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Thema: Veloso, Caetano (von nahem)

  1. #1
    Large Member Avatar von vir
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    Caetano von nahem

    Letzen Freitagabend war ich als Anhängsel meiner vorgesetzten Dienststelle an einer Party in Turin. E., der Gastgeber, ist der Impressario von Caetano Veloso, zu dessen Ehren das Fest gegeben wurde. Veloso hatte an diesem Abend ein Freiluftkonzert gegeben, dass nach vier Liedern wegen eines Wolkenbruchs hatte abgebrochen werden müssen. Wir kamen ungefähr um Mitternacht bei E. an, dieser wohnt, wie alle reichen Turiner, in einer Altbauwohnung mit hohen Stuckdecken, intelligentem Grundriss, verschiedenfarbigem, antiken Parkett, exquisitem und bequemem zeitgenössischen Mobiliar – ohne dass man immer gleich Eames oder Breuer denken muss – sowie heiteren und interessanten Gemälden und Photographien an jeder Wand.

    Der Ehrengast trug einen gelbgrün getönten Blue Jeans Blouson, ein weisses T-Shirt, weisse Jeans, weisse Socken und braune Ledersandalen mit über dem Spann gekeuzten Riemen. Dazu eine nicht mehr ganz neue Plastikarmbanduhr. Veloso ist klein und zierlich und hat ein hübsches Gesicht, dem man sein Alter nicht ansieht, tatsächlich erfuhr ich später, dass er schon 63 ist. Er wirkte sehr zurückhaltend und schüchtern, was noch dadurch unterstrichen wurde, dass er mit zusammengepressten Knien in einer Sofaecke sass. Auf den Beinen hatte er einen Teller voll Tagliatelle, die er mit Genuss und Konzentration verzehrte. Als er alles ratzeputz aufgegessen hatte, stand er auf, ging zum Buffet und kam mit einer Portion Reis mit Scampi zurück welche er ebenfalls sehr gewissenhaft verspeiste. Trotzdem müssen ihm die Nudeln besser geschmeckt haben, denn davon holte er sich einen weitern Nachschlag. Dazu trank er Coca Cola.
    Neben ihm sass seine Mitarbeiterin und Betreuerin, deren Namen ich leider nicht behalten habe. Sie war ständig am Mobiltelefon, welches sie einmal auch Veloso überreichte. Beim Gespräch mit der offenbar vertrauten Person am Handy löste sich sein Gesicht in reine Heiterkeit und Fröhlichkeit auf, was völlig im Gegensatz zur introvertierten Erscheinung auf dem Sofa stand. Zudem wirkte er lachend noch jünger als ohnehin schon.

    Ich habe mir lateinamerikanische Musiker immer mit Zigarre und Schnaps vorgestellt aber nicht nur Veloso, auch seine Musiker waren in dieser Hinsicht eine Enttäuschung. Nicht einen sah ich rauchen oder Alkohol trinken. Das einzige Vergnügen der mehrheitlich sehr jungen Musiker bestand scheinbar darin, die CD-Sammlung E’s zu durchsuchen, die eine oder andere aufzulegen, dazu zu tanzen oder auf den eigenen Oberarmen mitzutrommeln.

    Ich fragte Veloso ein bisschen nach seinem Europaprogramm aus: Auf dieser Tournee wird er u.a. noch in Florenz, Palermo und in Montreux auftreten. In Montreux muss er wohl seit geraumer Zeit jedes Jahr aufgetreten sein. Er gab höflich und leise Auskunft, wobei er weder abweisend noch übertrieben freundlich wirkte, was sonst bei berühmten Leuten ja häufig vorkommt.

    Gegen halb zwei wurde die gesamte Entourage mit dem Bus abgeholt; von den Brasilianern blieben nur er und seine selbstbewusste Assistentin über. Ansonsten waren nur noch E., dessen Gattin, deren zwei Söhne aus erster Ehe, V. eine Freundin der Familie, Paola und ich übrig. Da hatte ich eine gute Idee: Ich packte eine Gitarre aus, die ich im Nebenraum gesehen hatte, nahm sie mit hinüber in den Salon und spielte etwas aus meinem Repertoire der ‚Renommierstücke eines Halbbegabten‘. Als Veloso neugierig ins Zimmer trat, streckte ich ihm sofort das Instrument entgegen wobei ich ihn scherzhaft „Du bist doch Muskiker, nicht?“ fragte. Er nahm die Gitarre, wobei er weder Enthusiasmus noch Widerwillen zu erkennen gab und setzte sich bequem aufs Sofa. Dann spielte er uns eine Handvoll Bossa Nova-Weisen, diese geheimnisvollen Lieder, wo jeder Ton einen eigenen Griff erfordert, dazu sanger in seinem anmutigen, leisen Tenor. Da ich kein Portugiesisch kann, weiss ich nicht, was er sang, trotzdem rührten mich die Lieder merkwürdig ans Herz. Dies seien alles Stücke aus den dreissiger Jahren, erklärte er zwischen den Liedern. Für mich waren sie neu und wundersam, und ich war voll Reue, denn ich hatte brasilianische Musik bisher immer ein wenig verachtet.
    Geändert von vir (16.07.2002 um 17:36 Uhr)
    Die, hogenpops, die!

  2. #2
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    Ihre Geschichte zu lesen, virchow, erzeugt ebenfalls "weder Enthusiasmus noch Widerwillen",sie stört aber nicht weiter.

  3. #3
    Moderator Avatar von DonDahlmann
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    Krug, sie Wurm. Wenn Sie hier jemals eine vernünftige Geschichte abliefern sollten, dann können Sie sich eventuell solche Urteile erlauben. Ansonsten halten Sie bitte die Schnauze, bevor Ihnen irgend jemand selbiges mit einem dreckigen Spültuch stopft.

  4. #4
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    Sie faseln Unsinn, DonDahlmann, denken Sie mal drüber nach.

  5. #5
    Moderator_S Avatar von U_Sterblich
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    Caetano Veloso. Ich sah ihn auch mal. Zusamen mit Gilberto Gil. Ich durfte ihnen beiden die Hand reichen und "Guten Abend" sagen. Das war in Berlin, in Brasilien wäre das kaum passiert. In Brasilien sind die Herren Veloso und Gil Heilige, um nicht zu sagen Götter. Größer noch als Ronaldo und mindestens ebenso groß wie Pélé. Die brasilianische Musik habe ich früher allerdings auch verachtet. Irgenwann (wohl als ich dann mal in Brasilien war) habe ich sie kapiert und jetzt verachte ich sie sowas von überhaupt gar nicht mehr, denn sie ist nicht das, was sie zu sein scheint.
    Krug ist, das kann man ohne Bedenken sagen, ein Fall für meine Ignore-Funktion.

  6. #6
    Haus-Frau Avatar von sapinho
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    schön!

  7. #7
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    Aha, die brasilianische Musik fanden Sie, U_Sterblich, verachtenswert, solange Sie sie noch nicht vor Ort hören konnten.
    Mal ehrlich, Mozart mochten Sie auch erst nach dem Verzehr der Kugeln, oder reisten sie 'mal nach Salzburg?

  8. #8
    sqm
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    Fresse halten! Einfach die dumme Fresse halten!

    gegen inge.


  9. #9
    Moderator Avatar von Klede
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    Krug, Sie Depp. Sie haben eine schlechte Telefonstreichgeschichte gepostet, im Nenastrang und diese dann geloescht weil ein paar zart-kritische Toene Ihr Memmenego verletzt hatten. Seitdem kacken sie oeffentlich in andere Straenge, am schlimmstem im Strang der Koenigin (l_tu), jetzt auch hier. Elende Zicke, halten sie doch einfach Ihre einfallslose widerliche Fresse. Was Hanswasheiri sagt, genau.

  10. #10
    Camembert Avatar von Edding Kaiser
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    Krug, ich weiss nicht, ob Sie echt sind. Wenn Sie echt sind, dann gehen Sie doch bitte recht schnell wo Sie wohnen, stecken sich da den Finger in den Po und halten ansonsten Ihr saudummes Drecksmaul. Kruzitürken, das kann doch wohl nicht wahr sein.

  11. #11
    Avatar von Goodwill
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    Mir kommt es so vor, als kämen bei dieser Diskussion die weißen Socken und braunen Ledersandalen mit über dem Spann gekeuzten Riemen zu kurz. Galt die Socken-Sandalen-Kombi nicht bis zu Virchows Beschreibung des Bossa-Nova-Halbgotts als "Todsünde"? War der helle Strumpf in einem männlichen Riemenschuh nicht das Zeichen von Extrem-Schwabentum, ja sogar beginnender Ballermania? Müssen jetzt nicht sämtliche Styleguides umgeschrieben werden? Ich bin jedenfalls ganz schön ins Grübeln gekommen.

    Legt schonmal unauffaellig seine Tennis-Socken nach ganz ganz vorne im Schrank.

  12. #12
    Avatar von Aporie
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    Die große Wohnung in Turin kann ich mir jetzt sehr gut vorstellen, aber ich hätte gerne mehr über die "selbstbewusste Assistentin" erfahren.

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