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Strang: Beuys, Joseph (Die Handschuhe von J. B.)

  1. #1
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    In der guten alten Zeit, als das Exil noch Wiener-Schnitzel-Treff und Trinkstube der Kreuzberger Maler war, die später als die 'Jungen Wilden' reüssierten, setzte sich einmal im rappelvollen Lokal ein Mann mit Hut an meinen Tisch: 'Verfilzt nochmal, daß ist doch der Beuys', denk ich, und sofort gingen mir seine Sinnsprüche - Jeder Griff muß sitzen - jeder Mensch ein Künstler - durch den Kopf. 'Was ich denn da trinke', fragte er mich, denn ihm war klar, daß im Exil kein Schwein Alt trank. 'Grünen Veltliner, denn sauer macht lustig', antwortete ich schon reichlich einem im Tee. Die rheinische Frohnatur bestellte sich daraufhin auch den damals angesagten Magenkiller.
    In jener Nacht tanzte Elvira Bach auf dem Tisch, unter dem der besoffene Rainer Fetting lag. Ja,ja, damals waren die Kreuzberger Nächte noch lang....
    'Iss dat hier immer so', raunte der Meister, 'nee, nur für sie',lallte ich nur noch, bevor mein Kopf auf den Tisch fiel.Er fiel weich, denn er fiel auf die schweinsledernen Handschuhe des Künstlers. Als ich wieder zu mir kam, war der Künstler verschwunden - ohne seine Handschuhe. Diese liegen nun in meinem Schuhkarton für extravagante Überbleibsel. Danke Joseph Beuys!

  2. #2
    Besoffen auf schweinsledernen Handschuhen von Josef Beuys einzuschlafen, finde ich ganz wunderbar! Kannst du die nicht scannen und ein Handchuhbild dem Diskussionsleiter Tex senden, damit sie jeder hier sehen kann? Ich habe auch etwas von Beuys zu Lebzeiten ergattert. Und das kam so:
    Bei einer Solidaritätsveranstaltung in einem besetzten Haus irgendwo in Schöneberg habe ich Beuys gefragt, ob er mir etwas Schönes zeichnen könnte. 'Etwas Schönes?' fragte er. 'Ja, nicht nur ein Autogramm, irgend etwas Hübsches.' Er hat einen leeren Din-A-4 Zettel genommen, der vor ihm lag, ihn mittig gefaltet und dann darauf in seiner Schreibschrift geschrieben: 'Kunst = ' und dahinter in Druckbuchstaben 'KAPITAL' und die Gleichung signiert. Er hat mich ernst aber freundlich angeschaut und mir den Zettel gegeben. Also Beuys hat natürlich sofort gemerkt, dass ich eine Art Kunstsammler bin und mich durchschaut. Was er da geschrieben hat, also diese Gleichung 'Kunst = Kapital' gibt es übrigens auch als Beuys-Multiple, geschrieben auf 10 DM-Scheinen in der Edition Staeck. Als Gegengeschenk - ich wollte kein kalter Kapitalist sein - habe ich ihm dann einen selbstgemachten Sticker von der Tödlichen Doris geschenkt, eine Zeichnung unter der stand 'Blumen am Grab des Vaters' und er hat sich nett dafür bedankt. Beuys war wirklich ein Mensch mit sehr sympathischer Ausstrahlung, ja - versehen mit einer regelrechten Aura - und ein großartiger Künstler dazu. Den Zettel habe ich heute neben meinem Schreibtisch hängen.

    (Beitrag wurde von Wolfgang Mueller am 22.01.2001 um 03:19 Uhr bearbeitet.)

  3. #3
    Deshalb aergere ich mich auch , dass ich fast mal seine erste kassler Eiche abgeholzt haette (siehe Werner Buettner Strang), bin aber froh, dass ichs dann doch nicht gemacht habe.

  4. #4
    Es scheint eine Art Lebenskonzept von Herrn Beuys gewesen zu sein, Örtlichkeiten mit seinen Hinterlassenschaften zu veredeln. Im Mannheimer Kunstverein zeigte mir der dortige Geschäftsführer einmal eine Stelle an der Wand, wo der Filzmann sich zeitens einer Ausstellung angelehnt und dabei einen Schuhabdruck zurückgelassen habe. Noch während die Mannheimer Kunstfreunde damals überlegten, wie sie diesem beiläufigem aber doch so bedeutungsvollen Zeugnis entsprechenden Respekt zollen sollten, überrollten brave Mannheimer Maler den Schuhschmutz. Es folgten sieben Jahre Dürre in Mannheim.

  5. #5
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    Eine Freundin die ich leider schon vor vielen Jahren aus den Augen verloren habe, hat früher Kunst studiert und kannte auch Joseph Beuys. Sie erzählte mir,er sei einmal auf der Dokumenta gewesen, und da standen standen Schmuckverkäufer mit ihrem Stand. Natürlich schwarz. Da kamen die Schupos und wollten den Stand beschlagnahmen. Joseph Beuys hat den Vorgang zufällig beobachtet und ist kurz entschloßen eingeschritten. Razzfazz hat er für 3000 DM den ganzen Stand gekauft und ihn zum Ausstellungsobjekt erklärt. Hat mir meine Freundin Andrea erzählt, die selbst dabei gewesen ist.

  6. #6
    Avatar von lacoste
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    Darf man hier auch von Devotionalien erzählen, die nicht von Joseph Beuys stammen?

  7. #7
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    Ich denke wenn du es mal drauf ankommen läßt, wer wollte es dir verwehren?
    Nur Mut!

  8. #8
    ES FOLGTEN SIEBEN JAHRE DUERRE IN MANNHEIM
    was fuer ein Titel!
    Joseph Beuys, der Grosse! Was fuer ein Stern!
    Unser Andy Warhol!
    Mich schauderts, wenn ich daran denke, dass ich diesen Meister entthronen wollte, ich Kroete, mit der dummen Abholzungsaktion, er haette mich wahrscheinlich eingemeindet in sein maechtiges Kunstimperium.
    Niemals gab es einen groesseren Visionaer,und wird es auch nicht mehr geben.
    Verzeiht mein Pathos, Freunde.

  9. #9
    Dir ist längst vergeben worden - von wem auch immer, lieber Tex. Es wird vielleicht Probleme geben, wenn Du später Leiter einer Kunsthalle werden möchtest - als der Mann mit der Axt oder war das eine Säge?!
    Dieter Roth hat übrigens mal vor Wut in eine Installation von Beuys reingetreten, d.h. in einen Eimer mit Fett. Er bekam aber seinen Fuß nicht mehr aus dem Eimer, zerrte herum und so verteilte sich das Fett im ganzen Raum. Anschließend lief er mit seinen fettverschmierten Schuhen über ein Kupferrohr, das Teil der Beuysschen Installation war. Dieter Roth war nämlich auch Teilnehmer dieser Ausstellung, einer Gruppenausstellung. Er hatte im Raum neben der martialischen Arbeit von Beuys (wuchtiger filzbeinumwickelter Holztisch) trotzig einen Campingtisch mit Klappstühlen hingestellt und sich total geärgert, dass sein fröhlicher Gegenentwurf gar weiter beachtet wurde.Im Gegenteil, die Besucher der Ausstellung waren so frei und setzten sich einfach auf Dieter Roths Campingstühle, um die Arbeit von Beuys intensiver und länger bewundern zu können bzw. um sich etwas auszuruhen. Jedenfalls sollte Dieter Roth dann wegen Zerstörung eines Kunstwerks viel Geld bezahlen und Beuys hat - nachdem ihn Dieter Roth anrief und entschuldigend den Grund seines Wutanfalls erklärte, die Vereinbarung mit ihm getroffen, das Ganze zu einer Gemeinschaftsarbeit Beuys-Roth zu erklären. Ich habe die Geschichte vor Jahren erzählt bekommen und eines Tages in Köln zufällig einen italienischen Katalog in die Hand bekommen, wo die Szene 'Dieter Roth läuft mit fettverschmierten Schuhen über ein Kupferrohr von Beuys' fotografisch dokumentiert war. Der Katalog lag zufällig neben meinem Bett in der Wohnung von Nils Röller, der mich zu einem Elfenvortrag eingeladen hatte. Ich blättere also in dem Katalog herum und sehe plötzlich diese Fotos. Und am nächsten Tag (!) ruft mich Harald Fricke von der taz an und fragt, ob ich nicht einen Text zu Dieter Roth schreiben könne. Es müsse aber recht schnell geschehen, er sei nämlich gerade gestorben. So schrieb ich dann den ersten Nachruf meines Lebens. Auffälligerweise ist diese Geschichte mit dem In-den-Fetteimer-hineinstapfen meines Wissens nach sonst nirgendwo publiziert oder irgendwie thematisiert (geschweige denn theoretisiert) worden. Wahrscheinlich hat die Kuratoren- und Kunstmafia Angst vor der ungeplanten Entstehung weiterer 'Gemeinschaftskunstwerke'.
    Also Dieter Roth ist natürlich ebenfalls ein großartiger Künstler, genauso einzigartig. Seine Ausstellung vor wenigen Jahren in der Sezession in Wien war phänomenal.

    (Beitrag wurde von Wolfgang Mueller am 24.01.2001 um 11:54 Uhr bearbeitet.)

  10. #10
    Wieso schreibt oder schrieb der sich eigentlich manchmal mit ohne E?
    Also Diter Roth?

  11. #11
    Er hat auch Psyeudonyme benutzt und damit Grafiken signiert. Also ich vermute, dass er sich nicht festlegen wollte.

  12. #12
    ***schwampf******schwampf******schwampf******schwampf******schwampf******schwampf******schwampf******schwampf******schwampf***
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    Emmett Williams erzählte mir einmal folgende Geschichte über Diter Roth. Ein weiblicher Fan wollte ein Künstlerbuch von ihm signiert haben und fragte ganz höflich danach. Diter Roth antwortete: 'If you fuck with me, I will sign it'. Auch nicht gerade nett, oder? Aber nichts für ungut: ich mag seine Kunst ja auch.
    (Beitrag wurde von Hartmut Andryczuk am 24.01.2001 um 12:20 Uhr bearbeitet.)

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