-
Ich kenne Frau Wussow ja nicht weiter und interessiere mich auch überhaupt nicht für Fäkalien aller Art. Sollte der Eindruck aufgekommen sein (die diversen Antworten, die sich mit genau diesem Thema beschäftigen, scheinen dafür zu sprechen), so wollte ich das hier klarstellen.
Ferner ist klarzustellen, daß Frau Wussow eben nicht in diesem Designer-Laden SCHRÄG der Kirche war; dieser war zu jenem Zeitpunkt außerordentlich schwach frequentiert, so schwach, daß Kellner und Koch draußen beim Bier saßen und das beschriebene Geschehen beobachteten, das sich ca. 50 Meter weiter HINTER besagter Kirche vor einem ganz und gar nicht durchgestylten Lokal abspielte. Insofern muß ich die hier aufgestellte Vermutung, B. Wussow verkehre ausschließlich in modernem Ambiente, doch erheblich in Zweifel ziehen.
-
Aporie, triff Dich mal mir hanswasheiri, der war auch in der Loosbar, und die hat einen überraschenden Spiegeltrick, der sogar funktioniert.
-
Danke Schmidtchen. Wie konnte ich nur den Namen des Ornamenten-Stürmers so falsch schreiben. Die Spiegel in der Loos-Bar kenne ich, aber der Trick ist mir verborgen geblieben oder nicht mehr erinnerlich.Ist Hanswasheiri Architekt? Managt er von Zürich aus heimlich Coop Himmelblau?
-
Die Bar hat eine Kassettendecke aus Marmor, die durch den umlaufenden Spiegelkranz optisch ins Unendliche verlängert wird.
Es ist aber nicht ganz so einfach, wie sich's hier anhört.
-
Als Herr Wrobel in der Loosbar war verweigerte er allerdings sich mittels Einnahme von Getränken optisch ins Unendliche zu verlängern. Es hätte ihm gut gestanden.
-
Stimmt, bei mir wäre die optische Verlängerung überraschender als bei Dir. Die Nacht als solche hätte sich nicht mehr beliebig verlängern lassen.
-
Den Unendlichkeitsfaktor Loosesker (oder gibt es einen besseren Plural?) SPIEGEL überdenkend, überkommt mich ein gräßlicher Verdacht. Könnte es sein, dass der SPIEGEL-Online-Redaktion eine ähnliche Installation zur Verfügung steht? Ich meine im Sinne von: Jeder Spiegelonlinepappe, der sich im Forum einklickt, vermehrt sich ins Unendliche?
-
Unendlich stimmt nicht ganz. Auf der Schmalseite des Raumes (also da, wo der Trick am besten zu beobachten ist und beim Reinkommen sofort auffällt), ist die Speigelung nicht unendlich, und das ist gut so. Unendlich ist, na ja, ein bischen banal, so das Niveau eines Spiegelkabinetts, ein Spielchen. Und ich vermute, es würde dann auch nicht ein Gefühl von Weite geben, sondern nur ein Gefühl von 'Tricky'.
Loos hat darum die eine Seite des Raumes, die, auf der man reinkommt, eben nicht mit Speigeln, sondern mit dünn geschnittenem Stein verkleidet, sodass sich der Raum nicht unendlich vermehrt, sondern 'nur' verdoppelt. Was irgendwie glaubwürdiger ist, auch diskreter und gediegender, nicht einfach nur 'fancy'. Durch die Kassettendecke und die 1/2 (bzw 1/4-Stützen in den Ecken) wird der Eindruck perfektioniert, eine glatte Decke oder Stuckdecke hätte schlechter funktioniert. Diese eine nicht Spiegelverkleidete Wand macht den Unterschied von Loos zu irgendeinem Architekten, der alle Seiten verspeigelt hätte.
Die Marmorplatten über dem Eingang sind übrigens so dünn geschnitten, dass sie lichtdurchlässig werden und ganz schwach, aber wunderschön golden schimmern. Durch die Speigelung an der gegenüberliegenden Wand entsteht der Eindruck, dass irgendwo, viel weiter hinten, nochmals Licht in den Raum fällt.
(Widerum: das hätte mit einem normalen Glasfenster kaum funktioniert. Sofort hätte man gemerkt, dass es nur gespiegelt ist. Beim geometrischen Muster der Steinplatten und dem nur schwachen Schimmern fällt dies kaum auf.)
Das hab ich mir überlegt zu diesem Thema.
-
Aaah,ich muss nach Wien, in diese Bar. Eine Wand hat er nicht verspiegelt? Er kannte wahrscheinlich alle Spiegelkabinette, die aus dem 18. Jahrhundert, und wusste, warum sie ihm gefielen. Das ist der feine Unterschied zu allen möglichen prächtigen neuen Spiegelgebäuden, auf die man nicht achten muss.
-
Die Loos-Bar heißt aber eigentlich American Bar und der korrekte Titel des Buches ist Ornament UND Verbrechen. Und wieso ist das Haas-Haus scheußlich? Der Effekt vom sich spiegelnden Stephansdom ist doch wohl einzigartig!
-
Verdoppelung durch einmal spiegeln - naja, so aufregend klingt das, von außen betrachtet, ehrlich gesagt, nicht. Wenn er die Decke genau verdreifacht hätte vielleicht oder vervierfacht. Müßte doch eigentlich auch möglich sein: Wenn man den Eingang etwas schräg in eine Ecke legt und Spiegeltableaus an den Wänden im Zickzack anbringt.
\/\
(Im Zickzack, damit die als prollig empfundene Unendlichkeit sich von keinem Standpunkt aus einstellen kann.)
(Die Skizze gibt den Lichtstrahl wieder, nicht die Spiegelwände.)