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Thema: Was, Don (What was was)

  1. #1
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    What was was

    What was was
    I.
    Es war früher Nachmittag, als wir bei der Adresse in Haight Ashbury ankamen. Ein geducktes Haus. Nebenan Hippygeschäfte mit Kifferbedarf und Greatful Dead T-Shirts und hin und wieder knatterten auch tätowierte Rockeropas auf Apehangern durch die Gegend. Durch die Gegensprechanlage schickte uns eine Frauenstimme in den ersten Stock.
    Die Tür stand offen und der hypnotische Sound von Massive Attack, der angesagten Scheibe im Sommer 1991, mischte sich mit TV-Gequake und einem "Come in!". Am Herd stand eine Enddreißigerin im Seidenkimono, der den Blick auf ihr uppiges Dekoltee freigab.
    - Wir sind die Jungs aus Germany, die wegen dem Auto angerufen haben, der Celica.
    - Just a moment, guys.
    In der Glotze kochte ein asiatisches Muttchen was vor und Jenny – so hieß die Frau am Herd – versuchte parallel dazu etwas in ihrem Wok zu zaubern. Wir machten es uns auf Sitzkissen bequem und übten Smalltalk.
    Schon seit vier Tagen waren wir in San Francisco auf der Suche nach einem billigen und trotzdem coolen Auto. Eigentlich hatte ich einen guten Deal eingefädelt. Meinen geliebten Lancia Fulvia hatte ich schweren Herzens einer Fickfreundin in Berlin überlassen. Dafür - so der Plan – sollte in San Francisco ein Chevy Pick Up auf mich warten. Die Karre war natürlich nicht da und alles rumtelefonieren half nichts.
    Also machten Stefan und ich das, was in Berlin eh unser Hobby an verkorksten Wochenenden war: den Automarkt lesen, Preise checken, Verabredungen treffen, Kisten gucken, rumschwallen, Probefahren.
    Eigentlich die beste Art eine Stadt kennenzulernen.
    Jenny hatte sich was angezogen und führte uns in die Garage. Da stand dieser geduckte Zweitürer in vergammelten Metallic-Blau. Stefan ist ein lebendes Autoquartett. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, mir einen Japaner anzuschauen und dafür durch die halbe Stadt zu fahren. Der Toyota Celica der 80er Baureihe aber ist so was wie eine verspätete Antwort des fernen Ostens auf den Ford Capri oder den Opel Manta der frühen Baujahre. Ein scharfes Teil, dezent verspoilert, mit lässigen Schmutzfängern verziert und als Krönung des optischen Tunings sorgen schwarze Plastiklamellen auf der langgezogenen Heckscheibe für den nötigen Abtrieb.
    "n.w." hieß es in der Anzeige und das steht für "needs work".
    - Man könnte die Kiste strippen und die Stoßstangen wegbauen.
    - Erst mal muß sie laufen.
    Jenny erklärte uns, dass mit ihrem Schatzi irgend etwas nicht in Ordnung sei. Ob das damit zusammenhängen könnte, dass das Auto ein knappes Jahr rumstand? Als sie’s jetzt mal starten wollte, sprang es einfach nicht an. Früher lief es immer super, nie Probleme. Die Möhre gehört übrigens ihrem Ex.
    Ich bin wirklich kein Macho-Arsch. Aber es ist generell ein Glücksfall, ein Auto von einer Frau zu kaufen, wenn es dann noch das Auto des Ex ist, bad vibrations und so, gepaart mit kompletten Unverständniss für technische Grundlagen – tja, dann ist das einfach Schwein.

    II.
    Garry hieß die coole Sau, bei der wir uns in San Francisco einquartiert hatten. Stefan schleppte ihn eines Abends in unsere Berliner Bude: leicht übergewichtig, verfusselt, zugekifft und völlig sonnenverbrannt. "See Europe in 4 weeks" hieß sein Programm, und nach einer ausgiebig Ouzo-Kur auf Mykonos war Garry in Berlin Kreuzberg gelandet. Wir nahmen ihn mit ins Tresor, das gerade aufgemacht hatte, zeigten ihm die Favela und das alte WMF. Historische Stätten der frühen Techno-Bewegung. Er schwor ewige Dankbarkeit, pennte ein paar Nächte bei uns, war lustig, und jetzt revanchierte er sich.
    Wir hatten schon eine Runde in unserem gerade erstandenen Schlitten gedreht, die Straßen von San Francisco, eine echte Herausforderung für lätscherte Stoßdämpfer, aber gut. Das Gefühl von Bullit. O.k., eine Celica ist kein Mustang Shelby, aber keiner von uns sieht auch so aus wie Steve McQueen in jungen Jahren.
    Garry lobte uns und drehte eine Tüte. Angeblich genverändertes Zeug, das auch Mr. Garcia von den Greatful Dead bevorzugt. Den Kult um diese komische Langhaar-Band habe ich nie verstanden. Aber für einen eingeborenen Kalifornier ist die Truppe wohl ein Nationalheiligtum.
    Der Joint qualmte knistertend in der Abendsonne. Wir fingen an Blödsinn zu reden, nur Stefan blieb geradeaus. Er nuckelte an einem Miller’s und wollte wie üblich nicht ziehen. Niveau-Bungie-Jumping. Wir erzählten uns Witze.
    - What is the most intelligent thing, that ever came out of a women’s mouth?
    - Einsteins dick.
    Garry‘s Apartment lag oberhalb von China Town und ein riesiges Panoramafenster gab die Sicht frei auf Downtown San Francisco. Dahingewürfelt, mitten im Blickfeld: ein quadratisches Hotelmonster mit hunderten gleichförmigen Zimmern. Gegen sechs Uhr abends trudelten die Gäste ein, pling, plong, plung, gingen die Lichter an und dann startete die Show. Garry hatte ein einfaches, aber lichtstarkes Fernrohr auf einem Stativ aufgebaut. Besser als jedes Programm im Kabel. Dicke, Dünne, Lange, Kurze gingen duschen, holten sich einen runter, zogen sich aus und um, stritten sich, kopulierten oder langweilten sich vor der Glotze.
    Den Sound von Greatful Dead finde ich immer noch öde, aber das Gras ist einfach gut.

    III.
    Es war unser letzter Abend in San Francisco. Am nächsten morgen wollten wir Garry verlassen und den Highway Number 1 Richtung Los Angeles fahren.
    Wir hatten schon eine ausgiebige Kneipentour hinter uns, als wir schließlich in einer knallvollen Bar mit Livemukke landeten. Die Band schrammelte den Blues und wir hatten von dem dünnen Bier einen sitzen. Irgendwie kamen wir mit zwei Frauen am Nebentisch ins Gespräch. Die Beiden waren heftig alkoholisiert und zeigten deutliches Interesse. Es ist beim besten Willen nicht so, dass einer von uns die Bezeichnung womanizer verdienen würde. Aber wir genossen einen Deutschen-Bonus und beantworteten brav Fragen nach dem Fall der Mauer und den Ossis im allgemeinen. Nancie war klein und drall, trug eine Brille und hatte ein lustiges Gesicht. Frances war die hübschere der Beiden, mit roten Haaren und französisch manikürten Fingernägeln. Die Girls erzählen uns, dass sie aus dem mittleren Westen, aus Kansas, kämen. Sie seien beiden in einer Klosterschule für Mädchen gewesen und sexuell ausgehungert. Die Mädchen gackerten sich eins. Stefan und ich schauten kariert. Keine Ahnung, ob uns die Mädels einen vom Pferd erzählten. Vielleicht reichte auch unser Englisch nicht, um ihren zotigen Anspielungen zu folgen, Garry jedenfalls war wie elektrisiert, wurde aber kaum beachtet. Als Stefan zum Pullern aufstand und sich an den Beiden vorbei schob, fing Nancy an, an seiner Jeans zu nesteln. Sie hatte ihm einen Zettel in die Hosentasche gesteckt. Als Stefan den Zettel las, wurde er rot und die Mädels kriegten sich gar nicht mehr ein. Was ging hier ab? Nach einem riesigen Rumgezeter händigte Stefan den Schrieb aus. Da stand:
    I want to suck your dick!

    IV.
    Die Lichter von Downtown San Francisco flunkerten durchs Panoramafenster, eingelullt von dichten Graswolken hatten wir es uns auf der Sitzgruppe bequem gemacht und hörten Santana. Garry fuhr Jack Daniels mit Eis und seine letzten Pullen Bier auf. Während Frances sich an mich schmiegte und langsam wegdämmerte, drehte ihre Freundin richtig auf. Nancy hatte ihre Brille abgelegt. Die Kleine verschmolz mit der Musik, kreiste vor unseren bekifften Köpfen mit ihrem prallen Hintern, wuschelte lasziv durch ihre Haare und ein Paar Brüste schaukelten in dem enganliegenden Strickpulli zu "Samba pa ti". Sie führte ihre Solonummer für Stefan auf und versuchte mehrfach ihn zum mitmachen zu bewegen. Keine Chance. Though guys don’t dance und Stefan gehörte eindeutig zu den Jungs, die sich in der Disko höchstens zu einem leichten Kopfnicken hinreißen lassen.
    Was dann folgte, war eine Szene aus einem dieser schäbigen Sexfilmchen, die nach Mitternacht in den Programmen der Privaten ausgestrahlt wurden. Halbhübsche Frauen in rosafarbener Unterwäsche, die sich mit der Zunge über die Lippen fahren und danach flehen, genommen zu werden. Dazu schwanzgesteuerte Schnauzbartträger, die durch beknackte Dialogstellen stolpern, um bei der nächstbesten Gelegenheit die Hosen herunter zu lassen.
    Nancy legte jedenfalls für uns einen echten Amateur-Hausfrauen-Strip hin, wedelte mit ihrem Pulli, schälte sich aus ihrer Jeans, rieb Stefan ihren BH unter die Nase, räkelte sich auf dem Cordsessel und zog schließlich ihrem Slip aus. Anfangs hatten wir ihre Einlage noch mit Johlen und Klatschen begrüßt, doch als sie damit anfing, sich an einer Flasche Miller’s Light zu vergehen, griff ihre Freundin ein und versteckte die Pulle hinter dem Sofa. Nancy war derartige in Fahrt, dass sie nichts und niemand stoppen konnte. Sie kniete jetzt über Stefan, den sie auf den Teppichboden gezogen hatte und fingerte an seiner Gürtelschnalle rum. Für Frances und mich war das der Moment, die Beiden ihrem triebhaften Schicksal zu überlassen. Wir zogen uns in Gästezimmer zurück und auch Garry war verschwunden.
    Frances und ich schoben eine langsame Nummer und rauchten noch einen Joint.

    V.
    Der nächste Morgen war die übliche Katastrophe. Ja, ich kann mir vorstellen wie sich Harald Juhnke in seinen schlechten Momenten gefühlt haben muss. Garry stand sackkratzend in der Küche, rührte Nescafe an und brachte ein "Hi" raus. Stefan, gebürtiger Sauerländer mit Nehmerqualitäten, flätzte zerknautscht in der Sitzgarnitur. Von den Mädels war nichts zu sehen.
    - Wo sind die?
    - Weg.
    - Und?
    - Da liegt ‘n Zettel.
    Auch Frances und Nancy waren morgens wohl Freunde der knappen Worte, was sie nur sympathisch machte. Auf einem Notizblock standen folgende, schmale Worte:

    What was was. Nancy + Francis.

    Und dann noch ne‘ Telefonnummer.
    Wir packten unsere Sachen, verabschiedeten uns von Gary und starteten die Celica in Richtung Süden.
    Wir fuhren den ganzen Tag ohne viel zu sprechen. An einem Parkplatz an der Steilküste stoppten wir bei einem Typen, der direkt an der Straße ein Schlagzeug aufgebaut hatte und sich mächtig einen abtrommelte. Wir lehnten am Toyota, rauchten eine Kippe und nickten mit den Köpfen. Die Sonne ging unter und wir kamen in eine Stadt, deren Namen ich nicht mehr weiß.
    - Wollen wir mal anrufen?
    - Warum nicht.
    - Peinlich?
    - Nö.
    Ich warf ein wenig Kleingeld in den Schacht und wählte die Nummer auf dem Zettel. Damals gab es noch keine Handys – höchstens diese C-Netz-Monster, für die Uwe Seeler Werbung machte – und die SMS war noch nicht erfunden. Jemand ging ran.
    - Emergency for abused women, shirley, can I help you?
    - Hä? Ehm, my name is Thomas and I would like to talk to Nancy...
    - Hold on a moment, I connect you.
    Düdel, düdel, düdel.
    - Und?
    - Ich bin bei abused women gelandet, ich glaube, die ham‘ uns verarscht.
    - Hi, this is Nancy.
    - Hi, I am Thomas, from Germany, you know.
    - Oh, how are you.
    - Fine. We left San Francisco this morning...
    - Where are you now.
    - I don’t know.
    - So...
    - I just wanted to say, that...
    - What?
    - That it was great to meet you and maybe we will be back in town in a couple of weeks...
    - Yeah, just give me a call – and say hello to Stefan.
    - I will.
    - By.
    - By.

    VI.
    Wir waren jetzt schon zwei Tage in Los Angeles unterwegs und hatten uns all den Mist angeschaut, den sich alle Touris anschauen. Am besten war noch der Trip nach Annaheim gewesen, ins Disneyland. Wobei Disney wirklich für den Arsch ist, aber die Fahrt dorthin war cool, stundenlanges Rumgefahre über die Freeways, vorbei an endlosen Häuserzeilen, mal schäbig, mal edel. Der Copilot hatte jedenfalls den undankbaren Job mit einem überdimensionierten Stadtplan zu kämpfen und uns durch die Straßen zu lotsen. So auch an diesem Abend. Wir hatten in einer Stadtzeitung ein Konzert ausgemacht und fuhren Richtung Downtown. Schließlich landeten wir vor einem unscheinbaren Flachbau und mussten feststellen, dass wir so ziemlich die einzigen Gäste waren. Vier Typen und eine Frau am Micro mühten sich und spielten so ne‘ Art Eagles-auf-Speed-Sound. Jedenfalls nicht mein Geschmack. An der Bar kippten wir ein paar Bier und kamen mit einem Typen ins Gespräch. Er fragte uns nach Berlin aus, kannte Kraftwerk und hatte sogar vom Tresor gehört. Er sei im Musikgeschäft, deshalb. Was wir hier so treiben würden? Keine Ahnung, rumfahren. Morgen sei er auf ner‘ wesentlich besseren Party eingeladen und wenn wir Lust hätten, sollten wir ihn doch einfach anrufen. Well, gib‘ uns deine Nummer.
    Ich fingerte den einzigen Zettel raus, den ich bei mir hatte. Es war der Zettel. Ich reichte ihm dem Typen, er las ihn und lächelte. Auf die Rückseite schrieb er seinen Namen und seine Telefonnummer. Der Typ hieß Don Was.
    OK, die Pointe funktioniert nur, wenn man weiß, dass Don Was ein ziemlich berühmter Musikproduzent ist und gleichzeitig mit seinem Bruder John Was der Band "Was (not was)" den Namen gab.
    Egal, wir hatten ein paar nette Nächte in Los Angeles, die Celica hielt mehrere tausend Meilen quer durch Kalifornien, Mexiko, Arizona und Nevada. Und als wir schließlich wieder in San Francisco ankamen, gingen wir mit Gary einen trinken, die beiden Frauen sahen wir aber nie wieder.

  2. #2
    Avatar von Klingeltonk
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    Wir fingen an Blödsinn zu reden.

  3. #3
    Avatar von Christopher Wurmdobler
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    jetzt hätt ich den riemen fast nochmal gelesen.
    hat da wer zuviel gekifft?

  4. #4

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    das war schon alles? passt das nicht eher ins eitle selbstdarstellungsforum?
    "und alles nur, weil ich keine ausbildung habe"

  5. #5
    Restaurator Avatar von Jeremy
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    Eine Frage, die ich mir lange gestellt habe, ist, ob die Schreibweise für "bye" salopp verkürzt tatsächlich "by" ist. Ist das so ein Teil der Schreibweisenreform für Rapper und Coole, die auch "2kewl4u" hervorgebracht hat? Aus meiner phonetisch unbedarften Distanz heraus würde die hohe Übereinstimmung der Aussprache beider Wörter ausreichen. Man sieht es bei Rappers ja eh nicht so eng mit der Lautverschiebung, wenn bloss die Verkürzung stimmt. Das ist mir "L8" aufgefallen, obwohl, das ist wieder ein schlechtes Beispiel, weil sich "eight" und "late" doch sehr ähnlich anhören.
    Im Deutschen kann man das auch machen, und, ist es ein Zufall oder nicht, dass ausgerechnte "L8" auch hier funktioniert, "late", "lacht", Mutmassungen sind nicht meine Sache, aber: an dieser Stelle kommt man ins Grübeln und sucht Zusammenhänge, findet welche und denkt dann, was tue ich eigentlich?
    Sick nature.

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