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Thema: Lichter

  1. #1
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    3

    Lichter

    Jetzt hab ich auch mal einen Prominenten getroffen.
    Diesen März war man ja froh um die ersten paar Sonnenstrahlen, nach dem Frostwinter.
    Und ich persönlich war ganz besonders froh, nachdem ich eine Nacht draußen verbracht hatte, wie es dann endlich allmählich hinaufdämmerte.
    Und natürlich, auch wenn es dann ein Tag mit strahlend blauem Himmel wurde, hast du ganz früh morgens doch noch etwas die Wolken gespürt, die das Dämmerlicht erst an einigen Stellen durchgelassen haben. Weil wenn du in Konstanz vor dem Konzil stehst und auf den See schaust, schaust du direkt nach Osten, gedämmert hat es aber mehr im Nordosten. Jetzt hatte ich also im Osten und Nordosten, quasi Bayern, Asien im weitesten Sinne, einen heller werdenden blauen Himmel, und hinter mir, Frankreich, Atlantik, war es noch stockfinster. Dazwischen gab es eine Zone in dunklem Violett, besonders im Süden, wo noch der Mond in halber Höhe am Himmel hing, also Kreuzlingen, Alpen.

    Jetzt, wo ich schonmal in größeren Dimensionen gedacht habe, bin ich noch einen Schritt weiter gegangen, und habe Versucht, mir meinen Standpunkt im Sonnensystem zwischen Sonne und Mond mit Umlaufbahn und Erddrehung und allem genau vorzustellen. Und so etwas ist natürlich ungesund, man soll nicht versuchen in zu großen Dimensionen zu denken, weil, es führt zu nichts. Und der Mensch ist so gebaut, dass er das sieht, was für ihn wichtig ist, also zum Beispiel das Raubtier, das dich vielleicht fressen will, oder das Auto, das dich vielleicht überfahren will. Aber Umlaufbahnen, Sonnensysteme und Atomkerne, da hat der Mensch kein Organ dafür, da soll man nicht zu sehr darüber grübeln, man wird nur melancholisch.

    Aber alles, was für ihn wichtig ist, sieht der Mensch vielleicht doch nicht, weil wenn ich in den Kopf von der Yvonne hätte reinschauen können, hätte ich wahrscheinlich nicht die ganze Nacht draußen verbringen müssen.
    Wenn man nämlich am Abend plötzlich aus Konstanz weg muss und man hat kein Auto, ist das ungünstig, weil wenn du kein Schweizer bist, brauchst du mindestens 6 Stunden nach Hause, und mit dem Zug kommst du höchstens noch in sehr kalte Orte, Villingen, Rottweil, Stockach, wenn überhaupt.
    Da ist es schon günstiger, man bleibt am Bodensee und speziell in Konstanz, quasi Weltstadt. Und alles hat ja auch seine Vorteile. Jetzt kenne ich die Stadt noch besser, und ich habe auch ein ausgesprochen gutes Gespür für Temperaturen in dieser Nacht entwickelt. Weil am Anfang habe ich natürlich gedacht, die Nacht auf den See hinaus schauen ist das Beste, aber mitte März, wenn noch ein bißchen Wind geht, ist es am See einfach zu kalt. Wenn man ein bißchen rein geht in die Stadt, wird es gleich wärmer, und jede Gasse hat praktisch ihre eigene Temperatur. Und Häuser sind natürlich auch gut, besonders Glasfassaden. Da bin ich jetzt wieder bei der Sache, dass der Mensch das wahrnimmt, was für ihn wichtig ist, weil es hat mich schon erstaunt, wie ich innerhalb von wenigen Stunden derart zum Temperaturexperten geworden bin.

    Jetzt war ich also zum Sonnenaufgang schaun doch wieder am See, und wie gesagt, bei den Lichtverhältnissen hat sich einiges getan, nur die Temperaturverhältnisse haben sich so gar nicht verändern wollen.
    Deshalb bin ich dann um 7 in den McDonald's, die haben da jetzt ein neues Frühstück, und ich hab ein Schinken-Käse Croissant geholt und einen Cappuccino.
    Im Rückblick weiß ich nicht mehr so genau, was war jetzt eigentlich besser, das McCroissant oder der Kartoffelbrei mit Leberwurst von dem Fernsehkoch am Abend.

    Ich bin dann nämlich nicht heimgefahren, weil, jetzt war ich eh schon unterwegs und woanders kenne ich immer noch mehr Leute als da wo ich jetzt wohne. So hab ich dann noch zufällig die Rose getroffen. Die hat mich nämlich dann am Abend zu der Show mitgenommen. Weil ihr neuer Freund war in der Stadt und der hat bei der Show mitgearbeitet, und der wollte dann auch gern Bekannte von der Rose mit einladen.
    Da war was mit Sushi im Titel, das weiß ich.
    Aber der Fernsehkoch hat jetzt kein Sushi gekocht, sondern nur erzählt, dass er gar kein Sushi mag. Beim Sushi wird ja auch nicht viel gekocht, das hat er ganz richtig erzählt. Dann hat er aber doch noch sein eigenes Sushi gemacht, jetzt pass auf, das waren Fischstäbchen. Natürlich riesen Lacher.
    Weil, das war schon ein richtiger Saal, wo der gekocht hat, und voll war es, über 1000 Leute bestimmt.
    Dann sollte einer in der ersten Reihe die Fischstäbchen essen oder verteilen, der Koch hat ihn erstmal gefragt wie er heißt. Und wie hieß er? Genau wie ich! Und Brenton ist jetzt wirklich kein so häufiger Name hier.
    Der Brenton vorne wollte aber nichts von den Fischstäbchen essen, jetzt hast du den immer groß auf den Leinwänden gesehen, von oben, mit dem Teller mit den Fischstäbchen drauf in der Hand. Sonst hat man immer in die zwei Kochtöpfe von dem Koch reinschauen können, auf den Leinwänden. Dann hat er aber erstmal nichts mehr gekocht, und jetzt ist es natürlich schwierig, mit dem Gedächtnis, was er dann alles erzählt hat.

    Aber vor der Pause hat er dann doch noch was gekocht, und zwar den Kartoffelbrei mit der Leberwurst. Also er hat ja zwei Töpfe gehabt, und in dem einen hat er Kartoffelbrei mit Leberwurst gemacht, in dem anderen Kartoffelbrei mit Pesto. Und immer mit viel Sahne. Das war nämlich auch so ein Witz von dem Koch, der hat schon viel Butter und Sahne reingetan, dass die Leute schon ganz rollig geworden sind, und "Oh" und "Ah" und dann hat er nach einer Weile gleich nochmal das Doppelte an Sahne hinterher geschüttet. Was glaubst du was da dann los war!
    Kurz vor der Pause ist dann noch ein älteres Paar rausgegangen, das hat man ganz gut sehen können, weil Ausgänge gab es auch vorne. Da war der Fernsehkoch aber ganz auf Zack und hat gleich reagiert, und noch was von seinen Fischstäbchen angeboten, aber trotzdem sind die raus.
    In der Pause durfte ich dann mit der Rosi mit in den Backstage. Und in dem Raum von der Crew waren auch schon die zwei Töpfe mit Kartoffelbrei, da mussten wir natürlich unbedingt probieren. Und schau, wenn mir einer bei Sonnenaufgang gesagt hätte, ich würde am Abend den Kartoffelbrei von dem berühmten Fernsehkoch essen, das hätte ich dem nie geglaubt. Also hab ich mir jetzt gedacht, das hat auch wieder sein Gutes gehabt, dass mich die Yvonne plötzlich nicht mehr in der Wohnung haben wollte, sonst wer ich nämlich nie zu dem Kartoffelbrei gekommen.

    Das war aber noch nicht alles. Nach dem Brei sind wir dann in so eine Art Konferenzraum, da war die ganze Crew, und dann kam der Fernsehkoch persönlich, aber der sah plötzlich ganz anders aus. Vorher hat er sein weißes Kochkostüm angehabt, und jetzt knallbunt, lila, blau, gelb, da war der Himmel vom Morgen in Konstanz nichts dagegen. Und so einen fröhlichen Menschen wie den Fernsehkoch, den triffst du heute selten. Der hat alle von der Crew gekannt, und dann sofort gefragt wer die Rose und ich sind. Und dann Händeschütteln, und ich hab gesagt: "Hallo, ich bin Brenton". Und dann hat der Fernsehkoch in seiner sympathischen Art gelacht und ungefähr gesagt "Meine Güte. Noch einer. Mensch, so ein Arschloch, dieser Brenton da vorne, aber die Nummer mit dem zieh ich durch."
    Weil, man hat es dem fröhlichen Koch nicht gleich angemerkt, aber ein bißchen besorgt war der schon, wegen dem Brenton in der ersten Reihe, der so stur die Fischstäbchen nicht angerührt hat, und weil die Leute nicht so viel gelacht haben, und wegen dem Paar, das rausgegangen ist. Da muss ich sagen, war er vielleicht ein bißchen empfindlich, weil vielleicht sind die gar nicht rausgegangen weil es ihnen nicht gefallen hat, vielleicht ist denen einfach schlecht gewesen, was Falsches gegessen oder was weiß ich.
    Aber der hat auch allgemein wegen den Leuten in der Gegend Sorgen gehabt, einfach nicht so viel Humor. Und das kann ich schon verstehen, weil man sagt ja, rheinländische Frohnatur, und da war der Koch quasi der Prototyp. Und die Leute hier jetzt eben nicht rheinländisch und nicht Frohnatur. Aber da hat er schon Hoffnung gehabt wegen seinem neuen Kostüm und dem Motorrad, das wäre sonst auch immer ein Knaller. Jetzt war ich schon gespannt wegen dem Motorrad, aber vorher gab es noch ein Glas Sekt für jeden, auch für mich, und alle haben sich im Kreis aufgestellt und dann hat der Fernsehkoch angefangen zu singen und alle haben dann mitgesungen, nur ich nicht weil ich wusste ja den Text nicht, und die Rose auch nicht:
    "Horch was kommt von draußen rein! Ja das muss der Lichter sein!"

    Also das war so eine Art Ritual für die zweite Hälfte. Und was soll ich sagen, es hat geholfen, ob es jetzt am Singen lag, am neuen bunten Kostüm, am Motorrad, mit dem er dann mitten auf die Bühne gefahren ist, oder am Sekt, den die Leute draußen getrunken haben. Auf jeden Fall riesen Stimmung.
    Jetzt hat der berühmte Koch nämlich ein bißchen eine Zeitreise gemacht, in die eigene Jugend. Deswegen das Motorrad und das Kostüm und alles, 70er Jahre.
    Also Reise in die Vergangenheit, wie in "Apocalypse Now" oder "Zurück in die Zukunft 1", das ist vielleicht ein besseres Beispiel.
    Dann hat er eine lange Geschichte erzählt, wie er als junger Mann mal in so ein nobles Restaurant gegangen ist, und sich dann über die Weinkarte gewundert hat, und das Dekantieren und die kleinen Portionen und die Preise dann erst. wobei ich sagen muss, das hätte man vielleicht auch als junger Motorradfahrer in den 70ern schon wissen können, wie es in so einem Restaurant zugeht. Aber Jugend, natürlich auch immer Mädchen, da hat er noch viel von lecker Pfirsich-Föttche erzählt, die damals neben ihm lagen, und da hat er, finde ich, als Koch auch prima die Verbindung vom Kulinarischen mit dem Erotischen hinbekommen. Und zwischendurch noch ein paar Kommentare zum Brenton in der ersten Reihe, warum die Frau neben ihm so unglücklich aussieht, ob's da sexuell nicht mehr so läuft, also nur so ein paar Andeutungen hat er gemacht. Und das Ehepaar, das schon gegangen ist, musste wohl rechtzeitig zurück ins Heim, auch ziemlicher Lacher, natürlich.
    Und am Ende dann nochmal die Sahne: Weil jetzt hat er eine Gurkensuppe gemacht, und da hat er erst ein Kilo Salz in den riesen Topf geschüttet, und dann natürlich noch die 10-Liter Kannen mit Sahne gehabt, das war schon ein Fest, muss ich sagen.
    Die Sahne konnten am Ende alle draußen probieren, aber da hattest du fast keine Chance, so ein riesen Andrang war da.
    Und, vielleicht lag es an dem Croissant vom McDonald's am Morgen, oder an der Schachtel Zigaretten die ich die Nacht draußen komplett geraucht habe, obwohl ich sonst fast nie rauche, aber mir war jetzt ein bißchen schlecht und ich hatte gar nicht soviel Lust auf die Sahnesuppe.

    Danach haben wir noch einen anderen Freund von der Rose besucht, einen Maler, ein Chinese.
    Übrigens die Rose selbst ist auch Chinesin. Warum alle Rose sagen, das weiß ich gar nicht, ich glaube das hat sie sich selbst ausgesucht. Und ob sie überhaupt alles verstanden hat, was der Fernsehkoch in seiner Show erzählt hat, das weiß ich auch nicht. Auf jeden Fall, der Maler hat im 4. Stock gewohnt, und als wir oben waren hat er was komisches gesagt, das weiß ich aber noch genau: "Jetzt seid ihr extra die Himmelsleiter raufgekommen."
    Da haben wir noch das Bild angeschaut, das er gerade gemalt hat, da waren im Hintergrund lauter Katzen, aber so ein bißchen wie Gustav Klimt sahen die aus, kennst du vielleicht, den Maler. Und in der Mitte groß eine Frau, die sah eigentlich ganz nach Playboy aus.
    Mit dem Maler haben wir dann noch ein Bier getrunken, und dann hatte ich wieder ein großes Glück, weil die Rose war gerade am Umziehen, und ich konnte in ihrer neuen Wohnung schlafen, weil sie war eh noch in der alten. Die neue Wohnung war in einem riesigen Wohnblock mit nummerierten Appartements, und ich hab ewig gesucht, weil bei der Rose natürlich noch kein Name stand, und die Nummern so ganz klein über den Türen, das hat zehn Minuten gedauert bis ich die überhaupt entdeckt habe. Draußen auf dem Gang war es auch stockfinster.

  2. #2

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    Lassen Sie den Wolf-Haas-Roman fallen und kicken ihn mit dem Fuß von sich weg! Hände im Nacken falten! Und hinlegen! Alles ganz langsam! Wir kriegen das schon wieder hin, Sie werden sehen.
    es sllte Tastatrrengngsvegel geben

  3. #3

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    ...
    Geändert von Kalfater (16.11.2010 um 13:31 Uhr)

  4. #4

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    Ich hab's nicht gelesen, aber in der Überschrift steht Lichter. Wenn es sich nicht um Irrlichter, Fernlichter oder Teelichter handelt, könnte es der Dingenskoch sein.

  5. #5
    Member Avatar von rapsak
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    So sieht der hier beschriebene Semi-Promi übrigens ohne Wurstenden bzw. mit Robbenschnautzer aus. Er kann sich sicher sein, dass ihn so kein Schwein wiedererkennt.
    solvitur ambulando

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