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Thema: Goetz, Rainald

  1. #73

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    Hat Rainald Goetz eigentlich die angekündigte Geschichte (vgl. #1) jemals zu lesen bekommen?

  2. #74
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    Die in dem Eingangsposting erwähnte Almut fragte ich ca. 2005, ob sie sich an den beschriebenen Abend erinnert und die stets hellwache, begeisterte Almut war direkt noch hellwacher und begeisterter und erzählte es minutiös nach. Und ich war auch begeistert, kannte ich doch jemand, der jemanden kennt, der sich mal mit Rainald Goetz unterhalten hat. Und war selbst vor Ort! Ach, und dann kannte ich noch jemanden, der Goetz ab und an im Extra beim Einkaufen in der Chausseestraße traf (Posting #62). Soweit meine “Begegnungen” mit Rainald Goetz bis zum letzten Samstag.

    Da wurde eines seiner letzten Stücke “Baracke” in den Kammerspielen des Deutschen Theaters aufgeführt, nachdem es vorher in der DT Bühne lief. Weswegen es vorher einen Vortrag von Rainald Goetz gab. Und er trug den gleichen Pullover wie ich an dem Abend! Womit allerdings sämtliche Ähnlichkeiten erschöpft waren, d.h. ähnliche Haarfarbe, aber irgendwie scheint es doch einen Unterschied zu machen, ob man wie ich zu dem sympathischen 13 Euro Friseur in der Köpenicker geht oder zu einem anderen. Und wie viel schlanker, vitaler und besser Aussehend überhaupt.
    Zu Beginn hockte er sich auf den Fußboden und schrieb sich begleitend “Zitternd schreibt er, es geht los”.
    Dann wurde das Vortragsmaterial vorgestellt: Programmhefte und das Redemanuskript. Was nicht zum Einsatz kam, da er frei sprach, die zwei Hauptpunkte des Vortrags waren seine Sicht auf seine Theaterstücke und was es bedeutet, dass sein Stück jetzt an einem sehr viel kleineren Ort stattfindet, samt Lob des experimentellen Charakters, der dadurch entsteht, und er gebrauchte da noch einige feine Worte und Überlegungen, bis ihm auffiel, dass die Kammerspiele des DT eigentlich ein überhaupt kein kleiner Ort ist, was ihn aber nicht sonderlich behinderte. Kurzer freudiger Rückblick auf seine Besuche in der Baracke 1999 am DT unter Ostermeyer, was mich freute, da war ich seinerzeit auch öfter. Zwischendurch stehend ein Schluck aus einem Wasserglas “Ich-bin-so auf-ge-regt”.

    Im Stück selbst saß er zwei Reihen vor mir, enthusiastisch mitgehend, doch sehr schnell schaute ich nur noch auf die Bühne, da die Regie von Claudia Bossard allerbestens ist und die Schauspielerinnen sind es ebenfalls. Lieblingsszene, als Daria von Loewenich Natali Seelig über ihre Ehe befragt, unglaublich präzise gespielt, und die große Tischszene und Andri Schenardi, der Goetz’ Überlegungsfetzen mit Klaus Kinski Stimme spricht, was funktioniert und überhaupt.
    Beglückender Abend, am 8.2. gibt es eine weitere Ausführung, Karten sind noch vorhanden und sie kosten lächerliche 15 Euro, zu empfehlen.

    Einen Tag später war ich mit einigen Leutchen direkt NOCHMAL in den Kammerspielen zu “Grosse Gewinne Grosse Verluste” von Schorsch Kamerun, der den Abend mit “Ich bin (Name vergessen) und führe sie heute durch den Abend. Handys können sie anlassen, das ist jetzt - äh- eh egal.” begann.” Ach, wie war ich hingerissen und wie viel schlanker und agiler auch er aussah. Musik sehr fein, ausgezeichneter Pianist, Stück so so. Hinterher traf ich beim Rausgehen noch ein sehr geschätztes ehemaliges Formusmitglied, mit dem ich mich kurz unterhielt und dachte dabei, wie es doch schillernder ist, ihn nach einem Theaterbesuch zu treffen, als nach einem Kinobesuch. Da doch zumindest bei diesen zwei Theaterbesuchen ich mehr das Gefühl hatte, Teil einer aktiven Gemeinschaft gewesen zu sein, der Eindruck und man selbst lebendiger ist.
    Geändert von Elpenor (12.01.2026 um 23:18 Uhr)

  3. #75
    Moderator_S Avatar von U_Sterblich
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    Hab gleich zugeschlagen (bei Goetz, gegen Kamerun hege ich Abneigung)

  4. #76
    Moderatorin Avatar von Frau H aus B
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    Ich traf Rainald Goetz zuletzt im Anschluss an das Sommerfest 2025 des Literarischen Colloquiums, er ließ mir beim Einstieg in die S-Bahn am Bahnhof Wannsee den Vortritt. Selbst habe ich davon gar nichts mitbekommen, weil ich oft die Leute in meiner Umgebung nicht wahrnehme, aber ich hatte Larry dabei und der hat mir das sogleich erzählt, und wirklich sah ich den platinblonden Goetzkopf von hinten, als ich mich auf Larrys Geheiß hin umdrehte.

    Mir war es dann schon etwas peinlich, dass ich Herrn Goetz' höfliche Geste so rüde ignoriert hatte. Aber ich kann nichts dafür! #ADHS

  5. #77
    Avatar von Klaus Caesar
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    Hat #62 Abs.2 eigentlich bei der Entscheidung über die Regie der Tschick-Verfilmung eine Rolle gespielt?

  6. #78
    Seniorita Avatar von elinor
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  7. #79
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    Was Stimmen in dem ersten Absatz von #62 schreibt: das ging mir genauso. Mit Anfang/Mitte 20 waren für mich Henscheids ‚Sudelblätter‘, neben Adornos ‚Minima Moralia‘, eine Art Bibel, in der ich immer und immer wieder gelesen habe und deren Urteile für mich praktisch absolute Gültigkeit hatten. So auch im Fall von Goetz, der wohl irgendwo gegen den mit Henscheid befreundeten Hermann Peter Piwitt polemisiert hatte, worauf dann Henscheid Goetz in den ‚Sudelblättern‘ auf ziemlich herablassende Weise abwatschte. Ob Droste und Jürgen Roth sich irgendwo polemisch über Goetz äußern, weiß ich nicht, aber so ein Draufhauen ohne Rücksicht auf Verluste war ja schon ziemlich verbreitet in diesem ‚Titanic‘- und ‚konkret‘-Umfeld.

    Mit Techno und der DJ Culture konnte ich überhaupt nichts anfangen, das hat mich nicht interessiert, und bei Goetz fand ich es etwas befremdlich, dass er als damals ja schon über 40-jähriger sich da so reinhängte. Ich las dann mit Heidi Paris das Buch, das Goetz zusammen mit Westbam geschrieben hatte, für Merve ziemlich widerwillig Korrektur, und Heidi Paris war jahrelang schwer verliebt in Goetz und ging mir mit ihrer Schwärmerei in unserem Deleuze/Guattari-Lesekreis auf die Nerven.

    Ich habe dann eigentlich erst mit ‚loslabern‘, also sehr viel später, verstanden, wie intelligent, sprachmächtig, beweglich, geistesgegenwärtig und empfindsam Goetz ist, dann war ich auch von ‚Johann Holtrop‘ und zuletzt von ‚wrong‘ sehr angetan bis begeistert, und ich bewundere, wie jugendlich er geblieben ist: Toller Mann. Von seinem Theater habe ich noch gar nichts gesehen oder gelesen, werde das jetzt also neugierig gemacht auch mal probieren.

    Ich war gut 10 Jahre lang nicht mehr im Theater, bis dann letztes Jahr meine Schwester mich fragte, ob ich Lust hätte, in das Stück ‚The Silence‘ von Falk Richter an der Schaubühne zu gehen. Sie hatte Karten vorbestellt, dann aber an dem Abend doch keine Zeit. Ich hatte eigentlich keine Lust, war müde und dachte, wird schon sowas sein, und dann war es doch ganz phantastisch, und zwar, weil der Schauspieler Dimitrij Schaad einfach eine unglaubliche Präsenz hat, der in einer One-Man-Show auf der Bühne den Autor Falk Richter spielt und viele der Erlebnisse auf der Bühne inszeniert, an die Falk Richter sich in den eingespielten Videoaufnahmen von Gesprächen mit seiner Mutter erinnert. In dem autofiktionalen Stück geht es um Falk Richters Aufwachsen als schwuler Jugendlicher in der niedersächsischen Provinz, mit sehr konservativen und autoritären Eltern, die ihn deshalb ausgrenzten. Das ist berührend und erstaunlich unterhaltsam, und das Bedrückende und Schmerzhafte daran wird durch den Witz und den Charme von Schaad erträglich gemacht. Kann ich sehr empfehlen.
    Geändert von Saposcat (14.01.2026 um 17:18 Uhr)

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