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Strang: Schönbohm, Horst Mahler und Edgar Froese

  1. #1
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    Kleinmachnow - Schönbohm, Horst Mahler & Edgar Froese

    Kleinmachnow liegt etwa 2 bis 3 Kilometer von Berlin-Zehlendorf entfernt und ist ein sehr seltsames bis unangenehmes Dorf, welches schon zu DDR-Zeiten nicht ohne einen Passierschein für den normalen Bürger bereist werden durfte. Zu jener Zeit wohnten dort treue SED-Funktionäre, aktive Parteiangehörige, dem bürokratischen Sozialismus zutiefst Verbundene. Eine Mauer wie zwischen West- und Ostberlin existierte nicht und für den normalen DDR-Bürger war es hier durchaus möglich, leicht zu fliehen. Die Priveligierten hatten keinen Grund dazu.
    Heute bietet Kleinmachnow den idealen Ort mit dörflicher Atmosphäre für den gutsituierten Zehlendorfer Bürger, den Chirugen, Anwalt, zu Geld gekommenen Immobilienmakler oder Orthopäden. Hier wird sein Traum vom Haus auf dem Land mit eigenem Garten verwirklicht - mit Natursteinplatten, Bauergartenbepflanzung, englischem Landhausstil und ökologischer Ideologie.
    Die Strassennamen wirken ein wenig gaga, überkandidelt: neben den traditionellen Käthe-Kollwitz-Weg findet man auch solche Bezeichnungen wie Seematenweg oder Lupinenschlag. Hysterische Ehefrauen, deren Passion die Organisation des eigenen Gartens ist, sind hier keine Seltenheit. Mir ist ein Fall bekannt, wo jemand seine Koniferen schief eingepflanzt haben wollte - und der gärtnerische Fachmann sich noch wundern konnte und ausdrücklich nachfragte. Die Kundin bestand aber darauf und reklamierte am nächsten Tag in der Firma, dass die Fachleute die Koniferen schief eingepgflanzt haben. Eine andere bekam einen hysterischen Anfall, weil beim Transport ihres hässlichen Rhododendrons ein etwa 15 cm langer Zweig abbrach, ihr zusätzlicher Ersatz angeboten wurde und ihr das Zweitbäumchen zu klein war.
    Kleinmachnow wirkt ein wenig wie ein offener psychiatrischer Freilandversuch, wo gewendete Parteitreue neben Zehlendorfer Bürger wohnen und eine Art Kleinkrieg inszenieren. An Prominenten hat dieses Doprf Horst Mahler, Jörg Schönbohm und Edgar Froese zu bieten. Letzterem begegnete ich heute zufällig. Tatsächlich kannte ich das Gesicht von der Rückseite alter Plattencover. Edgar Froese war und ist Musiker der Gruppe „Tangerine Dream“, die in den 70er als elektronische Popmusik bekannt war und heute selten gehört wird. „Tangerine Dream“ wurde nicht so berühmt wie „Kraftwerk“, „Can“ oder „Popol Vuh“, hatte seine Höhepunkte aber in derselben Zeit. Edgar Varese hat einen enormen blonden Schädel, nordisch blaue Augen, einen dicken Bauch und sehr kurze Beine. Er berlinerte leicht, trug ein schwarzes T-Shirt, enge schwaze Jeans und weisse Turnschuhe mit ostasiatischen Schriftzeichen. Sein Senkgarten, dessen Mittelpunkt eine Art Wasseroase mit Springbrunnen bildet, ist ambitioniert, aber nicht sehr gelungen. Man spürt, dass dieser Garten etwas darstellen will, ohne etwas zu sein. In dem Durcheinander von Krischnaskulpturen, Bananenbäumen, Koniferen, Yucca- und Phoenixpalmen, Farnen, bodendeckenden Stauden und kleineren Wildgehölzen versucht man vergeblich einen Stil zu erkennen. Auf einem Schuppen hat irgendjemand eine Kugel golden bemalt und installiert. Mir wurde erzählt, dass Froese einen japanischen Gärtner beschäftigt.
    Geändert von Hartmut Andryczuk (03.05.2002 um 19:11 Uhr)

  2. #2
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    Und irgendwo hat unser Zeichner noch einen toten Komponisten versteckt: nicht Schoenberg, nicht Gustav Mahler, sondern - fast wie von Herrn Froese selbst bestellt: - Edgar Varese. Schauen Sie nur genau: Kraftwerk, Can, Popel Vuh, Edgar Varese! Nicht mein Witz, sondern die Worte von Herrn Andryczuk. Wird aus diesem Schönheitsflecken Varese am Ende noch ein ganzer Lavastrang von einer Geschichte hervorbrechen ?

    Geändert von Tiffany Nudeldorf MD (03.05.2002 um 23:25 Uhr)

  3. #3
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    Hier: Über Edgard Varèse.
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    Edgar Froese (links), der Mann mit dem Garten, der etwas darstellen will, ohne etwas zu sein.

  4. #4
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    Schöner Link zum wahren Edgar Varèse von Herrn Cohn - kann nicht schaden, wenn man Sirenen nicht fürchtet.

    Ein Garten will nicht darstellen, der will bestellt werden und braucht eben einen Gärtner. Der japanische Gärtner verweist dann doch wieder auf die toten Komponisten, etwa Schoenberg, die im kalifornischen Exil natürlich alle über solche verfügten - jedenfalls bis Pearl Harbor. Danach saßen die japanischen Gärtner in amerikanischen Internierungslagern, denn sie stellten den Feind dar.

    Dies nur so zur Überbrückung, bis in Kleinmachnow was passiert. Tangerine Dream-Stücke dauern allerdings auch immer mindestens eine ganze Plattenseite, und erst in der Mitte kommt etwas ostinate Bewegung rein.

  5. #5
    [Member] Avatar von Herr Cohn
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    Und es gab da noch einen gewissen Klaus Schulze, der hatte noch weniger ostinate Bewegung. Aber à propos Bewegung: Haben Sie dort etwas von Horst Mahler gesehen, Herr Andryczuk? Der wäre auch gern ein Samurai und ist doch bloß ein Löwenzahn-Bonsai.

  6. #6
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    Die Verwechslung ist mir beim Schreiben schon passiert (und wurde bei der Korrektur übersehen): Tangerine Dream inszeniert Antonin Artauds "Schluß mit dem Gottesgericht." Aber nichts gegen Edgar F. Sein berlinern ist wirklich sympathisch. Wo Horst Mahler in dem Ort wohnt, weiß ich leider nicht. Natürlich auch in einer Strasse mit einem etwas seltsamen Namen. Kleinmachnower trinken den ganzen Tag lauwarme Cola und füttern ihre Katzen mit gegorenen Bioabfällen. Über Mahlers Garten kann ich nur mutmassen: vermutlich ein Tanneneck mit blühenden Ampeln, Pergolen mit englischen Kletterrosen, einer grossen Rasenfläche und einem enormen Teakholzgartentisch, wo die internen Kameradschaftstreffen der höheren Ebene für ein neues Deutschland stattfinden.

  7. #7
    Moderator Avatar von Ruebenkraut
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    Ganz schön perfide: ich dachte, da hat einer den Horst paparazzt, zumindest den Schönbohm. Bei Froese, der mir völlig unbekannt ist, hätte ich kaum angeklickt.

    Schade, dass wir nicht mal erfahren, wie der Garten vom Mahler, Horst (Vorname ist Programm) ausschaut. Das dürfte doch zu recherchieren sein.

  8. #8
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    Tur mir leid, aber ich bemühe mich darum, über den Garten von Horst Mahler berichten zu können. Vielleicht sehe ich Froese am Dienstag wieder. Der müsste eigentlich wissen, wo Mahler wohnt.
    Schönbohm wohnt in einer Strasse, die auf das "Augustinum" zuführt; ein nobles Seniorenheim mit esoterischem Logo an der Einfahrt.

  9. #9
    Member Avatar von Braan
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    Durch ihre technokratische Transluzenz waren die Bandmitglieder von Tangerine Dream nicht recht greifbar, was in meiner Jugend sicherlich dazu betreug, einen Mythos aufzubauen. Dass sich ihr Habitus vom "normalen" Rockstar weg und zum aufgestiegenen Kleinbürgertum hin verschoben hat, konnte man damals natürlich nicht wissen. - Komischerweise habe ich gestern in der Stadt nach einer CD von Klaus Schultze gesucht, die sich durch besonders ostinate Zurückhaltung hervortut; live, und nicht zu finden.

  10. #10
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    Fussnote: Harald Juhnke verbringt - Gerüchten zufolge - seine letzten Jahre mit Monsieur Korsakow im Augustinum, Kleinmachnow. Bitte bestätigen oder dementieren...

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