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Thema: Windhorst, Lars, sticht

  1. #25
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    Sonntag Abend um zehn bei Schacksmeier in Wehe

  2. #26
    Avatar von raumoberbayern
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    Oh, ein ostwestfälischer Insider.

    Zu Schacksmeier nach Wehe, so ein Angebot habe ich doch glatt seit meinem Treffen mit Lars Windhorst nicht mehr bekommen. Aber liebend gern, Herr Schawalla Joachim. Zu Weihnachten weile ich wieder in Ostwestfalen und bin dann sicher bereit für einen Ströher Schwarten in Wehe (damals Ort mit der höchsten Selbstmordrate).

  3. #27
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    Eine Jugend in Ostwestfalen

    "Vater wir haben Hunger!" Daran erinnere ich mich noch sehr genau. Fast 50 Parteien im 36-Parteien-Wohnsilo. Eigentlich waren wir zwei Parteien. Meine Großeltern hatten das hintere Zimmer, meine kleine Schwester und ich das Durchgangszimmer auch noch als wir längst zu groß dafür waren.

    Lampen hat meine Vater gespritzt im Industriegebiet. Das war auch mein erster Ferienjob, Stundenlohn drei Mark siebzig. Als seine Lunge in die Knie gegangen ist, wegen der vielen Lacke, ging er im Nordkreis Maschinenteile verpacken und später Spielautomaten schrauben.

    Abends saß er in Ostwestfälischen Kneipen, Bier und Korn trinken mit Verlierern. Gestrandete der untergehenden Tabakindustrie, gescheiterte Lebensversicherungsverkäufer, am Nachbartisch neureiche Profiteure im Spielautomatenland.

    Wir hatten viel Hunger, haben regelmäßig Supermärkte ausgeräumt und Vaters Brieftasche. Da war allerdings nie viel zu holen ausser Ärger, denn wir flogen regelmäßig auf. Mein Vater war nachsichtig mit uns, schlimm war meine Mutter. Sie steigerte sich in einen Rausch, prügelte uns, bis sie ohnmächtig war, genau wie wir. Heute nehme ich ihr das noch nicht einmal mehr übel.

    Meine Versuche abzuhauen, auszubrechen und dem Wahnsinn zu entfliehen, scheiterten kläglich und endeten mit vielen blauen Flecken, einem gebrochenen Finger und dem Rauswurf aus der Schule.

    Wir haben uns in eine eigene Welt geflüchtet. Verbotene Lagerfeuer bei Bier und Maria-Cron-Cola im Wassersteinbruch. Knutschend mit Maike in den Büschen, die Hosen über den Knien, während sich einige Meter neben uns Holger die Seele aus dem Leib kotzt. Maike war ständig selbstmordgefährdet, Vater Alkoholiker mit paranoiden Anfällen.

    Mein älterer Bruder ist einen anderen Weg gegangen. War bis zum Schluss auf dem Gymnasium und Stammgast im i-Punkt. Dort traf sich die linksintellektuelle Szene, Joints rauchen und später auch alles andere. Diese Leute habe ich immer zum Kotzen gefunden. Wie Molldi. Liedermacher, Ende 30, immer cool, immer wichtig, immer breit, Alt-68er, ein Hauch von Baghwan. Mit 19, kurz vor dem Abitur, hat mein Bruder alles geschmissen, ist zu Molldi in die Kommune auf dem Bauernhof im Nordkreis gezogen – eine der über die Landkreisgrenzen hinaus bekannten Hochburgen für politischen Widerstand, freie Liebe und Drogenkonsum aller Art. Danach haben wir ihn nur noch sehr selten gesehen. Keiner weiss, was er heute treibt.

    Geändert hat sich das erst mit der Ausbildung und später dann sehr radikal.

    Damals war Elektriker die Ausbildung der Wahl, weil wir nicht enden wollten wie unsere Familien. Wer es gut erwischte, wurde Rundfunk- oder Fernsehtechniker aber da waren die Stellen begrenzt. Eigenes Geld zu haben verändert das Leben nachhaltig. Elektriker waren gefragt, man konnte eine Menge Geld nebenher machen, Strippen ziehen bei Bekannten von Bekannten. Vom ersten selbstverdienten Geld habe ich mir ein frisiertes Moped gekauft. Meine Freundin kam aus dem Nachbardorf – bei ihren Eltern hatte ich den Stall verkabelt. Wir haben endlose Touren durch die Diskotheken im Landkreis gemacht, waren auch in den Nachbarstädten: in Osnabrück im Hyde Park, in Minden im Klimperkasten oder im AJZ in Bielefeld. Geld eröffnete neue Perspektiven auf die Welt, das stand für mich fest.

    Zivildienst war die coolste Zeit. Zu zweite hatten wir Dienst im Jugendlager, inklusive Dienstwohnung. Nebenbei verkauften wir Anlagen für Lutz. Hifi für Kinder reicher Leute im Landkreis. Lutz war ein feiner Kerl, hatte den richtigen Riecher für großes Geschäft und behandelte uns sehr fair. Freunde, Bekannte aber auch wildfremde Menschen rissen uns die Anlagen aus der Hand, der Hifi-Boom hatte begonnen und wir schwammen im Geld.

    An den Wochenenden foppten wir die christlich-jugendlichen Teilnehmer, die zu frommen Seminaren im Jugendlager waren und vögelten mit den Mädels, die kamen und immer viel zu große Wollpullover trugen. Wir hatten eigene Autos und fühlten uns wie Gott.

    Das richtige Geld allerdings kam erst mit den Computern. Lutz war rechtzeitig ins Computer-Geschäft eingestiegen und von ihm haben wir alle gelernt. Arbeiten als Elektriker war nach dem Zivildienst ausgeschlossen. Wer als Elektriker einen PC schrauben konnte, dem war der Aufstieg sicher. PC, das konnte nicht jeder, aber jeder brauchte einen. Es war besser als Anlagen, viel besser. PCs waren das ganz große Geld und das ganz schnelle dazu. Fast alle, die damals für Lutz gearbeitet haben, haben sich anschließend selbständig gemacht. Fast alle wurden wir damals Millionäre, einige sind es heute noch. Einige wenige haben ihre Firmen rechtzeitig an Großkonzerne verkauft und sind heute sehr reich. Andere sind auf dem Boden geblieben, wie Lutz selbst und arbeiten noch immer hart, obwohl sie es nicht nötig hätten. Einige haben abgehoben und sind sehr tief gefallen.

    Es war eine Zeit des Aufbruchs, eine Zeit, in der alles ging. In dieser Zeit ist Lars Windhorst aufgewachsen.

  4. #28
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    Das ist o.k. bis auf "Fast alle wurden wir damals Millionäre." Sind Sie noch Millionär? Verzeihen sie die penible Nachfrage, aber ich zog mal mit jemandem zusammen, der Dauermillionär gewesen war, verdiente sein Geld als Promotion-man. Netter Mensch, hatte kein Geld. Sind Sie noch Millionär? Und warum verschleudert man 700.000 Mark, nie verstanden.

  5. #29
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    Ist sicher indiskret gefragt, aber sagen Sie mal Herr Schawalla, gehoerten Sie vielleicht zum urspruenglichen Peacock-Clan? Oder zur Pursch-Clique? Und falls ja, haben Sie immer noch Privatflugzeuge, prima Handicap und prachtvolles Haupthaar?

  6. #30
    Avatar von raumoberbayern
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    Fast alle wurden wir damals Millionäre, einige sind es heute noch.
    Irgend etwas habe ich damals falsch gemacht. Während Sie, Herr Schawalla Joachim, für Millionen Computer geschraubt haben, habe ich mich in München durchs Studium gekämpft. Als es dann darauf angekommen wäre, ist mir das Geld ausgegangen. Also Quereinstieg in die IT-Branche, leider auf der völlig falschen Seite und viel zu spät. Na, so viel zu spät wohl auch nicht, denn es muss in etwa zur gleichen Zeit gewesen sein, als Lars Windhorst gestartet ist. Und der hat es zumindest kurzfristig zu Millionen gebracht. Wenn ich allerdings seinen Absturz aus sicherer Distanz noch einmal Revue passieren lasse, denke ich, dass ein erfolgreiches Philosophiestudium wenn schon nicht das Sprungbrett zum schnellen Geld so doch die solide Grundlage für einen bescheidenen beruflichen Erfolg bilden kann.

  7. #31
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    bin gerade im Netz hier drauf gestossen...ist ja schon lang nichts mehr passiert in Sachen Windhorst? Weiss jemand, wie die Geschichte weiterging?

  8. #32
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    Bin gerade im Netz hier auf Ihre Frage gestoßen, luzy: nö, glaube nicht.
    Wenn ich tief im Herzen der Angst eine befremdliche Absurdität leise wachrufe, öffnet sich in der Mitte meines Schädels ein Auge.

  9. #33
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    http://www.nw-news.de/nw/sondertheme...d_ins_gesicht/

    http://community.onpulson.de/viewtop...90d64621f8a58b

    ansonsten halt auch unter "google-news" zu Lars Windhorst

    und im Focus stand neulich auch was drin, er hat jemanden der ihm für einen Vergleich richtig viel Geld gibt (glaube sogar schenkt) und er so die Chance auf sofortige Restschuldbefreiung hat, statt erst nach 6/7 Jahren oder so. Es müssen nur ausreichend Gläubiger mitmachen. Und so wie ich das sehe, haben die dann auch mehr davon, als einer privaten Insolvenz und Verteilung aus dem pfändbaren Teil seines Gehaltes....er ist jetzt wohl Geschöftsführer bei zwei Firmen, auch am Potsdamer Platz, laut Presse...

  10. #34
    Avatar von raumoberbayern
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    die Politik genau wie die Politprominenz scheint ihn nicht loszulassen. Gemeinsam mit Josef Fischer, Bundesministerium des Auswärtigen, Edelgard Bulmahn, Bundesministerin Bildung und Forschung und einer ganzen Reihe von Top-Managern aus der Wirtschaft (Rogowski, von Pierer) sitzt Lars Windhorst, Vorsitzender der Geschäftsführung der Vatas Holding GmbH im Kuratorium der APW, der Asie-Pazifik-Wochen Berlin 2005.

    Und da sag noch einer, dass man in Deutschland keine zweite Chance erhält.

    (aber wo die Kohle erst hergekommen und dann geblieben ist, das interessierte mich doch)

  11. #35
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    Wurde gerade gemeldet, das Lars Windhorst auch privat Konkurs angemeldet hat. Er ist mit über 50 000 000 € Miesen Schuldenmultimillionär.
    Spiegel-online schreibt, Windhorst habe sich ungern als 16Jähriger mit Bill Gates vergleichen lassen, da dieser als Teenager noch keine eigene Firma besessen habe.

  12. #36
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    Es gibt keinen Audi A8 V12 4.2. Entweder 4.2 oder V12 6.0.

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