-
Lieber Observer,
dann leg aber bitte in die Kiste mit dem Osterhasen und dem Fliegenpilz was weiches und warmes unten drunter, ein kleines Vlies, damit die Sachen von Nichten oder Neffen es nicht so hart und kalt haben.
Das ist doch was ganz anderes, wenn es von Kindern stammt, die von Lehrer/innen, Kindergärtner/innen oder Eltern zur Herstellung solch solcher DInge gezwungen werden.
Man muss eine klare Unterscheidung treffen zwischen Leuten, die sich einfach keine Mühe geben, zu dumm oder geizig sind und keinen Geschmack haben. Die Teufel.
Nichten und Neffen, Söhne, Töchter etc. dürfen da auf keinen Fall zu hart bestraft werden.
Also bitte gleich noch irgendwo ein Fetzchen Sammet beschaffen.
Vielen Dank.
-
guter tip, dass mit dem polster. der kaputte hase hat mich sicherlich zu einem sensibleren und bedächtigeren menschen gemacht. bei der gelegenheit möchte ich noch anbringen, dass ich generell überhaupt kein feind von geschenken bin. da mein bekanntenkreis irgendwie total ungeschenkig ist, stelle ich es mir ganz reizvoll vor, dutzende von kleinen, nettgemeinten sachen entgegenzunehmen.
-
Wundensalzstreuer! Mein Wort der Woche. Wundensalzstreuer. Es ist in dem Fall sicher schlimmer, ein Mann zu sein (oder jedenfalls sexuell eher den Frauen verbunden), weil Männer einem erst gar nichts schenken. Ich kann mich jedenfalls an keine Exfreundesgeschenke erinnern, die mir das Leben schwer machen. Es gab da zwar mal in grauer Vorzeit einen jungen Mann, der mir ein blaues Kunstpelzchen mit Brille für auf die Maus bescherte, ein grauenvolles Buch, das vom Verlag als 'feministisches Science-Fiction-Feuerwerk' bezeichnet wird, und ein Paar Ohrringe aus braunem Fimo. Ich trennte mich zügig von allen vier.
Frauen dagegen schenken ihren Freunden andauernd irgendwelchen Unfug. In meiner Jugend waren das vor allem 'Der kleine Prinz' und 'Die Möwe Jonathan', und ich fürchte, daran hat sich nicht viel geändert. Haltet euch fern von den Frauen! Und eure Wohnungen werden frei von Topfpflanzen und Plüschtieren sein auf immerdar.
-
Das furchtbarste Geschenk von allen
Ich bin im Besitz eines Geschenkes von ziemlich unüberbietbarer Monstrosität. Zum Glück bin ich lediglich aus dritter Hand in seinen Besitz gelangt - schon aus zweiter wäre wohl zu nahe dran. Ein Exfreund (ja, ich habe grade behauptet, dass man von Männern nichts geschenkt bekommt, geht doch ins Erbsenzählerforum), der Arzt war und auf der Krebsstation arbeitete, hatte es vom Chefarzt bekommen, d.h. der Chefarzt hatte es von Grauen überwältigt zu ihm abgeschoben. Wenn man Chefarzt ist, bekommt man wohl ziemlich viele schlimme Geschenke. Der Exfreund wollte es genausowenig behalten, und so gelangte das fluchbeladene Objekt zu mir, wo es seitdem hinter dem Schrank steht. Ab und zu betrachte ich es mit Grausen und Ergriffenheit.
Es ist ein nicht ganz kleines Ölbild, das die Eltern eines im Alter von 18 oder so an Krebs verstorbenen Patienten zum Dank für den Chefarzt gemalt haben. Die Eltern konnten überhaupt nicht malen, und so sieht der arme Bub recht graugrün und elend aus. Rund um das Porträt bedanken sich die Eltern von ganzem Herzen beim Personal der Klinik. Obwohl der Sohn gestorben ist. Geöffnete Hände sind da zu sehen, und brennende Kerzen, und vielleicht auch das eine oder andere Herz. Ich habe das Bild schon länger nicht hinter dem Schrank hervorgeholt und habe das auch so bald nicht vor.
Bedenkt dies, wenn ihr über ein paar läppische Schlüsselanhänger in der Form holländischer Holzpantinen jammert.
-
Einmal habe ich mit jamesbondgleicher, ungewohnter Geistesgegenwart in allerletzter Sekunde ein schauerliches Geschenk gerade noch abwenden können. Vor langer Zeit, als ich mir gerade einen Telefonanschluß angeschaft habe, wurde es alsbald Weihnachten, was man im Kreis seiner Familie zu begehen hat. Da standen meine Mutter mitsamt meiner Großmutter strahlend unterm Baum und präsentierten mir zum Telefon etwas, von dem sie der Meinung waren, daß ich es unbedingt bräuchte. Es war ein Telefonschränkchen, mit drei Schubladen, aus reinster, barockimitierter, massiver Eiche. Teuer, mit Liebe ausgesucht, ein Mahnmal des schlechten Geschmacks und von abgrundtiefer Häßlichkeit.Mit letzter Kraft entging ich einer Ohnmacht. Ich wußte, dieses Geschenk konnte ich zum einen keinesfalls ablehnen, zum anderen aber auch unter keinen Umständen annehmen; es würde eine Last fürs Leben werden. Guter Rat mußte her und zwar sofort. Um Zeit zu gewinnen, heuchelte ich zunächst einmal die vorgeschriebene Freude.Im Geiste arbeitete ich fieberhaft an einer Lösung. Die fiel mir glücklicherweise ein. Nachdem der erste allgemeine Freudentaumel sich etwas gelegt hatte, begann ich, laut darüber nachzudenken, wo ich wohl das Prunkstück besonders und ihm angemessen aufstellen könnte, so daß es auch recht zur Geltung käme. Und da habe ich doch einfach keinen Platz gefunden, keine 80cm die irgendwo noch frei gewesen wären. Nachweislich. Man kann sich meine zunehmende Enttäuschung gar nicht vorstellen. Immerhin, Mutter und Großmutter habens eingesehen und der Schrank steht heute noch bei meiner Mutter. So mit Engelszungen gelogen habe ich nur noch einmal im Leben und ich schäme mich auch von ganzem Herzen dafür. Aber jetzt ist es endlich heraus, ich habe es öffentlich bekannt, ich bereue und hätte jetzt gern die Absolution.
-
Kathrin Passig, ich fühle mit dir, aus ganzem Herzen. Aber darf ich dich vielleicht eines Tages besuchen und du zeigst mir dann das Meisterwerk? Ich würde auch meine beachtliche Sammlung peinlicher religiöser Musik mitbringen und wir könnten Kaffe trinken aus Diddlmaustassen, wenn uns einer eine leiht und Kuchen essen von Salzteigtellerchen und es wäre ein Nachmittag wie das Herz Jesu auf Nadelkissen.
-
Sind hier Damen der Hosengröße 30/32 oder wohl auch 28/32 anwesend? Meine Mutter und meine Schwester bescherten mir eine schwarze Nadelstreifenhose aus so einem merkwürdigen Stretch-Stoff. Sie sieht ganz gut aus, wenn man sowas mag, und kratzt fast gar nicht. 'Wenn sie dir nicht gefällt, sag es, denn dafür, dass du sie dann nie trägst, ist sie zu teuer' sprach meine Mutter mahnend. Ich schwaches Geschöpf beteuerte, das sei eine prima Hose, falls ich mal zu einem Vorstellungsgespräch müsste und überhaupt. Seit zwei Jahren wirft mir diese Hose jetzt anklagende Blicke zu. Ich kann nicht mehr. Merkwürdig und ungerecht ist es, dass sich die kummerbereitende Kraft der Geschenke so viel länger frisch hält als die erfreuende.
-
ich finde man kann hässlichen geschenken auch einen sehr praktische aspekt abgewinnen (mit etwas gutem willen)
ich möchte hier in die tigerentenkerbe schlagen, und erzähle eine ähnlichgelagerte aufdemabsatzumdreh-geschichte (nix für schwache gemüter, war aber echt so):
erster abend in der wohnung einer zufälligen bekannten etwa gleichen alters, laberlaber, musikhör, kolasip. während des aufbruchs in die wochenendabendliche mittelgrossstadt das bekannte zimmerscannen, aquarium etc. pipapo DANN:
1. EIN TOTER GETROCKNETER EHEMALS AQUARIUMBEWOHNENDER WELS AUF DEM SCHREIBTISCH. NEIN. ICH WOLLTE IHN NICHT ANFASSEN. (das allein hätte es nie bishierhin geschafft)
2. IM REGAL EIN KUBISCHES CA. 1,5l FASSENDES LABORGLAS (ja, ihr kennt sie aus schule oder uni, dickes verschweisstes glas) MIT EINEM bitte festhalten HALBEN MISSGEBILDETEN EMBRYO. (mir ist wieder schlecht) die missbildung bestand darin, dass hirn und rückenmark nicht an den gewohnten plätzen waren, sondern in einer art beutel, der am nacken begann, mit halb meine ich die fehlende linke körper- und kopfhälfte)
es wollte und will mir nicht in den kopf, das jemand freiwillig soetwas in sein wohn- und schlafzimmer stellt. ich hoffe ihr träumt jetzt nicht schlecht.
aber hier die moral von der geschicht und der nutzen von hässlichem zeug: ohne derlei zierrat hätte ich vermutlich viel später erst bemerkt, dass ich auf solchen umgang gern und schnell verzichten kann. kaum vorzustellen, was mir dadurch alles erspart blieb!
kathrin: was heisst 'für auf die Maus'?
-
Liebe Frau Maisch, genauso soll es geschehen. Wir können den Anlass ja mit einer wohltätigen Tombola zur Befreiung von peinigenden Geschenken verbinden. Denn verschenktes Leid ist halbes Leid.
-
Pelze für auf die Maus, das sind solche Technikversöhnungshilfsmittel aus der Anfangszeit der privaten Computer. Kleine Synthetikpelze, die man auf die Maus tun kann, wenn man sie nicht benutzt, um so deren menschenverachtenden Big-Brother-Technokratie-Schweinesystem-Charakter zu verschleiern und zu verniedlichen. In die gleiche Gattung gehören auch 'Mausgaragen' in der Form einer Käseecke aus Plastik, in die man die Maus nach Feierabend rollen kann, Monitoraufklebeplüschtierchen, Mauspads mit Familienfotos und jener unsägliche Satz Salz- und Pfefferstreuer, einen Mann darstellend, der mit der Faust in seinen Monitor schlägt. Wenn nette, aber ahnungslose Menschen jemandem, der viel Zeit am Computer verbringt, was schenken wollen, kriegen sie von Geschenkabteilungsverkäuferinnen, diesen Abgesandten Satans, meistens eben sowas angedreht.
Zum Embryo: Eine inzwischen leider verstorbene entfernte Tante von mir hatte auch sowas in ihrem Schlafzimmer stehen und bot es mir sogar mal als Geschenk an. Ich war damals erst 14 und lehnte höflich ab, habe diese Entscheidung aber seitdem oft bereut. Heute hätte ich gern so einen halben Fötus. Nicht aus reinem Zynismus, und auch nicht, um mich täglich an die pünktliche Pilleneinnahme erinnern zu lassen, sondern ... ich weiß auch nicht. Ich könnte ihn auf meinen Hausaltar stellen, zu den versteinerten Hinterteilen ausgestorbener Tiere, und mich so hin und wieder dezent daran erinnern lassen, dass wir alle eines Tages tot sind und dann vielleicht in einer lachhaften Darreichungsform die Hausaltäre fremder Menschen zieren.
-
Liebe Kathrin Passig, ausgezeichnete Idee, eine Geschenketombola auszuloben. Man könnte sie natürlich im Rahmen eines bunten Abends veranstalten, zu dem ohne Frage auch Jürgen Brömmer hinzuzuziehen wäre. Ich selbst war bereits auf die Idee verfallen, Forumsmitglieder dafür zu gewinnen, irgendwo einen Raum anzumieten, das könnte ja auf dem Land sein, billig jedenfalls, dort würde jeder seine peinlichen Gegenstände würdig ausstellen können es gäbe Besichtigungen von Zeit zu Zeit, bunte Abende unter der Leitung von Jürgen Brömmer inbegriffen. Du kannst mich übrigens ruhig duzen, Kathrin Passig,gemeinsames Leiden hat uns einst aneindergekettet, denn wir sind uns bereits einmal begegnet und zwar bei der Hochzeit eines uns beiden bekannten Paares, wo ich selbst die Ehre hatte, der Enthüllung der Geschenke beizuwohnen. Darüber zu berichten steht mir jedoch nicht zu. Du müßtest dich meiner vielleicht entsinnen; Es war am Folgetag, wir mußten Besteck sortieren, eine Arbeit, wie du ganz richtig anmerktest, für einen der Mutter und Vater erschlagen hat.
-
Wir sind uns sogar noch viel früher begegnet, verehrte Frau Maisch, nämlich bei Herrn Numminen in Frankfurt (gibts hier irgendwo als Strang). Aber man darf doch auch ab und zu Bekannte siezen, wenn ihre terroristenreiche Vergangenheit einem tiefe Ehrfurcht einflößt. Arm alle Sprachen, in denen nicht gesiezt werden kann!