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Thema: Beatrix, Königin der Niederlanden

  1. #1
    Moderater Avatar von Tobi Wahn
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    Beatrix, Königin der Niederlanden

    Was der Koninginnedag in den Niederlanden ist, war mir bis zum vergangenen Donnerstag nicht bewusst. Die Hauptstadt beginnt sich schon ab dem frühen Morgen mit Menschenmassen zu füllen, nur eine verschwindend geringe Minderheit trägt nichts orangefarbenes.
    Die Sonne scheint, es riecht nach Grillfleisch, Pommesfett und Bier. Den Sixpack Heineken gibt's alle zwei Meter für 10 Euro. Kein Auto, keine Straßenbahn, kein Bus ist auf den Straßen, stattdessen kilometerlange Fressstände und Tische voller Mützen, Shirts und Sonnenbrillen.
    Um zehn ist die Stadt dicht. Ein Meer aus Orange geschmückten Feiernden, Tröten blasend, saufend, ausgelassen feiernd. Durch die Grachten knattert alles was schwimmen kann, jedes Boot voll beladen mit noch mehr Menschen, mehr Bier und dicken Boxen. Die größeren Boote haben eigene DJs, die ihren Gästen und allen drumherum House um die Ohren ballern.
    700.000 Leute schieben sich lachend durch die Straßen.

    In einem Fahrradanhänger mitten im Getümmel sitzt ein ausgesprochen gelassener Schäferhund mit einem Schild um den Hals auf dem "Knuffel en Duitsen (Gratis)" steht. Für drei Euro kann man eine Palette Eier kaufen und damit auf Jungs mit Taucherbrillen werfen, die hinter einer Wand stehen, die Köpfe durch Löcher gesteckt. Achtjährige fordern zum Hoola-Hoop-Duell auf: Wer den Reifen länger als sie schwingen kann verdoppelt seinen Einsatz und gewinnt somit zwei Euro. Auf dem Bungee-Kran steht einer, der sich schon seit einer viertel Stunde nicht zu springen traut. Die Menge schreit "Du packst es!" statt "Spring doch, Feigling!"

    Am Spätnachmittag verändert sich schleichend die Stimmung. In den Nebenstraßen spricht sich die Nachricht nur langsam herum. Ich wundere mich nichts ahnend über Händler, die um diese Zeit schon beginnen, ihre Stände abzubauen. Die Musik auf den Booten wird ausgestellt, zehntausende Menschen strömen wie verabredet Richtung Hauptbahnhof, nur die Besoffenen und als Holländer verkleideten Touristen grölen, singen und kicken den Müll der Straße vor sich her. Und dann merke auch ich, dass definitiv etwas nicht mehr stimmt. Die grellen Anzeigetafeln auf den großen Plätzen zeigen simultan und immer wieder einen Text: "Uit respect voor de Slachtoffers in Apeldoorn …“ bitten wir Euch, nach Hause zu gehen.

    In der Lobby des Hotels läuft der Fernseher: Der schwarze Wagen, wie er an das Denkmal knallt, aus dem Weg springende Passanten, die Prinzessinnen, die sich auf dem Dach des offenen Busses schockiert die Hand vor den Mund halten, ein Mädchen mit blau-weiß-roten Luftschlangen am Ende der Zöpfe weint.
    Danach die Königin.
    Ihre Ansprache beginnt mit einem tiefen, traurigen Seufzer.

  2. #2
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    ...
    Geändert von Saposcat (04.12.2010 um 08:01 Uhr)

  3. #3
    Nomember Avatar von maki
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    Ich hingegen kann mir das aus der Erfahrung von zwei Koninginnendagen heraus sehr gut vorstellen. Ok, "Erfahrung" ist vielleicht im apeldoornschen Kontext eine pietätlose Wortwahl. Jedenfalls war damals nachweislich von 700.001 Sich-durch-Straßen-Schiebern nur ein einziger schlecht gelaunt und angepisst.

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