Winter 2001: Artaud erinnert sich an Hitler und das Romanische Cafe. Vierhundert Menschen starren auf einen grell beleuchteten Kasten auf der Bühne, in dem ein Chamäleon zwischen Artaud und Hitler hinundherflackert. Martin Wuttke, so heisst das Chamäleon, das eine Stunde lang den großen Saal des BE beherrscht, erwächst im brechtschen Wechsel zwischen gegensätzlichen Figuren zum Giganten im hellgrünen Hemd.
Anschließend treibt uns ekelhafter Schneeregen in die Kantine des BE, wo es Bockwürste, Bratkartoffeln und Glühwein gibt. Das Lokal ist angenehm leer. Am Nachbartisch, gleich neben dem Eingang, reden ein paar Schauspieler; unter anderem sitzt auch Irm Herrmann dort.
Ein kleiner Mann in einem schäbig aussehenden langen Mantel, unrasiert, mit löchriger Wollmütze steht plötzlich im Raum. In der Hand hält er eine große Hertie-Tüte, so groß, wie sie für eingekaufte Mäntel und Bettdecken verwendet werden. Der kleine Mann wirkt etwas verloren und blickt unsicher umher. Was will denn der Penner hier, fragen wir uns und denken, daß der sicher gleich rausgeschmissen wird. Der Mann redet kurz mit der Bedienung, wird vom Schauspielertisch bemerkt und freudig begrüßt. Er stellt die Hertie-Tüte auf den Boden, setzt sich und bekommt eine Flasche Rotwein. Als er seine Mütze abnimmt, ist es bloß Martin Wuttke.


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