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Thema: Heidenreich, Elke (macht ein Interview mit mir)

  1. #1
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    Heidenreich, Elke (macht ein Interview mit mir)

    Es gibt gar nicht so wenig Leute die es einmal für eine gute Idee gehalten haben, selbstverfasste Lieder am Klavier vorzutragen, durch Kneipen, Buchhandlungen und Kulturclubs zu tingeln und zu hoffen, damit so etwas wie der deutsche Randy Newman zu werden. Ich war auch mal einer davon.
    Wie man heute sehen kann, ist daraus nicht viel geworden. Die Sache war auch nicht ganz ohne Peinlichkeiten aber immerhin bin ich dadurch der Einzige in meinem Bekanntenkreis der von sich behaupten kann, einmal von Elke Heidenreich interviewt worden zu sein. Das ist doch schon mal was.

    Der Hessische Rundfunk / Hörfunk hatte vor fast zwanzig Jahren eine Reihe die hieß ‚KannIch Live – Eine Sendung mit Stars und solchen, die es werden wollen’.
    Vor allem von ‚solchen’ waren immer viele da.
    Es wurde Live vor Publikum gesendet. Moderatoren waren Hanno Heidrich und eine Zeit lang eben auch Elke Heidenreich, die schon damals eine ziemliche Berühmtheit war.
    In den Sendesaal des Hessischen Rundfunks war nun also auch ich mit meinem ‚frechen, satirischen Soloprogramm’ eingeladen.
    Ich kam pünktlich am Nachmittag dort an und mir war überhaupt nicht ‚frech’ oder satirisch’ zumute, sondern nur mulmig. Die anderen Gäste waren offenbar genauso unbekannt und unbeholfen wie ich.

    Zunächst einmal wurde geprobt, auf dass Sound usw. auf das Professionellste eingestellt würden. Wer da gerade nichts zu tun hatte, lungerte herum und hörte zu.
    Es gab außer mir noch ein paar Musikgruppen, an die ich keine Erinnerung habe außer dem Neid, dass die nicht alleine herumsitzen mussten. Dann eine Schriftstellerin, mit unaussprechlichem afghanischen oder persischen Namen und einem Gesicht, welches klar signalisierte, dass das Kirschenessen auch heute woanders stattfindet.
    Dann noch die Komiker, zu denen auch ich irgendwie gerechnet wurde.

    Comedy sollte hernach in Siebenmeilenstiefeln das Land erobern, damals aber hatte das Genre noch nicht mal die Kinderschuhe über. Man war halt Kabarettist, Satiriker oder eben Komiker oder irgendeine Mischung davon.

    Der Hesse Martin Schneider (‚De Maddin’) war da, der damals noch Theologie studierte anstatt im Privatfernsehen die Zähne zu blecken. Ein freundlicher und bescheidener junger Mann, der mir heute immer ein wenig Leid tut, wenn ich ihn im Fernsehen mit diesem Hessenmaul herumkaspern sehe.
    Dann jemand, der Kalle Pohl hieß und schon damals irgendwie wie ein Profi agieren konnte, ohne dabei lustig zu sein und das bis heute bei ‚Sieben Tage sieben Köpfe’ u.ä. durchhält. Er sang ein Lied mit dem Titel ‚Rettet die Currywurst’, so eine Art Anklage oder Zeitsatire gegen McDonalds usw. Das Ganze auf Kölsch oder im Ruhrpottslang oder so was, mit Refrain zum mitsingen.
    Jedenfalls war die Moderatorin Elke (so durften wir sie nennen) schon bei der Probe von dem Mann begeistert.
    Die also sollten alle vor mir auftreten.

    Das konnte dauern.

    Proben mussten wir alle. Die ganzen Leute mit Instrumenten usw., Schneider, Pohl, Bange und auch die arabische oder iranische Autorin mit den schlechten Kirschen.
    Und mir war auch nicht gut.

    Als ich dann endlich an der Reihe war und gerade am Klavier Probe saß, ertönte die Stimme von Else Strathmann, bzw. Elke Heidenreich von irgendwo aus dem Zuschauerraum: „Schluss, aus! Wer hat denn den Mann da hingesetzt? Das ist doch unmöglich!“
    Es war in dieser Situation – obwohl ja nur Probe! - kaum sinnvoll, sich einreden zu wollen, sie habe jemand anderen gemeint.
    ‚Ja! Es hat ja so kommen müssen! Dich meint sie, dich und deine hingerotzten, mediokren Songs, du armer Irrer. Was hat dich geritten, jemals diese Halle zu betreten und vor diesem Drachen in die Tasten greifen zu wollen. Hier kommt der gerechte Blitz der dich vernichten wird, nimm’s hin in Demut.’
    Dann stand sie vor mir, kerzengerade und unbarmherzig und sagte: „So kann dich doch hier niemand sehen, wir müssen dich woanders hinsetzen.“
    Ach so.

    Gottseidank gab es noch den damals noch nicht so bekannten hessischen Mundartkomiker Rainer Bange. Einer der freundlichsten Menschen, die mir in dieser Zeit über den Weg gelaufen sind.
    Nach den Proben, war noch so viel Zeit, dass Rainer Bange und ich in ein nahe gelegenes Cafe gehen konnten um unsere Wunden zu lecken. Es hatte sich nämlich herausgestellt, dass er mindestens so nervös und aufgekratzt war wie ich. So kann man sich täuschen.
    Immerhin war der Mann damals schon ein gutes Stück über 60 und im Begriff seinen Beruf als Architekt an den Nagel zu hängen. Schon als Schüler habe er sich gewünscht, als Komiker auf der Bühne die Leute zum Lachen zu bringen, habe Theo Lingen und andere Schauspieler imitiert und auch in den Jahrzehnten seines Berufslebens nie aufgehört davon zu träumen, einmal vor Publikum stehen und Späße machen.
    Das hat er in den folgenden Jahren mit viel Erfolg getan.

    Dann ging es schließlich los mit der Live-Sendung.

    Das Ganze rauschte ziemlich flott an mir vorbei und aus dem Gewusel ist mir nur noch folgendes in Erinnerung:

    Die Combos spielten Unverfängliches im Combostil, Kalle Pohl sang ‚rettet die Currywurst’, die kurdische Schriftstellerin litt publikumswirksam und auf aramäisch und/oder unter schlechten Kirschen und Martin Schneider sagte ungefähr acht Mal ‚Aschebeschä’.
    Der Einzige, der an diesem Abend wirklich witzig war, war Rainer Bange, der seine Familie Kleinschmidt zum ersten Mal im Radio vorstellte und sich vor lauter Nervosität ständig verhaspelte.
    Irgendwann dazwischen hatte auch ich meinen Auftritt. Ich spielte ein Lied über Bad Homburg, in dem die Zeilen „wir lassen uns durch die Strassen treiben und lallen gedankenschwer, und wenn wir uns vom Kirchturm stürzen, fallen wir vielleicht aus Versehn auf `nen Millionär“ vorkommen. In dem Stil ging es weiter.
    Die anderen Songs weiß ich nicht mehr.
    Das Publikum reagierte mit freundlicher Zurückhaltung.
    Es war fürchterlich.
    Dann kam Elke Heidenreich und hatte ein Mikrofon in der Hand.
    Dass es ziemlich schlimm werden würde hatte ich vorher schon geahnt, aber dass es SO werden würde war dann doch neu.

    Du machst ja ziemlich ungewöhnliche Texte, wie fällt Dir so etwas ein?
    Aussetzer, Blindheit, totale Leere.
    ‚Die Wolken Deiner Blödheit kriechen wie ein Schmetterling durch die Abwässer meiner Seele’, was willst Du mit diesem Titel aussagen. Ist das einfach nur Nonsense?
    Schwindel, bleierne Taubheit, das Gefühl, nicht mehr dazu zu gehören.
    Du arbeitest ja in einem völlig anderem Beruf als das, was wir hier erlebt haben. Willst Du nicht irgendwann wechseln? Zum Beispiel Journalist werden?’
    Aufkeimender Zorn, Wortfindungsstörungen, autoaggressive Impulse, Lähmung des zentralen Nervensystems
    Aber Elke lässt nicht locker.
    ‚Guck mal die Tante hier an (meint sich selbst), die hat’s im Rundfunk doch auch zu was gebracht Wäre das nicht auch was für Dich.’
    Panik, Resignation, Lust zu schreien: Wir werden alle sterben!

    Ganz ehrlich: Ich weiß noch, was Frau Heidenreich gefragt hat. Aber ich weiß nicht mehr, was ich geantwortet habe. Das ist weg. Wie nie gesagt.

    Es gibt eine Kassettenaufnahme von dieser Radiosendung. Die habe ich aber nie gehört. Ich habe die Sache so ungefähr in Erinnerung behalten und manchmal daran gelitten.
    Ich habe das noch nie so erzählt, obwohl es schon so viele Jahre her und mir eigentlich auch nicht mehr peinlich ist. Eher gleichgültig.
    Wenn ich heute Elke Heidenreich im Fernsehen sehe, umfängt mich aber sogleich wieder ein Hauch der reptilischen Kälte, die ich als Erinnerung an diese Begegnung mitgenommen habe. Das kalte Flimmern aus einer Welt wo andere sich zuhause fühlen. Manchmal weiß ich warum ich froh bin, es bis dort hin nicht geschafft zu haben.
    Geändert von seven (12.04.2007 um 13:41 Uhr)
    seven

  2. #2
    Moderater Avatar von Tobi Wahn
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    Eine tadellose Geschichte und die sinnunterstreichende Anwendung der fett- und kursiv-...äh...Anwendungen ist irgendwie ebenfalls erwähnenswert.

  3. #3
    Avatar von Alberto Balsam
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    Ohne die Fetten und Kursiven wärs eleganter, und solche Sätze wie "Die alle also sollten alle vor mir auftreten." würden noch mehr schillern

  4. #4
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    Danke, jetzt steht ein 'alle' weniger drin.
    seven

  5. #5
    Abebe Lowumbo Avatar von joq
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    ich finds sehr schön und lustig.
    More gin in teacups

  6. #6
    Avatar von Alberto Balsam
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    nein, gerade mit den 2 alle war der Satz so super wie die ganze Geschichte

  7. #7

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    Herr "seven" Hüsch, ich dachte, Sie wären längst tot?
    Freut mich, von Ihnen zu hören.
    Was hat Hagenbeck denn jüngst zugegeben?
    Mit den restlichen Kräutern garnieren.

  8. #8
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    Verzeihung, daß ich das erst ein Zeitalter später entdecke. Trotzdem möchte ich dem amphibischen Nadelgewächs gerne mitteilen, daß die Figur bei Hüsch selig Hagenbuch hieß und nicht mit Tierparks verwandt oder verschwägert war.

  9. #9

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    Da Sie jetzt so lange online auf eine Antwort warten, also bitte:
    Das ist eben Comedy mit meinen bescheidenen Mitteln.
    Mit den restlichen Kräutern garnieren.

  10. #10

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    Übrigens, was viele gar nicht wissen wollen: Auch ich war mal eine Kleinkunstgröße von fast schon regionaler Bedeutung. Anfang der achtziger (nur drei Fernsehprogramme!) war mein Vorteil, dass man zu dieser Zeit praktisch überall auftreten konnte, auf den kleinen Bühnen herrschte großer Mangel an frischer Ware. Die deutschsprachige Kleinkunst war nämlich gerade tot. Selbst die Etablierten der Szene hatten Mühe, die Reihen zu füllen. Polt zeigte uns, was bei Staplerfahrers daheim passiert (CSU gut finden), Hildebrandt fand die SPD gut und Hüsch, der seit der Waldeck sowieso durch war, trug an der Philicorda-Orgel sitzend sein autistisches Gebrabbel vor, das er von einem riesigen Stapel Papier ablas. Oft ging es dabei um Zoodirektoren oder so. Genau lässt sich das bis heute nicht entschlüsseln, neuzeitliche Quellen sehen das anders. Helmut Ruge, Hüschens Adept, dichtete vom Surfer mit der Friedenstaube auf dem Surfbrett, und die Leute waren dankbar.
    Die Welt wartete also ziemlich exakt auf mich. Meine Vision war, das damals von mir sehr geliebte Figurentheater auf das Brett'l zu bringen. Eine kleine Bühne auf einer kleinen Bühne sozusagen. Peng, war das neu!
    Da ich zufällig auch gerade frisch zwangsexmatrikuliert war, sah ich kein echtes Hindernis auf meinem Karriereweg. Handwerklich geschickt und gestalterisch nicht unbegabt wie ich bin, schuf ich in wenigen Wochen Figuren und Requisiten, zeitgleich und im Wechselspiel mit den Nummern, also dem Programm.
    Gelungen auch der Bühnenkasten, der optisch von einer zentral angeordneten, hellblauen Säule (bitte merken!) getragen wurde, die wiederum auf venezianische Art von einem roten Farbstreifen umwunden war.
    Wer die Zeit kennt, in der diese kleine Lebensbeichte spielt, den wird es nicht wundern, wie ich mein Unternehmen zwangsläufig benannte:

    "Theater am Stiel"

    Ja, aber anders ging nicht, denn auch die Bühnen hatten ihre Namen aus dem Lustige-Frisörnamen-Archiv. "Statt-Theater" hieß mein erster Auftrittsort.
    Der Name des Programms durfte hier nicht zurückstehen. Das Plakat zeigte ein blau-weiß emailliertes Schild, wie es für Straßennamen verwendet wird:

    "Fehl-am-Platz"

    Heute kann ich darüber sprechen, dem anonymen Internet sei Dank.

    In der ersten Nummer, die übrigens von 90 % aller noch lebenden Kleinkünstler und Pausenclowns plagiiert wurde, trat in seinem schlabberigen Zweireiher der Direktor auf, um die Vorstellung abzusagen. Das gesamte Ensemble sei mit dem Tourbus tödlich verunglückt, und er, der Direktor, sei nun hier und heute gezwungen, neue Künstler für sein einmaliges Programm zu finden.
    Die Figur war sehr gelungen, eine hagere, stark konturierte Gestalt mit großer Nase und großen Händen. Die damals noch revolutionären Halogenspots erzeugten eine tolle Präsenz.

    Zu den erfolgreichsten Nummern der anschließenden Revue gehörte ein Teddybärenpärchen, das in SM-Tracht aus Latex und Leder über die Vor- und Nachteile verschiedener Praktiken räsonierte und die Mangelhaftigkeit des bärenspezifischen Körperbaus in Bezug auf die Durchführbarkeit bestimmter Vereinigungsrituale beklagte.
    Dankbar angenommen wurde auch ein schlaksiger Straußenvogel aus Styroporkugeln, der überhaupt nichts sagte, sondern mit verschiedensten Mitteln versuchte, seine Darmverstopfung zu lösen, bis er endlich eine meterlange Federboa defäkierte.
    Lachen Sie nicht, kriegt man heute noch im MDR zu sehen, sowas.
    Bejubelte Hightech-Nummer vor der Pause waren zwei Zimmermannsnägel, von denen einer den anderen umwarb (Musik: Bolero von Ravel). Die Nagelfrau war starr und konnte - von mir mit dem Knie bewegt - nur abwehrende Schräghaltungen einnehmen. Im Nagelmann dagegen steckte mein Arm, so konnte er die Frau flexibel umstreicheln und umschmiegen. Der mitzählende Leser ist jetzt gespannt, denn er weiß: Einen Arm hatte ich noch frei - verfügbar für ein Meisterstück der Requisitentechnik. Als nämlich die Dame dem Werben endlich nachgab und sich innig küssen ließ, kamen beide ins Glühen (rotes Punktlicht von oben und direkt von unten) und - man glaubt es nicht - plötzlich tropfte zwischen den beiden Nagelköpfen ein flüssiger Batzen Silvesterzinn herab, der kurz darauf als Babynagel über der Bühnenkante aufstieg. Wer da nicht weinte, der wurde von seiner Freundin gar nicht mehr mit nach Hause genommen.

    Technik war überhaupt sehr viel im Einsatz. Beispiel: Die Pausenansage. Zwei weiße Handschuhe (Danke, "Schwarzes Theater" aus Prag) finden ein Stück Tonband, streiten sich darum und ziehen es zwischen den Fingern hin und her. Man hört unverständliches Wipschwapschwipsch, dann ganz tief "EeeeSuuuaaaaP" und schließlich "Pause".
    Genial bis heute.
    Schön anzusehen war eine Art Ballett von neonfarbigen Gummischnüren, die im UV-Licht leuchteten und verschiedene geometrische Figuren bildeten (von mir mit schwarzen Handschuhen geführt, siehe oben unter "Prag").

    Alles andere war ziemlicher Mist und viel zu textlastig.
    Nach den ersten Vorstellungen war klar, dass ich mehr mit den Figuren als Material arbeiten und auf den Guckkasteneffekt setzen musste.
    Den Anfangsauftritt des Direktors beispielsweise brachte ich mit weniger Text und mehr Aktion im Lauf der Zeit bis auf fast 5 Minuten Länge. Inklusive dem klemmenden Vorhang aus dem klassischen Kaspertheater und einem abwertenden Verweis auf jenes. Glaub ich heute auch nicht mehr.
    Der verstopfte und wortlose Strauß gab an guten Tagen bis zu 10 Minuten her, bis alle auf der Bühne verfügbaren Hilfsmittel, von der Dörrpflaume bis zur Schlagbohrmaschine, ausprobiert waren. Natürlich immer mit Unterstützung der Zuschauer. Wenn schließlich der Moment kam, an dem der Strauß sein Hinterteil mitsamt realistisch ausgeformtem Anus dem bohrmaschinenbestückten Helfer aus dem Publikum hinhielt, kannten die Massen kein Halten mehr.
    Ruiniert habe ich das Konzept dann, als ich mich selbst als Figur einbezog. Das Grundmotiv "zwei Welten treffen aufeinander" war zu hoch angesetzt.
    Ich war halt dumm, jung, hatte aber überraschend viel Geld verdient. 400 DM an einem Abend waren drin, das schafften selbst gute Barkeeper nicht.
    Schöne Zeiten. Und natürlich die Frauen. Frauen, Frauen, Frauen, bratfertig bis an die Bühnenkante geliefert, wenn ich das Mal so wie zu meiner Zeit ausdrücken darf.
    Und was für Frauen! Man muss wissen, dass ich damals in die Kategorie der Männer fiel, die irgendwie total lieb waren. Außerdem hatte ich noch jede Menge Haare auf dem Kopf. Warum kommen diese hauchdünnen, wild bedruckten Asia-Laden-Spaghettiträger-Kleider nicht wieder?
    Die Schließung des Theaters am Stiel erfolgte ganz unerwartet und auf Weisung von oben.
    Als es nämlich mit der schönsten aller Frauen in die feste Phase ging und sie bei der Schwangerschaftsgymnastik gefragt wurde, ob ihr Mann wohl der sei, "der wo da oiwei mit dem Kaschperlzeugs umaranand tut" stand ich wohl in verändertem Lichte.

    Der bleibende Schaden aus dieser Zeit ist, dass ich kein Verhältnis zur zeitgenössischen Kunst habe. Ich unterstelle immer den Beschiss, das Bedienen, weil ich selbst nur beschissen und bedient habe. Die armen Volontärleins, die über mein Projekt schreiben mussten, und denen irgendwann die Mappe mit den vorgehaltenen Spiegeln und den Zerrspiegeln und den Reflexionen auf das Ich hinter die Heizung gefallen war, haben mich viele Fremdwörter gelehrt, "elegisch" zum Beispiel war mir damals neu.
    Schade eigentlich, vielleicht sind der Hundertwasser und dieser Mann mit den Nagelbrettern gar nicht so schlecht, wie die anderen Puppenspieler alle sagen.
    Mit den restlichen Kräutern garnieren.

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