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Thema: Droste, Wiglaf

  1. #1
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    Droste, Wiglaf

    Fast genau ein Jahr ist´s her, da besuchte ich mit meiner besten Freundin Henni und meinem Freund Stefan eine Lesung, oder besser: ein Konzert von Wiglaf Droste und dem Spardosenterzett im "Haus der Jugend" in Osnabrück. Eine Woche zuvor hatten wir uns die Truppe bereits in Münster angesehen und waren nicht ganz befriedigt, weil das Münsteraner Publikum ist, wie es ist: Kulturbeflissen, humorlos, stinklangweilig - null Rock´n Roll. Die Stimmung hatte etwas von einem Totensonntags - Gottesdienst. Wir waren zu sechst, nach Ende der Veranstaltung ziemlich betrunken und reichlich albern, so albern, dass zumindest der weibliche Teil unseres Sextetts Drostes Aufmerksamkeit erregte. Er signierte Bücher und CDs und murmelte Lästerliches vor sich hin, zurecht. Aber lustig fand er uns wohl trotzdem, sonst hätte er nicht so nett "Tschüss" gesagt, als wir an die frische Luft torkelten.
    Von der doofen Stimmung in Münster enttäuscht, gingen wir eine Woche später einfach nochmal hin, zumindest wir drei Hardcore - Fans. Das Osnabrücker Publikum war, wie es ist: Kulturbeflissen, leicht zu begeistern, freundlich; auch lauteres Lachen war erlaubt. Es war durchaus schöner als in Münster. Nicht schöner hingegen war die Location. Das "Haus der Jugend" ist, um es gelinde zu sagen, ein Zweckbau, im Foyer kann man sitzen, es gibt eine Theke, rauchen ist erlaubt. Beste Voraussetzungen eigentlich, um nach einer Lesung oder einem Konzert noch zu bleiben. Aber wer verbringt schon gerne den weiteren Abend in der gemütlichen Atmosphäre eines katholischen Altersheims aus den siebziger Jahren? Nur Kranke, so kranke Paparazzi wie wir, die die günstigen Bierpreise nutzten, in der Hoffnung, interessante After- Show - Einblicke in Wiglaf Droste und sein Spardosenterzett zu erhalten. Die bekamen wir. Erst kam die Band, einer nach dem anderen, und dann kam Wiglaf. Er sprach ein wenig mit seinen Mitmusikern, die aber schnell verschwanden, und dann stand er mutterseelenallein mit einer Flasche Rotwein an der Theke. Er schaute zu uns herüber und lächelte sehr nett. Hätte er das nicht getan, wären wir wohl in unserer Ecke sitzengeblieben, hätten einfach nur weitergezecht und Herrn Droste beim Zechen zugeschaut. So aber kam es, wie es kommen musste: Mutti, schon mittelschwer angeheitert, sagt zu ihren Mittrinkern: Ich geh jetzt neues Bier holen und sprech den an, worauf Henni und Stefan natürlich meinten, das würde ich mich nie trauen. Derart angestachelt ging ich an die Theke, orderte Bier und fragte Wiglaf Droste, ob er Münster genauso doof fand wie wir. Droste schaute mich an, schwieg einen Moment und sagte dann, dass er sich an uns erinnern würde. Wie peinlich! Ja, wir waren da wohl sehr betrunken, sagte ich. Ja, das wart ihr wohl, grinste er, aber ansonsten habe er es in Münster eigentlich ganz nett gefunden, vor allem das Roland- Frosch- Theater, wo die Lesung stattgefunden hatte, sei sehr schön gewesen. Ja, sagte ich, das schon, aber ein Bier kostet dort vier Euro. Vier Euro! Das sind doch Preise wie im Puff! Wirklich, vier Euro?, sagte er, oh, das habe ich nicht gewusst! Diese Antwort fand ich sehr lustig, und wir unterhielten uns noch ein wenig über die Unterschiede zwischen Münster und Osnabrück und darüber, ob bestuhlte Veranstaltungen besser seien als unbestuhlte, und irgendwann kam Stefan, um sich Hennis und sein Bier abzuholen. Ich blieb, wo ich war, denn Wiglaf machte mehr als deutlich, dass seine Abendplanung nicht daraus bestanden hatte, ganz alleine zu saufen und dass er froh war, eine Gesprächspartnerin am Brett dieser trostlosen Stätte gefunden zu haben. Irgendwann schien sich in seinem Riesenschädel ein Plan breitgemacht zu haben, denn ich wollte mir gerade ein weiteres Bier bestellen, da schaut er mir tief in die Augen und sagt: Wie heisst Du eigentlich? Simone, sach ich. Simone, trinkst du eigentlich nur Bier oder auch Champagner? Äääh, ja, äh, wenn du schon so fragst............Während ich noch rumstotterte, zog Wiglaf aus einer gigantischen Reisetasche eine in Alufolie eingewickelte Flasche Schampus, orderte zwei Gläser und schenkte ein. Ich schaute über meine Schulter und merkte, dass die Augen meines Freundes ein wenig aufmerksamer schauten als zuvor und fing an, auf die mehr als nur ein paar Biere diese lauwarme Blubberbrause in mich hineinzuschütten. Wiglaf trank nur einen Schluck und blieb ansonsten bei Wein, ließ es sich aber nicht nehmen, ununterbrochen mein Glas wieder voll zu machen. Ein klitzekleines bisschen kam mir der Gedanke, in diesem Moment von keinem geringeren als von Wiglaf Droste nach allen Regeln der Kunst abgefüllt zu werden. Wiglaf selber wurde allerdings auch nicht nüchterner und fing an, über einen Kollegen, dessen Namen zu nennen mir die Höflichkeit und Diskretion allerdings verbietet, zu pöbeln, hier nur ein kurzes Zitat aus der Schimpftirade: " Er ist ein Arschloch und der größte Geizhals, den ich kenne. Außerdem schreibt er doch eh immer nur das gleiche!" Stefan und Henni wurde es nun doch wohl ein wenig zu langweilig, und vor allem Stefan wollte sich jetzt endlich mal einmischen in dieses traute Zweiergesaufe zwischen seiner Freundin und Wiglaf Droste, also kamen auch sie an die Theke. Der weitere Abend erschließt sich mir nur noch in Facetten; ich weiß noch, dass Wiglaf und Stefan lautstark gesungen haben, dass Wiglaf uns mehrfach fragte, ob wir nicht mitkommen wollten ins Hotel zum weitersaufen, und dass wir ihn dann zu seinem Hotel gebracht haben, weil er nicht mehr wusste, wie man zu Fuß dort hingelangt. Außerdem soll ich Wiglaf mehrfach angeboten haben, seine Tasche zu tragen, was er natürlich abgelehnt hat, aber das ordne ich unter "üble Nachrede" hämischer Freunde ein. Sollte ich dies allerdings wirklich getan haben, so will ich mich dafür bis tief in meine nächsten Leben hinein schämen, schämen und nochmals schämen.
    Ins Hotel sind wir - Gott sei Dank! - nicht mehr gegangen; Meister Droste war einfach hinüber. Ich auch, denn den letzten Rest aus seiner Rotweinpulle haben Henni und ich natürlich nicht verkommen lassen, und die Mischung aus Bier, Schampus und dem Wein hat meinem Magen befohlen, sich einmal ordentlich umzustülpen. Das hat Wiglaf aber nicht mehr erleben dürfen, da hat er wohl schon friedlich geschnarcht in seinem Zimmer im schönen Osnabrücker Domhotel.
    Nun wüsst´ich nur noch gerne, ob Wiglaf diese kleine Party ebenfalls wenigstens ein bisschen peinlich ist - ich glaub, dann fühlte ich mich besser! Sollte ich das jemals herausfinden, sage ich gerne Bescheid - falls das überhaupt jemanden interessiert.

  2. #2
    Abebe Lowumbo Avatar von joq
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    Hm.
    More gin in teacups

  3. #3
    Abebe Lowumbo Avatar von joq
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    Also, sagen wir so, es sind ein paar Halb-Indiskretionen drin, die ich als glühender Indiskretionsverehrer natürlich verschlungen habe. Ansonsten riecht mir das zu sehr nach Münster und Osnabrück. Sehr zu sehr.
    More gin in teacups

  4. #4
    Avatar von Herr Genista
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    Am meisten interessiert mich schlechten Menschen natürlich der Name des schlechtgeredeten Kollegen, aber sowas fragt man ja nun nicht, sondern wartet, bis jemand anders fragt, und hört dann unauffällig mit. Da muss ich wohl noch warten.
    Zeterum zenseo.

  5. #5

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    Gernhardt, wer sonst?

  6. #6
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    Wildes Rumspekulieren ist was Feines, aber bitte mit Begründung, sonst macht das doch keinen Spaß!!!

  7. #7
    Moderater Avatar von Murmel
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    "Er ist ein Arschloch und der größte Geizhals, den ich kenne. Außerdem schreibt er doch eh immer nur das gleiche."

    Sag ich mal so. Aber ich kenne ihn nicht. Im Gegensatz zu Stimmen.

  8. #8

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    Das ist auch nicht meine Meinung. Aber Drostes halt.

  9. #9
    Moderator Avatar von DonDahlmann
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    Müßte man Cäsar fragen. Ich tippe auf Goldt, Max. Müßte man Auge fragen.

  10. #10
    Moderater Avatar von Murmel
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    Oder es ist jockel.

  11. #11
    Moderater Avatar von Murmel
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    Dann müsste ich dem Droste aber mal, also, das lasse ich nicht auf jockel sitzen.

  12. #12
    Embedded Senator Avatar von DerCaptain
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    Tippe auch auf Goldt.

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