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Wir höflichen Paparazzi
   
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"Und die Ewigkeit lag auf dem Chaos"

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Von Hermes Phettberg

Genau betrachtet sind wir fehlbenannt. Denn der Herr Pappa Razz, unser Namenspatron, war einer, der so lange wo saß, bis wer wo raus kam, damit er ihn dann zu reportieren vermochte. Wir sind da anders, laut unseren Statuten, es sei denn, wir betrachten alles Leben als Lauern.

Ein ganz Arger war Jesus Christus von Nazareth. Der war heiß auf Gott, den Herrn. Ihn zu schauen. Noch viel ärger als Herr Razz. Christus ließ sich physilieren, um seinem »Angehimmelten« nahe zu kommen. Dies hat viele beschäftigt, aber niemand hat es so sehr eingefŸhlt wie Jean Paul Siebenkäs.

Der hat in seinem Text »Rede des Toten Christus vom WeltgebŠude herab, dass kein Gott sei« die Präambel aller Paparazzistik, welcher Höflichkeitsstufe auch immer, geschrieben. Jean Paul schildert einen Traum. Er sieht in diesem Traum, wie sich der Nachthimmel auftut und den Blick in ein unendliches Weltall freigibt. Er sieht, wie das €ußerste und das Innerste der Welt bloßgelegt wird, wie die Gräber auseinanderklaffen und die Toten der Auferstehung entgegenzittern. Dann erscheint der tote Christus am Himmel, eine unendlich edle Gestalt, erschüttert von namenlosem Schmerz.

Wie er erscheint, rufen ihm die Toten der Erde voll schrecklicher Ahnung entgegen: Christus, sag uns, ist kein Gott? Er muss ihnen antworten: Es ist keiner! Und dann berichtet Christus den Toten in den Gräbern, wie mit ihm im Augenblick seines Todes geschah: »Ich ging durch die Welten, ich stieg in die Sonnen und flog mit den Milchstraßen durch die Wüsten des Himmels! Aber es ist kein Gott. Ich stieg herab, so weit das Sein seine Schatten wirft, und schauete in den Abgrund und rief: Vater, wo bist du? Aber ich hörte nur den ewigen Sturm, den niemand regiert, und der schimmernde Regenbogen ... stand ohne eine Sonne, die ihn schuf, über den Abgrunde und tropfte hinunter.«

Dann kommt die furchtbarste Stelle des ganzen Textes. Christus berichtet, wie er in dem unermesslichen Raum die Augen des Vaters suchte und sie nicht fand. Nur der unendliche Kosmos starrte ihn »mit einer leeren bodenlosen Augenhšhle an! Und die Ewigkeit lag auf dem Chaos und zernagt es und wiederkŠuete sich.«

[Jean Paul Siebenkäs »Erstes Blumenstück«]

Jean Paul
eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter

* 21.3.1763 in Wunsiedel
‡ 14.11.1825 in Bayreuth

1781 bis 1784 Studium der Theologie und Philosophie in Leipzig
1790-1794 Lehrer an einer Elementarschule in Schwarzenbach
lebte von 1798-1800 in Weimar, daselbst Begegnungen mit Goethe, Schiller Herder
erblindete 1824

 

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