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Thema: Fiorucci, Elio (Semiprominente Dekadenz)

  1. #1
    Moderator Avatar von rron
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    Im Folgenden erzählt Onkel rron calli eine Geschichte, die allerlei Halb- und Viertel- aber keine wirkliche Prominenz beinhaltet. Ratlos, ob der vielfältigen Möglichkeiten, diese zu platzieren, entscheidet er sich für dieses Forum, denn, es ist kein Halb- sondern Ganzwissen, keine grosse, eher eine kleine Geschichte.
    Deshalb also hier.

  2. #2
    Moderator Avatar von rron
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    Crown of Thorns war eine Band aus Los Angeles, die Mitte der Neunziger haupsächlich durch drei Dinge auffiel: Musik und Outfit orientierten sich irgendwo zwischen 80er Jahre-Bon Jovi, Poison und Winger, man war also etwa 10 Jahre zu spät dran. Untypisch war ausserdem, dass in der typisch weissen Domäne "Hardrock für pubertierende Mädchen, gespielt von Männern mit Mascara" zwei Farbige die Bandleader gaben (Afro-Amerikaner passt nicht, weil einer davon, Jean "Ex-Plasmatics" Beauvoir, ein Cajun ist). Drittens gab es häufige Verwechslungen mit einer New Yorker Hardcore-Band namens "Crown of Thornz", was gerne zu unschönen Szenen auf Konzerten führte, denn, alles was Recht ist, wenn sich der Hardcore-Fan schon verliest, dann hört doch spätestens bei mehrstimmigen, geschminkten Chören der Spass auf.
    Im April 1996 war ich zu Besuch bei Michael Paige, dem Bassisten ebendieser Band, in Huntington Beach, dem Rimini Los Angeles'. Die Nachmittage hingen wir am Strand ab, ich ohne, er mit T-Shirt, denn: "whaddaya think, brother, am I going to get any blacker?", die Abende am Sunset Blvd.
    Ein Abend wurde mir von Michael als besonderer angekündigt. Ich würde Elisa treffen. Die steinreiche Tochter des italienischen Modemoguln Elio Fiorucci, der mit dem Puttenpärchen auf den Jeans. Sie wurde, so Michael, von ihrem Vater nach Los Angeles geschickt, um auf der UCLA "something with business" zu studieren, entschied aber nach kurzer Zeit, dass Papas monatlich per Western Union eintreffende Lire besser in ihrer Reputation als Partykönigin von Beverly Hills angelegt wären. Elisa machte, so hiess es, die Regeln, nachdem pünktlichst um 2.00 Uhr der Sunset schloss.
    So saßen wir im Rainbow mit ein paar flüchtigen Bekannten von Michael, der mich als Bassisten aus Deutschland vorstellte. Einer der Anwesenden kannte daraufhin auch einen solchen. Er war, so erzählte er, ein guter Freund von Ralph Rieckermann, dem Bassisten der Scorpions und hatte auch umgehend Anekdoten im Angebot: Vor seinem Einstieg bei Deutschlands zweitunsäglichster Band hatte Rieckermann jahrelang den Durchbruch in Los Angeles gesucht und war allabendlich im Ledermantel (bei jeder Temperatur) und mit einer deutschen Plastiktüte, Inhalt: ein Paar Socken, Unterhose, Zahnbürste, T-Shirt, auf der Suche nach einem Schlafplatz. Die Suche endete damals oft in einem Vorgarten in den Hills, in jenen Strassen, die nicht von privaten Wachdiensten patrouilliert wurden. Man lernt ja schnell. Die Zahl der im Freien verbrachten Nächte verringerte sich schlagartig, nachdem sich herumgesprochen hatte, dass des Deutschen Körpermitte ein "massive 10-inch schlong" ziert. Ja, sowas macht schnell die Runde. Rieckermann sei aber auch heute noch ein ganz ein Netter, wenn auch mittlerweile mit eigenem Apartment in Hollywood. Müßig zu erzählen, dass zwanzig Minuten später Ralph Rieckermann an unserem Tisch saß und wirklich ein ganz ein Netter war. Es kam aber nicht zum Schwanzvergleich, denn mittlerweile war es 2 Uhr und Elisa wartete.
    Ein Taxi brachte uns nicht nach Beverly Hills, sondern nach Bel Air, den Hort der Dekadenz, in ein Anwesen, das eigentlich ein Bungalow war, nur irgendwie größer und mit Pool und Tennisplatz, also anders als die Fertigbungalows, die ich aus den Münchner Vorstädten kannte. Es waren auch schon so um die 80 Menschen anwesend, die, es klingt wie ein beschissenes Klischee, entweder damit beschäftigt waren, zu ficken, oder sich Amphetamine nasal, oral oder subkutan zuzuführen, damit sie anschliessend besser ficken konnten.
    Michael lotst mich durch mehrere Räume, dann scheint er am Ziel: Er deutet auf ein weissblondes Mädchen, sehr schlank, leichte italienische Hakennase, die er als Elisa, die Partykönigin, identifiziert. Sie ist umgeben von Adabeis. Wir nähern uns, Michael kennt einen der Elisaabschirmer und stellt mich vor. Ich sage hallo und wie sehr es mich freut, auf einer der legendären Parties von Elisa zu sein. Der Adlatus wechselt sofort die Farbe und zischt: "Never call her Elisa, she's Leeza, that's ell-ee-ee-zee-ej". "OK" sage ich, "wieauchimmer" denke ich, Michael flüstert: "she's moody", da sieht sie ihn auch schon an. Sie kommt zu uns, Michael gibt ihr einen Kuss, und stellt mich vor. Von Nahem sieht sie unglaublich aus: drahtiger Körper, blaue Augen (Kontaktlinsen?) zu italienischem Teint, Augenringe, sehr durchzecht und durchgenommen. Begehrenswert.
    In München geht die Schicki-Begrüßung ungefähr: "Griass De! Mei, g'schmeidig schaust fei aus! Magst a Bussi?", das LA-Äquivalent dazu ist: "Hiiii, you look awesome, it's soooo great to meet ya!" Als mein Begehren gerade recht groß wird, schleudert mir Leeza diese Floskel entgegen, bietet mir einen Kuss an und öffnet während dieser, etwa 3 Sekunden dauernden Aktion, zum erstenmal für mich sichtbar, ihren Mund. Was soll man sagen, hier lässt sich nichts beschönigen: Im gesamten sichtbaren Dentalbereich steht ein Zahn, der rechte obere Eckzahn, der Rest ist weg, einfach nicht mehr da. Ich schaffe es gerade noch, den Begrüßungskuss auf meine Wange umzuleiten und mein Entsetzen, Horror wäre angemessener, ungeschickt zu kaschieren. Zum Glück wollen sich gleich wieder andere im Licht der Zahnlosen sonnen, so dass ich mich meinem feinen Freund widmen kann, der, wir sind mittlerweile ausserhalb Leezas Sichtbereich, sich nicht mehr zusammenreissen kann und sich vor Lachen fast bepisst. "You should've seen your face, man! I forgot to tell you. Her teeth, it's the drugs, dude!"
    Als wir ziemlich bald darauf das Anwesen verlassen und durch Bel Air stapfen, muss ich über vieles nachdenken: Was Drogen anrichten können, ob "Sex in den Mund" ohne Zähne für den Mann besser ist, und, vor allem, wie ich in dem Moment, in dem ich der Dentalruine ansichtig wurde, jeden Schwanzvergleich verloren hätte, nicht nur gegen Rieckermann.
    Geändert von rron (08.09.2002 um 02:30 Uhr)

  3. #3
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    Eindeutig mein Lieblingsstrang.

  4. #4
    Moderatorin Avatar von Frau H aus B
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    Phantaftif! Rron, der Brett Eafton Ellif def Forumf!

  5. #5
    Avatar von James Dean Brown
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    'Als sehr unangenehm empfand ich Ihre Art der Präsentation: Sie sind der zweite in der Geschichte des Forums, der seinen Strang mit einem separaten Ankündigungsposting eröffnet hat.'
    das ist ein Fremdzitat, das zu posten ich mir leider nicht verkneifen konnte; es bezieht sich nicht auf Ihre Person, rron calli
    (Beitrag wurde von James Dean Brown am 29.09.2001 um 03:29 Uhr bearbeitet.)

  6. #6
    Moderator Avatar von rron
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    Keine Sorge Herr Brown, ich empfinde Sie doch auch als sehr unangenehm. Die Präsentation jedoch, die rührt daher, dass einstmals in der Chatklause Frl. Fiorucci als nicht paparazzierenswert, da zu unprominent, erachtet wurde. Wohin also mir der Geschichte frage ich Sie. Ohne einleitende Worte wohl kaum nachzuvollziehen.
    Macht ja nix.

  7. #7
    Moderatorin Avatar von Frau H aus B
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    Bret Eastrron Calli darf das, er rult nämlich.

  8. #8
    Avatar von James Dean Brown
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    Als grossartig empfinde ich die Tatsache, dass sich hier alles live versammelt, was ich an amerikanischen Sex-, Drugs- und Trashfilmen so liebe. Plus Jean Beauvoir, der zusätzlich den Sex-, Drugs- und Trashmusikaspekt hinzufügt. Was mich schmerzlich daran erinnert, dass ich die Plasmatics-LP vor Jahren voreilig verscherbelt habe, sie mir aber seit Monaten im Ohr klingelt. Gerade jetzt besonders laut.

  9. #9
    Moderator Avatar von rron
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    Na, dann simma ja wieda gut, oder?
    (Beitrag wurde von rron calli am 29.09.2001 um 03:25 Uhr bearbeitet.)

  10. #10
    Avatar von James Dean Brown
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    Sie sind schnell, und das um diese Zeit! Meine Postings sollten untereinander erscheinen, war nur mal eine Zigarette rauchen.

  11. #11
    Moderater Avatar von Murmel
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    Rron ist der größte, wenn auch nicht der längste.

  12. #12
    Hobel Avatar von Ignaz Wrobel
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    Der Wahnsinn, rron calli! Vor allem die Zitate: It's the drugs, dude! rron ist nicht nur der Bret Easton Ellis, auch der Hunter S.Thomson des Forums. Ich gebe zu, daß ich deren Machwerke immer für übertrieben gehalten habe, jedenfalls stark zugespitzt. Ich habe Ellis in einer WG in Venedig gelesen, in der auch ein paar reiche Kalifornische Kunststudenten hausten, die versuchten, das nachzuspielen, aber es blieb doch recht harmlos. Einer, ein Phantasy-Sex-Comiczeichner, machte ein florierendes Geschäft mit Wasserpfeifen: Die technischen Teile importierte er aus Kalifornien, die Behälter waren Abfälle der Glasbläsereien in Murano. Als er auszog, fanden wir einen Stapel selbstgemachter Pornofotos von ihm und seiner Freundin. Naja, nicht wirklich aufregend. Seit Deiner Story glaube ich dann wohl doch, daß es im dekadenten Mutterland der Schönen und Reichen so zugeht.

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