Eine der letzten Zuckungen des deutschen Komödienbooms mit der unvermeidlichen Katja Riemann war der Film 'Stadtgespräch'.
Ein befreundeter Filmjournalist nahm mich mit zur Premierenfeier in einem Münchner Großkino. Alles war so , wie ich mir einen solchen Münchner Schickeriaevent vorgestellt hatte. Katja Riemann sprühte vor aggressiver Kumpelei, dabei nie die Diva in sich vergessend. Mooshammer streckte seine als Schoßhündchen verkleidete Ratte in jede erreichbare Kamera. Büffet, Champagner, langbeinige Schönheiten en masse. Der Film hatte mir gar nicht so schlecht gefallen, jedenfalls hatte es ein paar amüsante Momente gegeben. Katja Riemann verkörpert darin eine Radiomoderatorin, die sich in einen blendend aussehenden Zahnarzt (August Zirner) verliebt, der wiederum von ihrem schwulen Freund (Kai Wiesinger) angebaggert wird, wodurch sich die üblichen Verwicklungen ergeben. Zirner spielt ja immer diese eleganten, seriösen Ärzte, Rechtanwälte oder Manager von Welt: Groß, gutaussehend, perfekte graumelierte Frisur: Ein Mann, der es nicht nötig hat, die goldene Kreditkarte zu zücken, man sieht ihm den Erfolg auf zehn Meter Entfernung an. Dennoch immer mit jenem besorgen, leicht gestreßten Blick, als käme er gerade aus einer Vorstandssitzung, auf der man leider wieder die Entlassung von weltweit zwanzigtausend Mitarbeitern hatte beschließen müssen.
Als der Abend schon recht weit fortgeschritten war, ging ich hinaus auf die Straße, um etwas frische Luft zu schnappen.
Zwei, drei ins Gespräch vertiefte Grüppchen standen dort und ein einzelner Mann. Er war klein, unauffällig, hatte nicht sehr dichtes, nur ansatzweise ergrautes Haar und sah ungefähr aus wie der durchschnittliche sympathische, etwas angejahrte Altbau-WG-Bewohner. Jeans, irgendein Pulli und irgendeine Jacke. Wir standen eine Weile nebeneinander und rauchten.
Eine Stunde später, als mein Bekannter und ich nochmal die Hauptdarsteller des Films durchgingen, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Irgenwann, als wir schon gehen wollten, tauchte er dann noch kurz am leergefressenen Buffet auf.
Am nächsten Tag las ich in einer Münchner Zeitung, August Zirner sei zur Premierenfeier seines eigenen Filmes nicht eingelassen worden, man habe ihn an der Tür nicht erkannt und er hätte sich auch nicht ausweisen können.
(Beitrag wurde von Ignaz Wrobel am 26.08.2001 um 22:13 Uhr bearbeitet.)


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