondern wirkte wie ein junger Niederländer iranischer-irakischer Herkunft, der sicher nach 1960 geboren wurde und in seiner Jugend Klassenfahrten nach Birkenau unternommen hatte. Ausserdem war sein Deutsch ungebrochen. Leider war er etwas verärgert an diesem Abend und reagierte nur auf autoritäre Kommandos. Da hatte er in HONZ sein Pendant gefunden. Ich glaube, Corinna war von alledem sehr amüsiert. Das zarte Wesen ELPENOR sass ja noch weiter hinten und hat von alledem gar nichts mitbekommen. Ich wunderte mich nur, dass Lottmans Nackenhaare, die im fettigen Licht der Pizzeria rötlich schimmerten, sich leicht aufrichteten und wusste, es ist etwas Unangenehmes geschehen. Der junge Niederländer war am Samstag sehr freundlich. Diesmal sass Corinna neben mir und ich versuchte HONZ zu kopieren, indem ich dem Kellner freundlich und bestimmt sagte: 'Bitte bringen Sie dieser Dame ihr Kristall'. Seit diesem Vorfall ist Frau Stegemann in diesem Lokal sehr geachtet. Man hält sie für eine wichtige Persönlichkeit, was sie ja auch ist.

lacoste
25.06.2001, 23:08
Ich hatte am Samstag aber gar kein Kristall bestellt, sondern Bier! Na, das gab ein Hallo, Kinder, ich sage euch ...

Tex Rubinowitz
26.06.2001, 00:35
Honz in allen Ehren, aber ich hätte noch vor ihm Partei für Corinna ergriffen, ich bin so, das ist meine Natur, in Zürich hätte auch niemand es gewagt Poser Rosenberg anzusprechen, ich hab mich sofort in dieses vermeintliche Wespennest gesetzt, das sich dann als Blumenwiese herausstellte

hanswasheiri
26.06.2001, 13:01
Das stimmt, einerseits. Andererseits war in dem Moment, als das Wort 'Rosenberg' zum ersten Mal fiel, Karlo Tobler wahrscheinlich gerade am telephonieren ausserhalb des Lokals, ansonsten er sicherlicher ebenfalls heftig eingegriffen hätte. Wenigstens wenn er nicht (wie ich übrigens) am anderen Tischeende wie Rosenberg gesessen wäre. Wäre Karlo Tobler gar in Berlin neben Lacoste gewesen, wäre der Kellner wahrscheinlich nicht mehr heile.

marie battisti
26.06.2001, 13:01
falls jemandem ein besserwisserischer geltungssüchtiger trampel aufgefallen ist, das war ich, auf diese zarten netze bänder und zöpfe war ich gestern noch nicht gefasst

tex
26.06.2001, 13:01
Ich hab keine Zöpfe

marie battisti
26.06.2001, 13:01
pass auf, sonst werd ich gleich wieder besserwisserisch

Chinese
06.07.2001, 03:36
Liebe Paparazzi, ihr wißt es besser als ich: was hat man nicht schon alles unternommen, um einmal leibhaftig einen Prominenten zu sehen:
-den Freund einer Freundin eines Freundes angerufen, um ihm eine Einladung zu einer dieser superwichtigen Parties abzupressen, die dann unsaeglich langweilig kalt und zugig sind und wo der Promi sowieso durch eine VIP-Lounge vor den Blicken von uns janz normale Otto Piffels abgeschirmt ist. (Leonardo di Cabrio bei der Berlinale 2000)
- sich von breitschultrigen, analphabetischen Türstehern vor den Augen seiner neuen Flamme erniedrigen lassen, um in den Club reinzukommen. (nach einer diese Madonnashows , weil sie da angeblich auftauchen sollte, was sie aber natuerlich nicht tat)
- stundenlang an irgendeiner zugigen Straßenecke in der Peripherie gewartet, um dann für Bruchteile einer Sekunde etwas zu sehen, das vielleicht, unter Umständen dann doch... (schon was laenger her, beim 1986 Papstbesuch in Muenchen)
Wie ueberraschend anders erging es mir da nicht gestern am späten Nachmittag. Seit der Erfindung des kabellosen Hoerers kann ich beim Telephonieren nicht mehr ruhig sitzen, sondern leide unter zwanghaftem Dauerlauf beim Reden an der Muschel. Wie ich also gestern durch meine Wohnung rase und telephoniere, fällt mein Blick aus dem Fenster auf die Straßenkreuzung vor meinem Haus, und wen sehe ich da? His Royal Madness Rainald Goetz himself, der auf seinem Fahrrad auf unser Haus zusteuert. Er hatte wohl die kühlen Abendstunden abgewartet, um eine kleine Erkundungsfahrt durch unseren Kiez zu unternehmen. Neben der Litfaßsäule bleibt er stehen und legt sein Fahrrad ohne den spießigen Fahrradstaender einfach so coll & sportiv hinter sich quer ueber den Buergersteig. Wie sich so das fuer einen anstaendigen Schriftsteller gehoert, zueckt er, kaum abgestiegen, sofort ein Notizbuechlein aus seiner Umhaengetasche, sieht wild um sich und schreibt mit grosser Geste etwas hinein.
Da naehern sich ihm von links zwei huebsche junge Maiden und halten mit ihren Velos direkt auf ihn zu. Goetz blickt erst im letzten Moment auf, als die Maedels schon dicht vor ihm sind. Er lächelt sie kurz an, dann weicht er schnell zurueck. Doch da liegt ja das Fahrrad. Es kommt, wie es kommen muss: er stolpert ueber den Lenker, kippt nach hinten, kann aber gerade noch das Gleichgewicht halten. Verlegen lächelt er die Huebschen an und sagt etwas. Die beiden kichern verlegen zurueck, antworten, bleiben noch einen Augenblick neben ihm stehen, dann gruessen sie nett und fahren davon.
Goetz sieht den beiden Maiden etwas traurig nach. Dann sieht er sich noch mal um, scheint aber nun jegliches Interesse am sommerlichen Vorstadtidyll verloren zu haben. Er wirft einen letzten Blick in sein Brevier, steckt es zurueck in die Tasche, schwingt sich auf den Sattel und radelt davon runter zur Brunnenstraße.
³Hallo? Bist Du noch dran?' Ja, bin ich, und telephoniere weiter. Doch im Stillen denk ich mir: diese nette Petitesse ist doch was fuer die Paparazzi.

(Beitrag wurde von Chinese am 06.07.2001 um 03:07 Uhr bearbeitet.)

julia mantel
03.08.2001, 15:59
ich habe rainald gtz auch mal getroffen bei einer ausstellungseröffnung in berlin, wo wir im anschluß daran noch in der parisbar essen waren. rainald zückte sodann seinnotizbuch und verewigte die begegnung mit mir für eine kolumne in der 'jetzt'-zeitung, also darf ich ihn hier auch paparazzieren. ein paar tage später rief er mich an, um mich nach der marke der jeans zu fragen, die ich an diesem vernissage-abend anhatte und wir diskutieren lang und breit über die (würg) rich-kid-pseudo-pop-literaten und ich äußerte ihm gegenüber mein unverständnis darüber, daß er sich mit dieser angeber-clique einläßt, konnte ihn aber nicht so recht von meinem widerwillen diesen koksnasen gegenüber überzeugen.
er hält alexa-von-der-henning-lange wirklich für eine große literatin, genauso auch den sabberheine moritz von uslar.
wie kann ein mann im format eines rainald-götz sich mit diesen posern abgeben und sie auch noch featuren?
kopfschüttelnde grüße
jmantel.

Heinz Erhardt
20.08.2001, 18:56
Manche Frauen sind wie Löschpapier; Sie nehmen alles in sich auf und geben es anschließend verkehrt wieder.

julia mantel
20.08.2001, 18:59
sehr geehrter heinz e.,
alles was ich hier schreibe ist nichts als die reine wahrheit.
so war es und so isset.
hochverehrt
jmantel

Murmel
20.08.2001, 19:02
Ich will auch ein Sabberheine sein.

julia mantel
20.08.2001, 19:07
murmel clausen,
warum nur... ein sabberheini?
bist du ein rich kid?
schreibst du vorzugsweise über fanta- und cola-trinken?
...ich meine, dieses süddeutsche-zeitungs-geseiere?
('jetzt ' und das 'sz-magazin')
und was ist eigentlich bei dir mit anstalten?
bis dann
jmantel.

Reverend Tex
20.08.2001, 19:10
Lotte verehrt die ja leider auch, aber ist ja auch ein Sabberheinrichheine

Larry Erbs
20.08.2001, 19:10
Ich glaube Murmel wollte wissen was Moritz von Uslar mit Heinrich Heine zu tun hat. aber ich erbse schon wieder...
wenn das ide reine Wahrheit ist würde ich gerne die Version von Rainald Goetz hören

Murmel
20.08.2001, 19:11
Danke, tex, jetzt hast Du meinen Witz zerstört. Sehr schön. Ich wollte jetzt nämlich schreiben, dass ich eigentlich Henric heisse und, ach, ist eh kaputt alles. Alles vorbei.
--------------------
jumantel ist merkwürdig

Larry Erbs
20.08.2001, 19:13
ich hab ihn auch zerstört! hahaha!

Heinz Erhardt
20.08.2001, 19:17
http://www.jetzt.de/tagebuch/
rainald-goetz
Weggehen & Essen & #0124; Berlin & #0124; 24.09.2000Ê

Ebbesand Flutwasser
20.08.2001, 19:31
wie kann ein mann im format eines rainald-götz sich mit diesen posern abgeben und sie auch noch featuren?

Liebe Julia Mantel, das Format von Rainald Goetz ist allenfalls DinA8, und das ist exakt die Größe der platinenen Kreditkarten, mit denen die Berliner Royalen ihr Koks zerhacken. Daher vielleicht die Neigung der Herren zueinander. Vielleicht haben sie sich aber auch einfach nur beim Dealer kennengelernt.
------------------
Hr. Flutwasser ist ein lieber Spatz.
Yvonne Caldenberg

lacoste
21.08.2001, 00:25
Juliane Mantel soll sich aus meinem Strang verpissen!
Alle anderen sollen bleiben!

Reverend Tex
21.08.2001, 04:08
Trauriger Wunsch, dass diese Dumpfbacken koksen, ihre Droge ist: Voneinander abscheiben
Bzw aus einem stinkenden Gulli namens Moritz von Uslar zu schöpfen


---------------
Alpha Motherfucker

lacoste
02.09.2001, 02:13
.

Walter Schmidtchen
17.09.2001, 15:46
Gestern las ich das öde Mervebuch von Rainald Goetz, und da taucht tatsächlich eine Julia auf, die ihm in der Paris Bar Gedichte ins Ohr schreit.
Die Hälfte des Mervebuches besteht übrigens aus haarsträubenden Gedichten, oder Schnipseln, die andere aus Interviews und seinem Jetzttagebuch, und dann gibts noch irgendwas mit moritz v uslar, das ist so grauenvoll, dass ich das arme kleine Büchlein weggeschmissen habe

Murmel
17.09.2001, 15:49
Das war Julia Mantel. Kein Fake.

hofbauerova
02.01.2002, 14:50
http://www.contextredaktion.de/linkseiten/goetz.htm

Aber das allein kann es nicht sein, klar. Rainald Goetz selbst ist es. Der Skandal-Goetz, der sich bei der Preisverleihung in Klagenfurt 1983 die Stirn aufritzte, um die Richtung klarzumachen. Er wollte verzweifelt ins wirkliche Leben, zum Körper. Da ist er in den letzten Jahren gelandet, beim großen Körpergefühl in der Techno-Szene und bei ihren großen Stars. Goetz (44) war mit Westbam und Sven Väth unterwegs auf der Suche nach dem Innern der Nacht. Sein aktueller Roman "Rave" erzählt davon.
(...)
© Julia Förster (HAZ, Feuilleton, Juni 98)


Demnach müsste der jetzt so ca. 47 oder 48 sein?!

Ruebenkraut
02.01.2002, 15:25
Vielleicht hat ja auch Julia Förster Gedichte in der Paris Bar geschrien, "Ihm" ins Ohr. Paris Bar, das hört sich doch an, als ob da mehr als eine Julia Promis Gedichte ins Ohr schreit.

Und als Gegenleistung für das holde Ohr, dass Goetz ihnen lieh, featuren (featurn?, fietschern?) sie ihn dann in der HAZ oder im Pappenforum...jede nach ihren Möglichkeiten.

Klede
12.03.2004, 12:23
Gestern im ausverkauften Kino 1 im Hackeschen Hof, 20 Uhr Vorstellung von "Gegen die Wand": Rainald Goetz fragt die Frau vor mir, ob der Platz neben ihr frei sei. Sie verneint, meint, dass die naechsten zwei oder drei Plaetze belegt seien. Goetz will nicht so weit aussen sitzen und entscheidet sich also fuer eine Reihe weiter vorne, in der die mittleren Plaetze noch unbelegt sind. Goetz Haare sind nicht mehr blond gefaerbt, sondern metallgrau, fast ein Blake Carrington Grau, und es sieht etwas seltsam aus, als er sportlich ueber die Sitze vor ihm in die naechste Reihe klettern will und dabei ungeschickt stolpert, fast hinfliegt. Die erste Haelfte des Filmes ueber scheint er sich die ganze Zeit Notizen zu machen, spaeter rutscht er immer tiefer in den Sessel, so dass ich ihn gar nicht mehr sehen kann. Sobald die Endtitel anfangen, verlaesst Goetz den Saal, und wieder steigt er dafuer, diesmal viel eleganter, ueber die Sessel vor ihm (er sass in der 2. Reihe), vielleicht um die anderen Zuschauer links und rechts von ihm nicht zu stoeren.

Stimmen
13.03.2004, 02:37
Wer Goetz sehen will, muß spätnachmittags in den Extra in der Chausseestraße gehen. Er kauft dort immer ein, Unspektakuläres, Gesundes, soweit ich das von meiner Putzkolonnenposition aus erkennen kann. Körpersprache sehr vital, sehr wach, wie ein Sechsjähriger. Früher nie gelesen, durch dieses Titanic-Mißverständnis, diese Droste-Roth-Henscheid-Haudrauf-Kritik, gedacht, das ist ein schlechter Mann. Dann doch gelesen: guter Mann. Sieht man auch, spätnachmittags im Extra.

Scheiße dagegen: Fatih Akin.

Bartholmy
13.03.2004, 02:44
Stimmen: die fünfte Putzkolonne bei Extra.

honz
13.03.2004, 11:46
Kurzer, redigierender Eingriff: hallo, ich bin der große honz, der Held von Posting siebzehn, ich wollte nur kurz anmerken, falls das noch niemandem aufgefallen ist: man kann die ganze Betriebsratsgeschichte im Original von lacoste inzwischen auch hier (http://www.hoeflichepaparazzi.de/forum/showthread.php?s=&threadid=18986) nachlesen.

Ruebenkraut
13.03.2004, 12:01
Wieso, was kauft denn Akin ein? Etwa Ungesundes?

Klede
13.03.2004, 12:11
Ich glaube eher, dass Stimmen sagen wollte, dass er Fatih Akin scheisse findet.

Niedlich uebrigens, wie honz nach vierundzwanzig Minuten seinem kleinen Zwischenruf eine kleinere Schriftgroesse gibt.

Ruebenkraut
13.03.2004, 13:38
Will halt bescheiden wirken, der gute honz. Und DAMIT auffallen. Das ist die Kunst.

Zu Akin: Warum ist der denn Scheiße, das wollte ich doch wissen,
(Klede, du bist ja wie mein Sohn, der partout alles wortwörtlich versteht)

- nur der Film oder er als Person oder beides?

Isaak Ball
26.03.2004, 20:37
Rainald Goetz habe ich auch mal getroffen: im Berlin-Schöneberger "Ex & Popp"; das war in der Zeit, in der er dieses Internet-Tagebuch "Abfall für Alle" schrieb, was ich etwas überflüssig und auch leicht terroristisch fand; terroristisch, weil ja praktisch jeder in seiner Umgebung damit rechnen mußte, sich womöglich noch am selben Tag in aller Öffentlichkeit porträtiert zu sehen; sonst kannte und kenne ich nicht viel von Goetz; an jenem Abend fragte ich ihn jedenfalls leicht gereizt, ob er denn seinen Laptop mit dabei habe; und ich muß sagen, er hat recht souverän und halbwegs freundlich geantwortet, nein, seinen Laptop nicht, aber einen Kugelschreiber und einen Notizblock schon; - worauf er sich dann rasch woanders hin verzog.
Er wirkte sehr agil, bewegte sich beim Dastehen unablässig und schien mir ein bißchen jünger wirken zu wollen, als er war.
Ist natürlich etwas inkonsequent von mir, daß ich das jetzt selber ins Internet schreibe, aber der Unterschied zwischen Goetzens Internettagebuch und den Höflichen Paparazzi hier ist ja doch, daß letztere - sehr demokratisch wirken.

Der Minnen vederspil Isot
26.03.2004, 21:29
Ich hielt das Forum eigentlich immer für aristokratisch oder gar oligarchisch, aber Sie haben natürlich recht.
Leider haben Sie den Einwand zu Ihrer Geschichte schon vorweg genommen, obwohl das nicht nötig gewesen wäre, denn sie ist zu blass , um eine Entschuldigung zu brauchen.
Trotzdem gibt mir etwas zu denken: Der paperazzende Prominente wird wegen seines Papperazzentums kritisiert, während er selbst von einem neuen höflichen Paperazzo paperazziert wird, der das durch Demokratie legitimisiert.

Isaak Ball
26.03.2004, 22:06
Ein Unterschied zwischen "Abfall für Alle" und den HP ist ja wohl der, daß die von Goetz Porträtierten keine Möglichkeit hatten, eine Gegendarstellung am selben Ort zu schreiben; oder auch nur die Anmerkung, was er da schreibe, sei etwas blass.
Ist aber ja auch schon lange (sechs oder sieben Jahre) her, meine Begegnung mit Herrn Goetz; und ich war damals auch deshalb gereizt, weil ich einige Zeit zuvor ein Merve-Buch mit Korrektur gelesen hatte, das Goetz mit dem DJ Westbam zusammen - nun ja: "geschrieben" hatte und das ich schon reichlich blöd fand, auch ranschmeißerisch: an eine bescheuerte Musikrichtung, den Techno, und dann auch noch an Mainstreamtechno; das schien mir nicht ganz zu dem Radikalenimage zu passen, mit dem Goetz mal angefangen hatte (Hirnschlitzerei, Raspe usw.). Aber in den 90er Jahren wollte er halt auf Teufel komm raus affirmativ sein, in Masse aufgehen und den Augenblick genießen.
Kann ich heute aber auch besser verstehen; und wahrscheinlich ist Herr Goetz sonst ein ganz netter Mensch.

joq
26.03.2004, 22:26
Ich habe mal mit Rainald Goetz und Benjamin von Stuckrad-Barre und Alexander von Schönburg die insgesamt unangenehmsten 20 Minuten meines Lebens überhaupt verbracht. Christian Kracht hat mich vor einigen Jahren mal eingeladen, im Rahmen einer allseits bekannten Zusammenarbeit bei der Verkostung und Bewertung asiatischer Tütensuppen, mit ihm im Umfeld einer Autorenlesung gekühlte Getränke einzunehmen. Zu diesem Behufe bekam ich sogar einen unglaublich wichtigen Backstagepass zur Lesung ausgehändigt.

Nach der Lesung wackelte ich "Backstage". Dort warteten schon Krachts Buddies, i.e. Herr Stuckrad-Barre, schweigend und fußwippend und rauchend. Und Alexander von Schönburg, mit einer sehr schicken schweinsledernen Aktentasche, die er fest umklammert hielt, immerhin stellte er sich vor und gab mir die freie Hand zur Begrüßung, das fand ich sehr nett. Rainald Goetz hingegen schwieg eisern, grinste, als habe er gerade die Weltformel gefunden, und schoss immer wieder völlig unvorhersehbar blitzartig einzelne Schnappschüsse mit einer Kleinbildkamera, und zwar in Art und Weise der Lomografierer, also einfach Kamera irgendwohin halten und abdrücken, nur dass es eben keine Lomo sondern irgendein Olympuskram war. Man schwieg sich lange und sehr hölzern an und wartete auf Kracht, der aber nicht kam, weil er draußen alles mögliche signieren musste.

Ich ertrug das nur eine Weile lang und dann geschahen andere Dinge, die vielleicht später hier erzählt werden, aber das muss ich erst mit Anwälten besprechen. Die Paris Bar kommt drin vor.

Der Admiral
26.03.2004, 22:59
Ach du Scheisse!
Wehe Du schreibst das hier rein!

Juri
06.11.2011, 10:31
Hat Rainald Goetz eigentlich die angekündigte Geschichte (http://www.hoeflichepaparazzi.de/forum/showthread.php?t=18986) (vgl. #1) jemals zu lesen bekommen?