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Thema: Handke, Peter

  1. #1
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    Peter Handke zeigte sich dereinst bei Wien-Besuchen dann und wann im alten Chelsea. Das Chelsea, für die Nicht-Eingeweihten, ist, man möchte es kaum glauben, der Vorläufer des neuen Chelsea und war im 8. Bezirk in der Piaristengasse 1 zu finden, wo das alte Chelsea, ein Hort ungestümen Indie-Gitarren-Rocks und chronischem Alkoholismus, für diese bürgerliche Gegend zu wenig bürgerlich war und sich einen anderen Standort suchen musste. Handke, so viel ist sicher, kam ursprünglich vorbei, um dort seiner Tochter Amina zu begegnen, die im alten Chelsea regelmäßig als DJane wirkte, als dieses Wort noch nicht kreiert worden war. Handke, soviel läßt sich mutmaßen, kam aber bald auch, wenn Amina gar nicht zugegen war, um - soweit die Mutmaßung - das zechende Jungvolk und die neue wilde Musik auf sich einwirken zu lassen und somit quasi sozioliterarisch verwertbare Feldforschung zu betreiben. Wie auch immer: Handke knotzte stets an der Bar, unbewegt, wortlos, keinen Kontakt suchend, einen Buckel machend, irgendwie verängstigt in sich gekehrt und doch dem Szenario in Sympathie verbunden. An einem Abend schließlich geschah das Unfassbare: Ich, von einer nicht mehr zu unterdrückenden Unrast getrieben, stürmte Richtung Pissoir, quetschte mich an Handke vorbei und stieg dem Dichterfürsten dabei auf die Zehen! Sofort war aller Blasenstau vergessen und ich piepste ein mechanisches 'Entschuldigen Sie bitte, Herr Handke!', worauf der Dichter und Denker ein kaum vernehmbares 'grmpft!' erwiderte. Diese mir persönlich gewidmete literarische (Er)Regung habe ich seitdem fest und tief in meinem Hirnkastl gebunkert und dreifach eingerahmt.
    ------------------

  2. #2
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    So, so, grmpft... Ist doch schön, dass manche Dinge sich nicht ändern und manche Leute auch nicht; mein Freund erzählt immer, wie er sich vor dreißig Jahren mal ein Taxi mit Handke geteilt hat und der immer nur scheißescheißescheiße murmelte. Als er den Büchnerpreis gekriegt hat. Mein Freund dachte damals, der Handke stirbt jetzt hoffentlich nicht, wenn's ihm so scheiße geht. Ist ja dann nochmal gut gegangen.

  3. #3
    Member Avatar von DerSchorsch
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    Handke, Peter (tritt ins Licht)

    Es ist schon so lange her, dass ich mich nicht mehr an die Nummer der Straßenbahnlinie erinnern kann, in deren Wagen ich saß, vom Max-Weber-Platz kommend, und die Maximilianstraße hinunterrollte, vorbei an Maximilianeum und Max-Zwo-Denkmal, auf dem Weg zu einem weltvergessenen Pro- oder Hauptseminar in der Maximiliansuniversität. Die Straßenbahn überquerte gerade den Altstadtring, gleich würden die Kammerspiele zur Linken, die Oper zur Rechten an mir vorüberziehen, als ich Peter Handke aus der Tür der Kellerbar "La Cave" herauskommen sah.

    Als der Autor aus dieser kleinen Bar an das Licht trat, war es kurz vor 16 Uhr, also quasi am "Nachmittag eines Schriftstellers", wenn ich mir diesen Scherz erlauben darf. Handke trug sein Haar so lang wie ich, einen Schnurrbart wie ich, unterschied sich aber doch deutlich von mir, trug ich doch keinen weißen oder cremefarbenen Anzug, des weiteren hätten mir die Barmittel für das La Cave gefehlt.

    Es muss sehr dunkel in dieser Bar gewesen sein, die Helligkeit des Sommernachmittages warf sich dem Dichter mit Gewalt entgegen. Empört hielt dieser sich an der schweren Eichentür des La Cave fest, die er gerade hatte zuwerfen wollen.

    Dann ließ Handke die Tür los, fuhr herum und schaute die Maximilianstraße stadteinwärts hinab. Nach einem verärgert-aufsässigen Kopfschwung schaute er die Maximilianstraße stadtauswärts hinauf. Beides fand nicht seine Billigung, wie ich seinem Gesichtsausdruck entnehmen konnte.

    Der Haupunterschied zwischen Handke und mir war natürlich nicht dieser eierschalenfarbene Anzug, so ein heller Anzug eben, sondern der lag und liegt in meiner mangelhaften Beschreibungskompetenz, die mir Handke womöglich als Beschreibungsimpotenz vorgeworfen hätte, wie er das ja von Anfang an schon vielen vorgeworfen hat. Denn wenn ich den Anzug Handkes "weiß" oder "cremefarben" nenne, oder "irgendwie hell halt", so kann man damit nicht zufrieden sein.
    Ebenso fühle ich, dass ich das Auftauchen und Herauftauchen Handkes aus dieser Höhle unter mir, dass ich das Erscheinen Handkes in der Welt, das Sich-Entbergende des ganzen Vorgangs, nicht angemessen darstellen kann, ich saß in meiner Trambahn ja auch unangemessen hoch über Handke. Ich fühle den Mangel, aber ich kann ihm nicht abhelfen.

    Unsere Wege trennten sich nun, meine Trambahn rollte unaufhaltsam an Handke vorbei in Richtung Marienplatz, wo ich in die U-Bahn hinunter steigen würde, Handke aber, der ja schon aus der Tiefe kam, würde wohl an der Oberfläche bleiben. Ich kann aber beim besten Willen nicht sagen, welche Richtung er denn nun eingeschlagen hat, ob er die Maximilianstraße hinauf- oder hinabgegangen ist.

  4. #4
    Avatar von Alberto Balsam
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    weil eben wieder Elfmeterschießen war, und ich gestern Chris Duller auf der Straße gesehen habe aber nicht fragen konnte, nämlich, wieso nennt Handke sein eines Buch: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter? ich versteh den Titel nicht, der Tormann muss doch keine Angst haben, man geht doch davon aus, dass er den Ball nicht hält, und wenn doch, ist er der King, er KANN also nur gewinnen, müsste es nicht demnach heißen Die Freude des Tormanns beim Elfmeter?

  5. #5
    Avatar von Alberto Balsam
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    Aha
    "Der Titel wurde im Fußballsport zum geflügelten Wort, jedoch immer mit dem Zusatz versehen, dass es in Wahrheit eher der Schütze ist, der beim Schießen eines Elfmeters Angst verspürt."

  6. #6
    homo novus Avatar von Thersites
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    Irgendwann in der Vorrunde habe ich einmal kurz reingeschaltet und ein Hitzlsperger oder so meinte, da hätte es einem Team "den Stecker gezogen". Mehr kann man als Formulierung nicht erreichen.

  7. #7
    Avatar von Alberto Balsam
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    ich hab nur einen Kommentatorensatz immer im Hinterkopf, wenn beim so genannten Elfer ein Ball an die Latte prallt, ich weiss nicht mehr wo ich das gehört hab, ob original oder in einem Hörspiel von Ror Wolf:

    Die Pille war auf Alu getrimmt

    Und heute wieder beim so genannten Elferschießen, bitte einmal an die Stange, denn die Pille war auf Alu getrimmt, dass das mal ein Kommentator wiederholt, und jetzt bei Lanz der CSU Politiker mit den Briefkastenschlitzaugen namens Beckstein, was hat der an der linken Kopfseite, ist das ein Schraubverschluss? Ist das Alu, sind da seine Pillen drin? Erinnert an David Lynchs Film Straight Story, es gibt dort zwei sehr törichte Automechanikerbrüder, einer hat so ein Metallplättchen an der Backe

  8. #8

  9. #9
    Moderater Avatar von Murmel
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    Damit kann er seine Gedanken hören.

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